Online-Supermärkte im Test Essen auf einen Klick

Von Sandra Markert 

Auch frisches Obst und Gemüse bietet der Online-Supermarkt Foto: 3Dmask/Fotolia
Auch frisches Obst und Gemüse bietet der Online-Supermarkt Foto: 3Dmask/Fotolia

Kein langes Suchen, keine Warteschlangen, kein Schleppen von Sprudelkisten: Online-Supermärkte haben viele Vorteile. Dennoch nutzen sie die Deutschen noch sehr zögerlich. Ein Vergleich der größten Anbieter zeigt, warum.

Stuttgart - Wurst, Äpfel, Milch, Schokolade und Nudeln befördert Edeltraud Hahn in ihren Einkaufswagen. Früher hätte sie den Wagen jetzt zur Kasse geschoben und sich dort in die Warteschlange gestellt. Danach hätte sie die Einkäufe in ihre Wohnung im zweiten Stock in Stuttgart-Vaihingen geschleppt. Mit Mühe, denn Hahn ist 66 Jahre alt und gehbehindert. Nun bewegt die Rentnerin nur noch ihren Zeigefinger. Klickt mit der Maus das Bestell-Kästchen am Computer an. Am nächsten Tag klingelt der Lieferservice ihres Supermarktes „und trägt mir die Einkäufe dahin, wo ich sie brauche“.

Edeltraud Hahn ist total begeistert vom Lebensmittel-Einkauf über das Internet. Doch ihre positive Meinung teilen in Deutschland bislang nur wenige: 70 Prozent haben noch nie Lebensmittel online eingekauft (so genanntes E-Food), der Anteil von E-Food am Lebensmittelmarkt liegt bei ­lediglich 0,8 Prozent. Diese Zahlen stammen aus einer aktuellen Studie des Forschungsinstitut des Handels (EHI) zu E-Food in Deutschland. Während in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien der ­Wocheneinkauf inzwischen häufig übers Internet abläuft, haben die Deutschen noch viele Vorbehalte: „Sie wollen Obst und ­Gemüse selbst auswählen und vor allem nicht mehr bezahlen, als im Supermarkt vor Ort“, sagt Sascha Berens, Projektleiter ­E-Commerce beim EHI und Autor der ­E-Food-Studie.

Wer große Mengen einkauft, spart sich die Lieferkosten

Doch die Margen für Lebensmittel sind in Deutschland so gering, dass schon ein klassischer Supermarkt genau kalkulieren muss. „Für den Online-Markt sind zunächst hohe Investitionen nötig, um die komplizierte Lieferstruktur für sensible Produkte wie frische Lebensmittel aufzubauen und danach bleiben die Kosten für die Lieferung“, sagt Berens. Weshalb der Lebensmittel-Einkauf übers Internet eigentlich teurer sein müsste als im Laden vor Ort.

„Ist er aber nicht“, sagt Edeltraud Hahn. Man müsse nur seine Einkaufsgewohnheiten ändern: Statt mehrmals die Woche kleine Mengen zu kaufen, bestellt sie einmal den Wocheneinkauf. Die Lieferkosten werden ihr dann erlassen. „Und die Produkte selbst kosten nicht mehr als im Markt vor Ort.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch ein kleiner Test unserer Zeitung unter den wichtigsten klassischen Supermärkten sowie zwei reinen Online-Anbietern. Allerdings fallen neben den Lieferkosten häufig noch ein Frischezuschlag an oder Extrakosten für eine schnelle Zustellung.

Vollsortiment noch Mangelware

Vor allem aber ist es – bis auf eine ­Ausnahme – nicht möglich, tatsächlich alle Produkte eines normalen Einkaufs auch ­online zu bekommen. „Insbesondere die klassischen Supermärkte tun sich noch schwer mit einem solchen Vollsortiment wegen den Herausforderungen bei Kühl- und Tiefkühlprodukten“, sagt Fabio Ziemßen. Er berät Firmen zum Lebensmittel-Onlinehandel und arbeitet derzeit für die ­Metro-Gruppe.

Ein solches Vollsortiment müssten die ­Läden aber anbieten, um mehr Kunden zu gewinnen. Denn wer wegen ein paar Bananen doch wieder in der Supermarktschlange warten muss, wird sich kaum von den ­Online-Vorteilen wie bequeme ­Lieferung oder Zeitersparnis überzeugen lassen.

Das haben neben dem Handelskonzern Rewe – in Deutschland Vorreiter beim ­E-Food – inzwischen auch Metro oder Edeka erkannt. „Die klassischen Supermärkte investieren derzeit kräftig und beginnen, ihre Vorteile gegenüber reinen Online-Anbietern zu nutzen“, sagt Ziemßen.

Verpackungsmüll bei Lieferservice kein Problem

Denn während sich Shops wie Mytime oder Amazon fresh erst noch einen Namen machen müssen, haben die klassischen Supermärkte ihre Kunden und die Kunden kennen die Qualität der Waren. Hinzu kommt, dass die Lieferwege über die Lager und Geschäfte vor Ort mit eigenen ­Lieferfahrzeugen einfacher sind, als wenn ein reiner Online-Händler die Lebensmittel über Paketdienste liefern lässt. „Dabei fällt auch weniger Verpackungsmüll an, weil der Lieferant Kühlboxen und Kartons gleich wieder mitnehmen kann“, sagt Ziemßen.

Edeltraud Hahn nimmt drei Tüten von ihrem Lieferanten entgegen und prüft kurz die Lebensmittel darin. „Wenn mir was Frischer nicht gefällt, kann ich es gleich wieder mitgeben.“ Nötig sei das eigentlich nie.“Bei den Bananen bekomme ich sogar immer welche, die unterschiedlich reif sind.“ Dann drückt sie dem Supermarkt-Mitarbeiter noch Leergut in die Hände und macht die Tür zu. Schleppen dürfen die Kisten beim Online-Shopping andere.

 

Sortiment Dauer Einkauf Suche Mindest-
bestellwert
Lieferkosten Lieferzeiten
Rewe online wie im örtlichen Rewe-Markt; alle 16 Testprodukte verfügbar 5 Minuten klarer Aufbau ohne ablenkende Werbung; es wird angezeigt, dass die Ware erfolgreich in den Warenkorb gelegt wurde 40 Euro 2,90 – 4,90 Euro je nachdem um wie viel Uhr geliefert werden soll und wie groß das Lieferzeitfenster ist; ab 100 Euro Bestellwert kostenlos Mo – Sa von 8 bis 22 Uhr in Zeitfenstern, die der Kunde selbst wählen kann
Edeka24 kein Obst und Gemüse, keine Kühl- und Tiefkühlprodukte; 8 von 16 Testprodukten verfügbar 15 Minuten viel Werbung auf der Startseite; über die Suche werden häufig Produkte gefunden, die nicht dem Gewünschten entsprechen (z.B. Würzmischung bei Hackfleisch) keiner 3,95 Euro; ab 75 Euro Bestellwert kostenlos DHL Standardversand, 1-3 Werktage, keine Wunschlieferzeit
Alnatura Shop kein Obst und Gemüse, keine Kühl- und Tiefkühlprodukte, kein Mineralwasser, keine Hygieneprodukte; 6 von 16 Testprodukten verfügbar 15 Minuten über die Suche werden Produkte gefunden, die nicht dem Gewünschten entsprechen (z.B. Shampoo und Linseneintopf bei Wasser); man kann auf der Startseite nicht sehen, was schon im Warenkorb liegt 25 Euro 4,90 Euro DHL Standard oder 19,90 Euro DHL Express; ab 49 Euro Bestellwert kostenlos DHL Standardversand 1-3 Werktage ohne Wunschlieferzeit, bei Expressversand Zeitfenster vor 12 Uhr oder nach 17 Uhr
Lidl viele Drogerieartikel, einzelne Frühstückartikel, Weine; 2 von 16 Testprodukten verfügbar 10 Minuten Suche funktioniert nur mit genauen Produktnamen (z.B. nur Toilettenpapier, nicht Klopapier) keiner 4,90 Euro DHL Standard  DHL Standardversand 1-3 Werktage ohne Wunschlieferzeit
allyouneed fresh Vollsortiment, frisches Obst und Gemüse nur in vorgegebenen Mengen; alle 16 Testprodukte verfügbar 6 Minuten übersichtlicher Aufbau; es wird angezeigt, dass Ware erfolgreich in den Warenkorb gelegt wurde – allerdings als Textfenster, welches bei jedem Produkt weggeklickt werden muss keiner 4,90 Euro DHL Standard bis 40 Euro Bestellwert, danach kostenlos; Frischeaufschlag von 4,90 Euro für gekühlte Produkte DHLZeitfenster 9-18 Uhr, 18-20 Uhr, 20-22 Uhr
Mytime Vollsortiment ohne frisches Fleisch;15 von 16 Testprodukten verfügbar 6 Minuten Ware wandert bildlich sichtbar von der Auswahl in den Einkaufskorb; bei der ersten Bestellung sehr viele Infofenster, die bei Orientierung helfen, man aber zeitaufwendig wegklicken muss keiner 4,99 Euro Versandkosten bis 25 Euro, danach 2,99 Euro. Ab 65 Euro  versandkostenfrei.Frische-Aufschlag von maximal 4,99 Euro; Zuschlag von 2,99 Euro für Wunschterminlieferung DHLWunschtermin-Lieferung über einen Kalender; Feierabendservice 18-20 oder 20 bis 22 Uhr

 

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