Mit einem Mausklick Schuhe, Klamotten oder Elektronik kaufen: Der E-Commerce wächst weiter stürmisch. Das birgt auch Gefahren für Kunden. Foto: dpa/Jens Kalaene

Woran erkennt man, ob Gütesiegel echt sind? Ist der Online-Shop ein „Fake-Shop“? Handelt es sich bei den Schnäppchen um Fälschungen? Diese und andere Fragen beantworten wir in den Tipps zum Onlinekauf.

Stuttgart - Die Umsätze im Onlinehandel steigen durch die Coronapandemie noch stärker als erwartet. Auch Betrugsfälle, der Diebstahl von Online-Identitäten und das Angebot gefälschter Waren werden mehr. Wir beantworten gemeinsam mit Michael Littger vom Verbraucherschützerverein Deutschland sicher im Netz e.V. die wichtigsten Fragen.

 

Woran erkenne ich einen Fake-Shop?

Zunächst einmal sollte man das Impressum und die AGBs prüfen. Sind die Angaben dort unvollständig oder existiert die Firmenadresse gar nicht, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine betrügerische Internetseite. Werden als Bezahlmöglichkeit nur Kreditkarte und Vorkasse angeboten, ist Vorsicht geboten.

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Die meisten seriösen Händler bieten neben Paypal auch die Bezahlung durch Lastschriftverfahren oder auf Rechnung an. Auch während des Bezahlvorgangs sollte man auf die Sicherheit achten: In der Adresszeile des Browsers erscheint ein Schlosssymbol, wenn der Vorgang sicher ist.

Gibt es eindeutige Merkmale bei betrügerischen Shops?

Wirbt ein Online-Shop mit unschlagbar günstigen Angeboten, sollten die Käufer skeptisch werden, sagt Verbraucherschützer Michael Littger. Wird die begehrte Spielkonsole Nintendo Switch für 199 Euro statt der marktüblichen 329 Euro angeboten? Ein Blick auf ein Preisvergleichsportal genügt: Es kann sich nicht um ein seriöses Angebot handeln.

Wie kann ich einen mir unbekannten Shop prüfen?

„Eine kurze Suche kann schnell Klarheit schaffen, ob ein Shop echt ist oder nicht“, sagt Littger. Eine Liste bekannter Fake-Shops wird von Watchlist Internet www.watchlist-internet.at betrieben. Auch die kostenlose SIBA-App von Deutschland sicher im Netz warnt regelmäßig vor Fake-Shops.

Wie prüfe ich, ob ein Gütesiegel echt ist?

Dazu geht man auf die Webseite des angezeigten Siegels und schaut, ob der Shop dort gelistet ist. Bei seriösen Shops sind die Siegel in der Regel direkt verlinkt.

Wie erkenne ich, ob ich bereits in die Falle geraten bin?

„Sobald Sie den Verdacht haben, dass Ihre Passworte ausgespäht wurden, sollten Sie eine Passwortänderung vornehmen“, sagt Verbraucherschützer Littger. Eine Sperrung des Accounts sei nicht unbedingt erforderlich.

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Trotzdem sollte man anschließend bei Einkaufsportalen oder Bankkonten auf ungewöhnliche Bewegungen achten und notfalls den Betreiber sofort kontaktieren.

Wie sicher sind die Kleinanzeigenportale?

Michael Littger warnt: „Hellhörig sollten Nutzer immer dann werden, wenn Käufer oder Verkäufer versuchen, das Verkaufsgespräch über die Chat-Funktion auf der jeweiligen Plattform zu beenden und auf E-Mail, SMS oder andere Messenger-Dienste wechseln wollen.“ Im Zweifel immer auf Barzahlung bei der persönlichen Übergabe der Ware bestehen.

Was tun, wenn man betrogen wurde?

Erhalten Sie Zahlungsbestätigungen per E-Mail? Prüfen Sie sorgfältig, ob es sich nicht um Fälschungen handelt. Prüfen Sie sicherheitshalber auch Ihre Kontobewegungen. Der Experte rät: „Dokumentieren Sie alles, was mit dem Betrug zu tun hat – einschließlich Screenshots der Webseite, E-Mail-Verkehr und erstatten Sie bei einer Schädigung auch Anzeige bei der Polizei.“ Nur so können Strafverfolgungsbehörden aktiv werden und dafür sorgen, dass ein Fake-Shop abgeschaltet wird.

Bekomme ich mein Geld zurück?

Sie können versuchen, Zahlungen rückgängig zu machen. Zahlungsdienstleister haben in manchen Fällen Käuferschutzregelungen, mit deren Hilfe man das Geld zurück erhalten kann. „Auch bei Ebay-Kleinanzeigen gibt es dazu neue Möglichkeiten zum sicheren Bezahlen“, sagt Littger.

Wie erstelle ich ein sicheres Passwort?

„Wir empfehlen Passwörter, die sicher, aber einfach zu merken sind: Dafür gibt es beispielsweise die Merksatzregel, die die Anfangsbuchstaben eines Satzes verwendet: Mein Bruder wurde im Jahr 2000 schon 17 Jahre alt! (MBwiJ2000s17Ja!). Dabei sollte der Merksatz für jeden Zugang leicht variiert werden, um unterschiedliche Passwörter zu generieren. Für kompliziertere Passwörter gibt es außerdem Passwortmanager. Diese sind oftmals schon im Browser integriert oder können gratis dazu geladen werden. Diese sind allemal sicherer als ein Notizzettel in der Schublade.

Was muss man noch beachten?

Online-Shopping oder gar Online-Banking sollte man niemals in offenen, ungeschützten WLAN- Netzen oder an öffentlich zugänglichen Computern machen. Zudem kann man seine E-Mail-Adressen regelmäßig im „HPI Identity Leak Checker“ eingeben. Mit dem kostenlosen Angebot des Hasso-Plattner-Instituts erfährt man, ob die eigene E-Mail-Adresse bereits illegal im Internet veröffentlicht worden ist.