Exotische Reisen zum Schnäppchenpreis – das verspricht das Portal Secret Escapes. Foto: AdobeStock

Das Reiseportal Secret Escapes hat in kurzer Zeit mit günstigen Urlaubsangeboten und teurer TV-Werbung allein in Deutschland sechs Millionen Mitglieder gewonnen. Geschäftsführer Stefan Menden hat nun den Börsengang im Blick.

Berlin - Ein Grandhotel in Italien bis zu 63 Prozent billiger, Kreuzfahrten durch die Adria mit 25 Prozent Rabatt, Ausspannen im Fünf-Sterne-Ressort an der Ostsee 40 Prozent unter Normalpreis – bei solchen Angeboten kann man schon mal schwach werden. Genau das ist das Erfolgsrezept von Stefan Menden und Ognjen Zeric. In nur vier Jahren haben die beiden Geschäftsführer von Secret Escapes und ihr Berliner Team allein in Deutschland mehr als sechs Millionen Mitglieder gewonnen.

Der 41-jährige Betriebswirt will teure Hotels und Reisen auch für Normalverdiener bezahlbar machen. Dazu verhandelt Secret Escapes Sonderkonditionen, packt nette Extras wie Spa-Zugang oder Wellness-Gutscheine dazu und präsentiert die Schnäppchen seinen Mitgliedern online mit Bildern und Texten, buchbar meist nur wenige Tage.

Gute Deals sind schnell ausverkauft

Die besten Deals können schon nach ein paar Stunden ausverkauft sein. Deshalb greifen die Mitglieder meist schnell zu. „Es läuft wirklich sehr gut, alle unsere großen Märkte sind bereits profitabel“, sagt Menden. In Berlin-Kreuzberg betreuen mittlerweile mehr als 100 Mitarbeiter die Kunden in den deutschsprachigen Ländern, Benelux und Skandinavien. „Weltweit hat Secret Escapes mittlerweile 50 Millionen Mitglieder in 21 Ländern“, so der Geschäftsführer.

Das Portal wächst rasant und beweist, wie sich Märkte und Kundenverhalten durch Online-Anbieter in kurzer Zeit verändern. Immer häufiger werden Reisen mit ein paar Mausklicks gebucht. Secret Escapes verkauft allein in Deutschland pro Jahr für rund 200 Millionen Euro Übernachtungen, Pauschal- und Rundreisen und kassiert dafür Provisionen von fünfzehn Prozent aufwärts. „Wir inspirieren unsere Mitglieder, neue Erfahrungen zu machen und mal etwas exklusiver zu verreisen“, sagt Menden. Vor allem Paare zählen zu den Kunden. Ein Grund dafür: Schnäppchen gibt es üblicherweise nur in der Nebensaison. Den Hauptsitz hat Secret Escapes in London. Dort startete das Unternehmen vor sieben Jahren. Die beiden Gründer Alex Saint und Tom Valentine stehen bis heute an der Spitze. Saint arbeitete zuvor bei Unilever, Valentine bei Ebay. Um in Deutschland rasch Fuß zu fassen, übernahmen die Briten 2014 das Berliner Start-up Just Book.

Deutschland ist wichtigster Markt

Diese App für Online-Hotelbuchungen hatten Menden und Zeric damals gerade aufgebaut. Zuvor waren die Studienfreunde von der Uni Köln erst mal getrennte Wege gegangen. Menden gründete das Karriere-Netzwerk Squeaker.net, das ihm bis heute gehört. Zeric stieg derweil zum Topmanager für E-Commerce bei Germanwings auf.

Mittlerweile ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Markt von Secret Escapes. Auch Schnäppchenportale wie Urlaubsguru verweisen gerne auf die exklusiven Sonderangebote. Warum aber vermarkten Hotels ihre Angebote und Restplätze nicht einfach selbst? Menden hat dafür eine einleuchtende Erklärung: „Wir können sehr kurzfristig große Nachfrage bei unseren Mitgliedern erzeugen, damit bekommen Hoteliers und Veranstalter schnell eine hohe Auslastung auch in flaueren Zeiten.“

Flash-Sales nennen Internetvermarkter die zeitlich stark befristeten Schnäppchen. Secret Escapes sieht sich hier als Marktführer in der Reisebranche. Zudem versucht Secret Escapes, exklusive Deals mit Hoteliers zu vereinbaren, die es sonst nirgendwo gibt. Den Hotels gehe dadurch kein Geschäft zum Normalpreis verloren, beteuert der Manager: „Wir generieren ähnlich wie die Billigflieger Zusatznachfrage, die es vorher nicht gab. Wer bei uns bucht, tut das, weil wir ihn durch unsere Angebote dazu inspiriert haben.“

Geld ist vorhanden

Mit teurer TV-Werbung treibt Secret Escapes seine Mitgliederzahlen nach oben. Geld dafür ist da. Allein die vierte Finanzierungsrunde brachte dem Start-up diesen Herbst weitere 111 Millionen US-Dollar. Renommierte Risikokapitalgeber wie Google Ventures und die Temasek-Holding der Regierung von Singapur gehören zu den Eigentümern, die insgesamt bereits 171 Millionen US-Dollar bereitstellten. So kann die internationale Expansion rasch vorangetrieben werden. Weitere Firmenübernahmen und ein Börsengang in den nächsten Jahren seien denkbar, sagt Menden.

Die beliebtesten Reiseziele der Deutschen

Die Deutschen verreisen gern und viel, am liebsten innerhalb Europas. Das beliebteste ausländische Reiseziel ist Spanien. Fast 15 Prozent aller Urlaubsreisen führen dem Deutschen Reiseverband zufolge auf die Iberische Halbinsel. Beliebt sind Städtereisen nach Madrid oder Barcelona. Auch die Balearen und die Kanaren werden häufig angesteuert. An zweiter Stelle folgt Italien mit acht Prozent. Die Türkei lag 2016 mit mehr als fünf Prozent auf Platz drei.

Wer im Internet bucht, reist gerne billig: 30 Prozent aller Online-Reisen werden für weniger als 1000 Euro gekauft. Die am häufigsten angesteuerten Flughäfen sind Antalya, Palma de Mallorca und Hurghada. Nur 7 Prozent aller Online-Buchungen bringen den Anbietern mehr als 3000 Euro Umsatz.

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