So startete das Projekt Volkes Stimme am 22. August 2018 im Haus der Geschichte: die badische Verfassung aus dem Jahr 1818 mit dem Namenskürzel von Großherzog Karl. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Mit dem 200. Jahrestag der badischen Verfassung wurde im August 2018 das Online-Projekt Volkes Stimme begonnen, nun ist es mit den letzten Beitrag über die württembergische Verfassung, die im September 1819 erlassen wurde, vorläufig zu Ende gegangen. Aber das ist nicht das letzte Wort.

Stuttgart - Der vorläufig letzte Eintrag stammt vom 25. September: Da war es 200 Jahre her, dass Württemberg eine Verfassung bekam. Am 25. September 1819 unterschrieben im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses König Wilhelm und die Ständeversammlung den Vertrag. Vorausgegangen waren mehr als vier Jahre harte Verhandlungen, mehrmals drohte das Scheitern. „Das Happy End in Ludwigsburg gilt auch für uns“, schreiben die Autoren im Kalender des Online-Projekts „Volkes Stimme“. Es ist nach 400 Tagen erfolgreich beendet worden, soll aber auf kleiner Flamme fortgesetzt werden.

Im Partizipationskalender von „Volkes Stimme“ sind baden-württembergische Geschichten über die Beteiligung der Bevölkerung an der Politik versammelt, eingerahmt vom ersten Kalenderblatt zum 200. Geburtstag der badischen Verfassung am 22. August 2018 und dem zum Jahrestag des württembergischen Pendants. In den 133 multimedialen Beiträgen wird Geschichte lebendig – von der ersten Rede einer Frau vor einem deutschen Parlament im Jahr 1919 über Widerstandshandlungen während der Nazidiktatur bis hin zum Bürgerprotest gegen Stuttgart 21 und das Atomkraftwerk Wyhl.

Mutige Badener und Württemberger

„Das Projekt zeigt, welche Beweggründe die Bürgerinnen und Bürger haben, sich zu engagieren und einzumischen“, sagt Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, zu dem Gemeinschaftsprojekt mit dem Haus der Geschichte. Es wurde vom Land mit 100 000 Euro unterstützt, inhaltlich aber von den Experten des Museums bestückt. „Die Beiträge machen deutlich, wie intensiv mutige Badener und Württemberger immer wieder von den Herrschenden Teilhabe einforderten – und dass auch in der heutigen Demokratie mehr Einsatz benötigt wird als ein Kreuzchen am Wahltag“, sagt Paula Lutum-Lenger, Direktorin des Hauses der Geschichte.

Das betont auch Erler. Die Märsche und Demonstrationen gegen Stuttgart 21 und Wyhl, aber auch die Menschenkette von Stuttgart nach Ulm gegen die Stationierung von Pershing-Raketen seien ein Beweis, wie aktiv die Zivilgesellschaft in Baden-Württemberg sei. „Volkes Stimme“ mache auf „unterhaltsame und informative Weise“ auch klar, dass es dafür im Südwesten eine „tiefgreifende Tradition“ gibt. So demonstrierten am 31. Januar 1933 in Mössingen Hunderte Arbeiter gegen die Machtergreifung Hitlers – mehr als 70 Teilnehmer wurden zu Haftstrafen verurteilt. Und im Mai 1902 etwa streikten Straßenbahnfahrer in Stuttgart wegen der schlechten Arbeitsbedingungen.

Fortsetzung in unregelmäßigen Abständen

Mehr als 180 000 Mal wurden die Kalendereinträge gelesen, sie können weiterhin nach Monat, Thema und Epoche sortiert aufgerufen werden. Der Blog soll, wenn es dafür Anlass gibt, in unregelmäßigen Abständen mit aktuellen Einträgen fortgesetzt werden. Die Lektüre soll freilich nicht nur an das Engagement von Menschen für Demokratie und Grundrechte erinnern. „Ich hoffe sehr, dass wir auf diesem Weg noch mehr Menschen motivieren können, sich politisch und gesellschaftlich einzubringen“, sagt Erler.

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