Brüssel leitet ein Verfahren gegen Shein ein. Der Onlinehändler tut zu wenig gegen Regelverstöße auf seiner Plattform, kommentiert unser Korrespondent Knut Krohn.
Das Einkaufen im Internet ist verführerisch. Mit einem einfachen Klick können Elektrogeräte oder Kleidung bestellt werden. Das geht schnell und ist meist auch preiswerter als im stationären Handel. Kein Wunder floriert das Geschäft im Internet. Diese rasante Entwicklung hat allerdings zu einem unübersichtlichen Wildwuchs geführt. Deshalb ist es sinnvoll und längst überfällig, dass die Europäische Union ein Auge auf die Praktiken der Online-Shops wirft und die Regeln für den Internethandel verschärft.
Shein nutzt die Schlupflöcher im Gesetz
Ein Dorn im Auge sind Firmen wie Temu und Shein. Denn deren Erfolgsgeschichte basiert auch darauf, dass sie rechtliche Schlupflöcher gezielt ausnutzen. Zudem werfen die im Internet angebotenen Billig-Produkte viele Fragen im Zusammenhang mit Produktsicherheit und Nachhaltigkeit auf. Auch wird immer wieder von Plagiaten berichtet. Der nur wenige Wochen zurückliegende Skandal um den Verkauf von kinderpornographischen Sexpuppen und illegaler Waffen über den Onlinehändler Shein hat einmal mehr bewiesen, dass sich die Plattformen offenbar herzlich wenig um die Einhaltung geltender Gesetze kümmern. Mahnungen von Behörden werden schlicht in den Wind geschlagen. Angesichts dieser massiven Verstöße dürfen sich Online-Händler nicht über verschärfte Kontrollen und Vorgaben beklagen.
Die Verbraucher haben es in der Hand
Aber auch die Verbraucher haben es in der Hand, sich vor dubiosen Ramschanbietern zu schützen und die Macht der Online-Marktplätze zu vermindern. Sie können häufiger beim Händler vor Ort einkaufen, für den schon jetzt die strengen EU-Gesetze gelten. Das kostet beim Shoppen vielleicht etwas mehr, kommt aber der lokalen Wirtschaft und den Innenstädten zugute, über deren Verödung immer wieder geklagt wird.