Der VVS Rider ist künftig in Leinfelden-Echterdingen unterwegs. Darüber freuen sich Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell (Dritter von links) sowie Vertreter des Landkreises, des VVS und der beteiligten Firmen. Foto: Torsten Schöll

Der VVS-Rider ersetzt künftig die City-Buslinie 819. Rund 860 virtuelle Haltepunkte gibt es im Stadtgebiet von Leinfelden-Echterdingen. Wann und wo der Bus unterwegs ist – und wo nicht.

Der Verkehrsverbund Stuttgart startet in Leinfelden-Echterdingen sein neues „On-Demand“-Angebot „VVS-Rider“. Der neuartige Ruf-Bus wird künftig die City-Buslinie 819 im Stadtgebiet ersetzen.

 

Acht Sitzplätze wird der auffällige orange-weiße Mercedes-Sprinter mit der Aufschrift VVS-Rider künftig anbieten, um Fahrgäste im Kerngebiet von Echterdingen und Leinfelden von A nach B zu transportieren. Der Clou: Feste Bushaltestellen und Fahrpläne braucht der VVS-Rider nicht. Stattdessen fährt der Ruf-Bus im Stadtgebiet innerhalb eines Netzes von rund 860 virtuellen Haltepunkten.

Ein bislang einzigartiges Nahverkehrsangebot

Die Nutzer des im gesamten VVS-Gebiet bislang einzigartigen Nahverkehrsangebots ordern den Bus über eine App, die die Fahrgäste dann zum nächstgelegenen virtuellen Haltepunkt lotst. „Während der Fahrt im VVS-Rider können aber auch weitere Fahrgäste mit ähnlichem Ziel zusteigen“, erklärte am Dienstag bei der Vorstellung des Konzepts in Leinfelden die Erste Landesbeamtin im Landkreis Esslingen, Marion Leuze-Mohr. Ein Logarithmus berechne jeweils die optimale Streckenführung neu. Dem Busfahrer werde über ein Navigationssystem die Fahrstrecke angezeigt.

Auch die Ticketbuchung kann über die VVS-Rider-App erfolgen. „Für die Fahrt gilt der übliche VVS-Tarif“, wie Thomas Knöller, verantwortlich für die Abteilung Planung beim VVS, betont. Für Menschen, die die App nicht nutzen wollen oder können, besteht die Möglichkeit, den Ruf-Bus über eine Telefonnummer zu bestellen.

Zu beachten ist: Der VVS-Rider, der ab 23. Mai im Stadtgebiet von Leinfelden-Echterdingen im Einsatz ist, fährt ausschließlich in einem fest definierten rund sechs Quadratkilometer großes Gebiet. Die Stadtteile Stetten und Musberg gehören beispielsweise nicht dazu.

Mit ähnlichen Angeboten gute Erfahrungen in anderen Orten gesammelt

Wie Marion Leuze-Mohr betont, sei das Angebot in Leinfelden-Echterdingen ein Pilotprojekt. „Es wird uns wichtige Erkenntnisse über diese neue Verkehrsform liefern.“ Mit einem Rufbus-Angebot für die Abendstunden in Wernau habe man im Landkreis bereits gute Erfahrungen gemacht.

Im Lauf des Jahres sollen weitere VVS-Rider im Rems-Murr-Kreis sowie in den Landkreisen Göppingen und Böblingen hinzukommen. Im Rems-Murr-Kreis werden dann Winnenden, Leutenbach, Berglen, Buoch, Welzheim, Kaisersbach und Alfdorf angeschlossen. Das Obere Filstal soll im Landkreis Göppingen VVS-Rider-Gebiet werden. Und im Landkreis Böblingen soll der Rider ab etwa Ende des Jahres in Rutesheim und Renningen verkehren. „In den Verbundlandkreisen des VVS werden damit künftig On-Demand-Verkehre mit einheitlicher Buchungsplattform und einheitlichem VVS-Design und Namen an den Start gehen“, so Leuze-Mohr.

Die City-Buslinie hatte zuletzt geschwächelt

Die bisherige City-Busline 819, die ab kommenden Dienstag nicht mehr verkehren soll, sei zuletzt schwach nachgefragt worden, sagte Carl-Gustav Kalbfell, Bürgermeister in L.-E. „In der Rückschau ist uns das nicht so gut gelungen“, räumt Kalbfell ein. Vor allem die nun viel kürzeren Wege zu den virtuellen Haltstellen machten das neue Angebot deutlich attraktiver. Dass der VVS-Rider nicht bis direkt vor die Haustüre der Fahrgäste fährt, habe rechtliche Gründe, erläuterte der Bürgermeister. Als öffentlich-rechtlicher On-Demand-Verkehr müsse sich das Angebot vom Taxigewerbe abgrenzen.

Der Bus, der künftig tagsüber von Montag bis Samstag im Einsatz sein wird, soll bis eine Woche im Voraus buchbar sein. Die kürzeste Vorbuchungszeit betrage 30 Minuten vor der gewünschten Abfahrt. Gleichzeitig soll der Fahrgast über die App ermitteln können, ob und wo der VVS-Rider aktuell unterwegs ist, um ihn kurzfristig ordern zu können. Auch eine gewünschte Ankunftszeit, um beispielsweise den Anschluss an eine S-Bahn nicht zu verpassen, soll über die App buchbar sein. Fahrgäste mit einem VVS-Abo können den Rider, nach Auskunft des Verkehrsverbunds, ebenso nutzen wie Besitzer eines Tagestickets. Da die Buchung eines Einzelfahrscheins über das Internet vor allem manchen Senioren noch schwer fällt, werde derzeit an einer Möglichkeit gearbeitet, den Fahrschein auch direkt im Bus erwerben zu können.

Der VVS-Rider

Zeiten
Ab 23. Mai soll der VVS-Rider im Kerngebiet von Leinfelden-Echterdingen von Montag bis Freitag von 5.30 Uhr bis 19.30 Uhr und samstags von 7.30 Uhr bis 19.30 Uhr unterwegs sein. Über die VVS-Rider-App wird dem Fahrgast die voraussichtliche Ankunftszeit und der Haltepunkt des Ruf-Busses angegeben. Gleichzeitig kann mitverfolgt werden, wo der Bus sich aktuell im Stadtgebiet befindet. Auch während der Fahrt ist die Nachverfolgung der Fahrroute über die App möglich.

Kontakt
Wer den Bus nicht über die App buchen will, kann den VVS-Rider auch über die Telefonnummer 0711/99 52 10 77 ordern. Mit der VVS-Rider-App besteht zudem Zugriff auf den Stuttgarter On-Demand-Shuttle „SSB Flex“.