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Wenn Kanadas Puckjäger gegen die USA spielen, herrscht Ausnahmezustand in Whistler.

Whistler. Es war ein Sonntag in Kanada, und es war nicht irgendein Sonntag. Es war der Super-Sonntag - weil die Kandier gegen die USA antraten. Aber auch ein Super-Sonntag kann ganz schön danebengehen.

Man muss dazu wissen, dass so ein Eisho-ckey-Duell zwischen Kanada und den USA so ziemlich das Gleiche ist wie ein Fußballspiel zwischen Deutschland und Österreich - nur auf Augenhöhe. Wir dachten also, es sei eine verdammt gute Idee, sich dieses verdammt heiße Match in einem der verdammt angesagten Pubs in Whistler anzuschauen. Was wir nicht dachten: Dass diese Pubs so verdammt voll sind.

Es war noch gut eine halbe Stunde bis zum Spiel, da sind wir rüber zum Tapley's. Denn im Tapley's läuft immer Sport. Doch vor dem Tapley's stand eine Art knallharter Verteidiger im Kanada-Trikot und blickte auf eine Schlange von Menschen, die die 20-Meter-Marke schon locker überschritten hatte. Also gingen wir weiter zum Amsterdam Pub - wo uns eine gute und eine schlechte Nachricht erwartete. Die gute: Die Schlange dort war kürzer. Die schlechte: Nicht viel. Also haben wir resigniert - und das Ersatzprogramm gewählt: Bühne und Leinwand auf dem Village Square. Das war eine gute Entscheidung - zumindest kurzfristig.

Denn dort spielte nicht nur in ein paar Minuten Kanada gegen die USA, sondern jetzt auch noch die Sam Roberts Band. Es war proppenvoll, die Jungs machten richtig gute Rockmusik, und die Stimmung war prächtig. Doch dann kam das Gitarrensolo.

Nicht, dass Sie das falsch verstehen. Wir haben nichts gegen Gitarrenmusik. Aber dieses Solo war noch länger als die Schlange vor dem Tapley's - und nach gut zehn Minuten sind wir dann doch wieder dorthin zurück. Reingekommen sind wir natürlich immer noch nicht, also haben wir es gemacht wie im Affenhaus in der Wilhelma. Wir standen da und schauten rein. Und neben uns stand John.

John war mal im Hamburg, es hat ihm da gut gefallen, aber das war nun nicht so wichtig. Denn jetzt gab es nur eines, das wichtig war: das Spiel. Das Problem war nur: Kanada lag zurück - was John ziemlich stark beschäftigte. Er erzählte uns vom Gegentor in der ersten Minute, er sagte, er hätte "Angst zu verlieren", und er benutzte Worte, auf die wir an dieser Stelle lieber verzichten möchten. Er benutzte sie übrigens ziemlich oft, weshalb wir nun wieder den Standort wechselten. Zurück zum Public Viewing. Denn dort war Patrick.


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Patrick war eine Art Mensch gewordenes Maskottchen, er trug über seinem roten Trainingsanzug eine Eishockeyhose, er trug über seiner Mütze einen Eishockeyhelm, und über seinen Händen Eishockeyhandschuhe. Dann hatte er noch einen riesigen Stab mit zwei Kanada-Flaggen - und jeden Versuch der Sympathiebekundung für die USA erstickte er ziemlich erfolgreich im Keim. So war es ein ziemlich vergnüglicher Nachmittag, bis wir aufbrachen zur Medal Plaza. Das Spiel lief noch, die USA führten 4:3, und die Haupteinkaufsstraße von Whistler war in etwa so belebt wie ein Bus auf Betriebsfahrt. Wir hatten schon die Sorge, in einen dieser Geisterstadt-Filme geraten zu sein, da kamen wir endlich wieder an einem öffentlichen TV-Gerät vorbei - und somit auch wieder an Menschen. Sie schrien, sie zitterten, aber irgendwann waren sie ziemlich still. Die USA hatten gerade das 5:3 erzielt, das Spiel war jetzt aus - und Bode Miller machte alles noch schlimmer. Der stand gerade auf der Bühne der Medal Plaza - und sie spielten sein Lied. Die amerikanische Hymne. Wir sind dann wieder zurückgelaufen zum Tapley's, wo wir jetzt einen Platz bekommen hätten. Doch jetzt waren wir schon beleidigt.

Aber: Wir kommen wieder. Am Dienstag. Oder besser: Am Super-Dienstag. Zum Spiel der Spiele. Kanada gegen Deutsch-land. Nach deutscher Zeit beginnt das Spiel in der Nacht auf Mittwoch um 1.30 Uhr.


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