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Magdalena Neuner freut sich über ihre zweite Goldmedaille und kritisiert den olympischen Rummel.

Whistler - Viertes Rennen, dritte Medaille, zweites Gold. Besser hätte es für Magdalena Neuner kaum laufen können. Auf eine mögliche vierte Plakette in der Staffel aber verzichtet die 23-jährige Biathletin. Stattdessen kritisiert sie die Organisatoren und sagt: "Es war alles sehr viel für mich. Ich bin fertig mit den Olympischen Spielen".

Es gibt Situationen, die haben derart ihren Reiz, dass man sich an sie gewöhnen könnte. So eine Siegerehrung bei Olympischen Spielen gehört mit Sicherheit dazu. Zumindest sieht es Magdalena Neuner so. Am Sonntagabend war sie mal wieder zu Gast auf der Medal Plaza in Whistler Village. Und als die obligatorische Frage kam, wie's denn diesmal gewesen sei, antwortete sie nur: "Schön." Dann machte sie eine kleine Pause, grinste frech und erklärte: "Man kann fast sagen: Wie immer."

Zum dritten Mal stand die kleine Biathletin aus Wallgau nun schon auf diesem Podest, einmal bekam sie die silberne Plakette um den Hals gehängt, zweimal die goldene. Kein Wunder also, dass es schön ist da oben auf der hell erleuchteten Bühne. Es gibt aber noch einen anderen Grund, weshalb sie diese Momente nicht missen möchte: Es sind die einzigen, die sie in Whistler für sich hat.


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Nein, Neuner will sich jetzt nicht beschweren über das Glück, das ihr in Kanada widerfährt. Aber zufrieden ist sie mit der ganzen Situation dennoch nicht. Weil sie zu spüren bekommt, dass es ganz schön anstrengend ist, Olympiasiegerin zu sein: "Irgendwie fällt es schwer, sich zu freuen. Ich bin vom Kopf her ganz schön müde."

Vermutlich ist das der Grund, weshalb sie auf ihren Staffel-Einsatz verzichtet. Vielleicht ist es aber auch schlicht und ergreifend eine Geste an Martina Beck - die mit Neuner trainiert, aber in Whistler kaum zum Zuge kam. Beck jedenfalls soll vor Rührung geweint haben, als sie von der "spontanen Entscheidung" Neuners gehört hatte. Womöglich sagte sich die junge Athletin aber auch nur: Komm, lass' gut sein, überspann' den Bogen nicht.

Denn es waren gerade die Momente nach den großen Triumphen, die der 23-Jährigen zu schaffen machten. Momente, in denen keine Zeit blieb für ein paar schöne Gedanken, für ausgelassene Freude oder gar einige Sekunden der Ruhe. "Es wird", sagt sie, "immer gleich an einem herumgezerrt, man wird nur herumgereicht. Phasenweise wird sogar Gewalt angewendet." Besonders "die Leute mit den blauen Jacken" haben keinen besonders guten Stand bei Neuner. Denn die Leute mit den blauen Jacken achten penibel genau darauf, dass alles seine Ordnung hat. Und das kann ab und an ganz schön nerven. So wie am Sonntag.

Neuner war gerade als Erste ins Ziel gekommen, da gab es schon eine Art Informationsüberschuss. "Ins rechte Ohr liest dir einer das komplette Blatt mit den Anti-Doping-Bestimmungen vor, ins linke Ohr bekommst du die Anweisungen, was bei der Flower Ceremony alles zu beachten ist." Und wenn sich die Athletin eine Jacke überstreifen möchte, kann das schon mal zum Problem werden. Hinterher gibt es die blaue Eskorte zu den Fotografen, dann zur Pressekonferenz, danach zur Dopingkontrolle. Man kann das Ganze drastisch formulieren, so wie es Neuner kurz nach dem Rennen tat: "Man wird gleich angeschrien und schlimmer behandelt als ein Schaf, das zum Schlachthof geführt wird." Man kann es aber auch netter sagen. Und zwar so, wie es die Biathletin etwas später tat: "Es bleibt einfach kaum Zeit, den Erfolg zu genießen."

Aber das ist nun mal der Preis. Und es wird nicht viel entspannter werden in den nächsten Wochen. Darauf, auf den Rummel zu Hause, sei sie aber vorbereitet, versichert Neuner: "Ich weiß, was auf mich zukommt."

Weil sie ähnliche Erfahrungen schon 2007 gemacht hat, als sie, damals gerade 20 Jahre alt, drei WM-Titel gewann. Womöglich sind sie daheim aber noch nicht auf Magdalena Neuner, also auf die zweifache Olympiasiegerin, vorbereitet. Unter der Rubrik News steht auf ihrer Homepage jedenfalls folgender Satz als aktuellste Nachricht: "Heute bin ich nun auch endlich zum Weltcup nach Hochfilzen gereist."

Dabei gäbe es doch so viel mehr zu erzählen. Zum Beispiel die Geschichte von den drei Olympiamedaillen.

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