Foto: dpa

Julia Mancuso tanzt auf dem Podium, verkauft atemberaubende Dessous, und fährt wunderbar Ski  

Whistler - Am 24. Februar (19 und 22.15 Uhr/ZDF ) findet in Whistler der olympische Riesenslalom der Damen statt. Die, die dieses Rennen beim letzten Mal gewonnen hat, war danach ziemlich in der Versenkung verschwunden. Nun aber ist Julia Mancuso wieder voll da - nicht nur auf der Piste.

Es ist ja nicht immer ein Vergnügen, mit dem öffentlichen Nahverkehr zu reisen. Es kann eng sein in so einem Bus, es kann stickig sein, und es kann furchtbar heiß sein. Es kann aber auch unglaublich unterhaltsam sein. Zum Beispiel, wenn Mama Mancuso den Bus betritt.

Das kann einem in Whistler derzeit immer dann passieren, wenn ein Rennen der Frauen ansteht. Dann steigt Mama Mancuso in den Bus, schaut sich kurz um und ruft dann so laut sie kann: "Go Jules, yeaaaaaaaaah." Sollte dann jemand fragend schauen, wird sie wieder laut: "Hey, wir haben heute ein Rennen!" Und ihre Tochter steht am Start.

Besser gesagt: Sie steht nicht nur am Start. Sie steht sogar mit sehr guten Chancen da oben. Und das ist einerseits zwar ziemlich verwunderlich, andererseits aber wenig überraschend. Schließlich ist das ganze Leben von Julia Mancuso eine Art Überraschung.

Jedenfalls verbringt Mancuso ihre Sommermonate nicht gerade so, wie man es von einer Skirennläuferin erwarten würde. Sie sitzt nicht auf einem Fahrrad, sie joggt nicht durch Wälder, und sie schwitzt auch nicht im Kraftraum. Julia Mancuso surft.


Bilder, Medaillen und alles Wichtige aus Vancouver
finden Sie in unserem Olympia-Spezial!


Der amerikanische Frauentrainer Jim Tracy fragt sich zwar jedes Mal, ob das nun das Richtige ist für seinen Schützling: "Hawaii ist ein toller Platz, aber ich bin nicht sicher, ob es dort die besten Trainingsbedingungen für Skifahrer gibt." Doch Mancuso findet: Es gibt sie - und sagt: "Ich brauche die Ablenkung, um gut Ski zu fahren." Also lebt sie im Sommer auf Maui. Und überhaupt weist sie darauf hin: "Surfen beansprucht die ganze Körpermuskulatur." Im Sommer 2008 hat sie dennoch eine Ausnahme gemacht.

Da war sie nicht surfen, sondern auf dem Kilimandscharo. Auch diesen Trip hätten ihre Trainer vermutlich nicht wärmstens empfohlen, aber diesmal sagte Mancuso: "Manchmal bieten sich Möglichkeiten, die man einfach nutzen muss." Vor vier Jahren bot sich übrigens auch so eine Möglichkeit.

Es war in Italien, es war ein Riesenslalom, und es war neblig. Aber Julia Mancuso behielt den Durchblick und wurde Olympiasiegerin. Das war eine tolle Sache. Nur: Danach war gar nichts mehr toll. Mancuso kämpfte drei Jahre lang mit Rückenschmerzen, schaffte kaum mehr brauchbare Ergebnisse, und dass sie in Whistler erfolgreich sein würde, war so wahrscheinlich wie Schneefall in Vancouver. Doch nun ist sie ein Star dieser Spiele. Aber nicht nur wegen ihrer beiden Silbermedaillen.

Auch deshalb, weil Julia Mancuso anders ist als die anderen. Beispiele gefällig? Bitte sehr: Auf dem Siegerpodest winkt sie nicht nur, sie schwingt auch sexy mit den Hüften. Ist sie erfolgreich, ruft Italiens Ex-Skistar Alberto Tomba an ("Wo hat er nur immer meine Nummer her?"). Ihr Vater saß wegen Drogengeschäften im Gefängnis. Es gibt Bilder, auf denen sie eine wilde Poolparty feiert. Für ihre Skistiefelfirma posierte sie schon mal im Bikini. Und auf den Werbefotos für ihre eigenen Produkte hat sie noch weniger an.

Aber das ist auch kein Wunder: Mancuso produziert Unterwäsche. Je 500 Tangas und Hotpants hat sie fertigen lassen, und als sie vor ein paar Tagen in einem österreichischen TV-Studio zu Gast war, kam Moderator Ernst Hausleitner ins Schwitzen. Julia Mancuso zeigte ihre Unterhose.

Sie sagt, Unterwäsche sei einfach ihr Ding. Dass aber auch ihre Kollegin Lindsey Vonn ähnliche Dinge kann, hat sie dann doch überrascht. Die Olympiasiegerin von Whistler posierte kürzlich ebenfalls nur knapp bekleidet in einem US-Magazin - und Mancuso war entzückt: "Ich habe mir mein Exemplar gleich signieren lassen."

Keine Frage: Mancuso geht es wieder richtig gut. Aber vermutlich war das auch in den Jahren des sportlichen Misserfolgs nicht anders. Denn sie hat eine gute Methode, sich abzureagieren: "Wenn es mir oder meinen Freunden schlecht geht, hören wir Metallica und machen Headbanging."

Darauf hat ihre Mutter im Bus übrigens verzichtet. Aber es ging ihr ja auch nicht schlecht. Ganz im Gegenteil.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: