Jens Lehmann war Profisportler und Erzieher, ehe er Politiker wurde. Foto: Eibner/S. Rosenfeld

Olympiasieger Jens Lehmann, der für Leipzig im Bundestag sitzt, hat auf Einladung der Ehninger CDU gesprochen und seine Erinnerungen an die Wende geteilt. Er hat einen großen Traum.

Er war im Trainingslager in Tunesien, als er im Fernsehen die Bilder sah, „wie sie die Mauer einkloppen“. Erst am nächsten Tag habe er mit seiner Frau telefonieren können, erzählte Jens Lehmann, und dabei erfahren, dass die DDR-Grenze tatsächlich offen war. „,Wie lange?‘, habe ich sie gefragt, ich wollte nämlich auch mal rüber“, schilderte Lehmann sein ganz persönliches Erleben des Mauerfalls im Jahr 1989.

 

Der CDU-Politiker, der für seinen Wahlkreis Leipzig im Bundestag sitzt, war vom CDU-Kreisverband Böblingen und dem Gemeindeverband Ehningen zum Tag der Deutschen Einheit in die Begegnungsstätte Ehningen eingeladen worden, um beim Festakt zu sprechen, den die örtlichen Christdemokraten seit 1990 Jahr für Jahr feiern. Viele Prominente seien schon da gewesen, sagte der Vorsitzende des Gemeindeverbands Rafael Piofczyk zu den rund hundert Gästen, „aber einen Olympiasieger hatten wir noch nie“. Jens Lehmann, der im Harz nahe zur innerdeutschen Grenze geboren und aufgewachsen ist, war bis 2005 als Radprofi aktiv und holte als solcher nicht nur zweimal Olympiagold nach Hause, sondern wurde auch sechsmal Weltmeister und vielfach DDR-Meister und Deutscher Meister im Bahnradsport.

Jens Lehmann (links) freute sich über die Einladung der CDU in Ehningen. Foto: Eibner/Stefan Rosenfeld

Nach Ehningen geholt hatte ihn sein Parteigenosse Marc Biadacz, mit dem er zusammen im Bundestag sitzt, als ein Zeitzeuge, der die Wiedervereinigung Deutschlands hautnah miterlebt hat. „Der 3. Oktober ist für mich ein ganz besonderer Tag“, sagte Lehmann und wählte drei Worte, die seine Gefühlslage treffend beschreiben: Stolz, Dankbarkeit und auch Demut. „Wir sind ein Deutschland, ein vereintes Land“, betonte der schlanke, hochgewachsene Mann. Er lehne es ab, eine Spaltung herbeizureden und in den Kategorien Ost und West zu denken. „Für mich gibt’s Regionen. Die sind’s, die uns stolz machen.“

Immer wieder gerne komme er in die Region Stuttgart, weil ihn besondere Erinnerungen damit verbinden, sagte der 56-Jährige und erzählte, wie er 1985 bei der Weltmeisterschaft in der Schleyerhalle angetreten war. Ein denkwürdiger Wettbewerb: „Das war meine erste Reise in den Westen.“ Da er und seine Mannschaftskollegen aus der DDR keine Schnellstraßen kannten, hätten sie sich die B 27 als Trainingsstrecke ausgesucht. „Wir dachten, das sei für unser Intervalltraining gut geeignet“, so Lehmann und sorgte für Heiterkeit im Publikum. Die Polizei habe sein Team von der Straße geleitet.

Von den Tagen des politischen Umbruchs ließ Lehmann seine Frau Gabi vortragen. Sie beschrieb ihre innere Zerrissenheit und auch die ihres Mannes, die beide als erfolgreiche Radsportler ihre Karriere nicht riskieren wollten und gleichzeitig den Drang verspürten, sich aufzulehnen. „Wir fühlten uns magnetisch angezogen von den Menschenmassen, fühlten uns von ihrer Kraft beflügelt“, schilderte sie die Demonstrationen in Leipzig. Das Gefühl, als Gemeinschaft friedlich etwas bewirkt zu haben, „das trägt mich bis heute“, sagte Gabi Lehmann.

Die Deutsche Einheit vollenden

Nach der Wende, sagte Jens Lehmann, habe zwar manches besser laufen können, „aber wir hatten ja keine Blaupause“. Trotzdem könne er die aktuelle Unzufriedenheit vieler Menschen nicht verstehen. „Wenn mich jemand fragt: ,Wo sind die blühenden Landschaften?‘, dann sage ich: ,Guck doch aus dem Fenster!‘“ Er sei ein Verfechter der Idee, die Olympischen Spiele 2040 nach Berlin zu holen. In Paris habe man sehen können, wie das Sportereignis die Menschen begeistere und zusammenbringe. „So was brauchen wir hier auch.“ Wenn Deutschland zum ersten Mal als vereintes Land die Olympischen Spiele ausrichten würde, vollende dies die Deutsche Einheit.