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Der Stuttgarter Turner Marcel Nguyen macht drei Wochen Pause und hofft auf neue Sponsoren.

Stuttgart - Marcel Nguyen ist zurück in Stuttgart. Die zwei Silbermedaillen, die er von den Olympischen Spielen in London mitgebracht hat, sollen mehr sein als nur schöne Souvenirs. Sie werden der Karriere des Turners einen enormen Schub geben – und Geld bringen.

Die Siegerfaust hat Marcel Nguyen (24) einfach drauf. Er grinst sein schönstes Olympia-Grinsen und spannt die Muskeln an. Der Oberkörper ist frei, sein Tattoo auf der Brust mit dem Schriftzug „Pain is Temporary – Pride is Forever.“ (dt.: Schmerzen vergehen – Stolz bleibt für immer) ist gut sichtbar. Um seinen Hals baumeln die zwei Silbermedaillen von London. Uwe Ditz drückt immer wieder auf den Auslöser. Jetzt noch ein paar Bilder mit ernstem Gesicht, dann bitte etwas cooler. Der Stuttgarter Fotograf ist zufrieden. Und Marcel Nguyen auch. „Es ist ja ganz entspannt hier. Solange ich das nicht jeden Tag machen muss“, sagt der Turner.

Nguyen hat nun die Qual der Wahl und darf sich das schönste der Fotos aussuchen – es wird bald seine neuen Autogrammkarten zieren. „Die Anfragen stapeln sich schon“, sagt Jens Zimmermann, der den gebürtigen Münchner seit der EM 2011 in Zusammenarbeit mit dem Neblung Sportsnetwork managt. Das Interesse an Marcel Nguyen ist seit seinem sensationellen zweiten Platz im Mehrkampf und der Silbermedaille am Barren deutlich gestiegen. Im Gleichschritt mit seinem Bekanntheitsgrad. „Ich merke, dass mir die Leute mehr hinterherschauen“, sagt er und lächelt gewohnt bescheiden. „Das ist schon ziemlich cool.“

Bis Sonntag herrscht noch positiver Dauerstress

Auf die Heimreise mit der „MS Deutschland“, die die meisten der deutschen Olympiateilnehmer nach Hause gebracht hat, hat Nguyen verzichtet. „Ich war lange genug von daheim weg“, sagt er, „es wurde einfach zu viel.“ So richtig durchschnaufen kann er aber auch zu Hause nicht. Ein Empfang beim Schwäbischen Turnerbund (STB) in Stuttgart steht noch bevor, einer in Straubenhardt, wo Nguyen bei der KTV in der Bundesliga an die Geräte geht, und einer in Unterhaching bei seinem Heimatverein. Bis Sonntag herrscht noch positiver Dauerstress – dann geht es in den Urlaub. Erst nach Ibiza mit Freundin Alexa (20) und Turn-Kumpel Philipp Boy, der in London einige Abstürze hinnehmen musste. Danach noch für eine Woche nach Zypern. Einfach mal abschalten und die vergangenen Wochen Revue passieren lassen. Eines wird Marcel Nguyen im Urlaub aber sicher nicht tun: Sport machen. Er grinst. „Auf keinen Fall. Ich werde mich nur ausruhen“, sagt der Barren-Europameister. Drei Wochen nichts tun – eigentlich undenkbar für einen Turner. „Bislang habe ich höchstens mal eine Woche pausiert“, sagt Marcel Nguyen.

Umso härter wird die Zeit danach, wenn sich Marcel Nguyen auf die Bundesliga-Saison, die für die KTV Straubenhardt am 29. September mit dem Heim-Wettkampf gegen den SC Cottbus (18 Uhr) beginnt, vorbereiten muss. „Es wird eine Weile dauern, bis ich wieder fit bin“, sagt er. Spätestens beim DTB-Pokal in der Stuttgarter Porsche-Arena (30. November bis 2. Dezember) braucht er dann wieder seine Olympia-Form. Im Wettkampf gegen die besten Mehrkämpfer der Welt steht der Silbermedaillen-Gewinner wieder ganz besonders im Fokus.

Potenzielle Sponsoren melden sich nun von selbst

Bis dahin soll sich einiges getan haben. Nicht nur an den Geräten. Eine Medaille bei Olympia hat schon so manches Sportlerleben verändert. Und bei Marcel Nguyen sind es gleich zwei. Bislang kann der Stabsgefreite der Bundeswehr-Sportkompanie „ganz gut leben“ von seinem Sport. Dank der Bundeswehr, dank der Prämien durch die Bundesliga-Wettkämpfe, dank der Sponsoren seines Vereins. Für einen, der sein Leben dem Turnsport widmet, ist das längst nicht selbstverständlich. In Zukunft könnte es sogar noch ein bisschen besser werden. „Die öffentliche Wahrnehmung bei Unternehmen hat sich verändert“, sagt Jens Zimmermann. Will heißen: Potenzielle Sponsoren melden sich nun von selbst, die Zeit des Klinkenputzens dürfte vorbei sein. „Es gibt schon einige Anfragen, vor allem, was Veranstaltungen mit Marcel angeht, alles andere ist noch Spekulation“, sagt Jens Zimmermann, „wir werden die Dinge mit Bedacht wählen. Marcel muss sich dabei vor allem wohl fühlen.“ Die Trümpfe von Marcel Nguyen liegen nicht nur an den Geräten. Seine sympathische, bescheidene Art kommt an. Jens Zimmermann ist sich sicher. „Er wird sich in Zukunft mehr aus seinem Sport herausziehen können als die Prämien.“

Und wenn alles gut geht, bleibt Marcel Nguyen dem Turnsport noch eine ganze Weile erhalten. „Ich denke natürlich an Rio 2016“, sagt er und lächelt wieder verschmitzt: „Ich habe schon noch Ziele.“ ­Marcel Nguyen will seine Silbermedaillen vergolden – in doppelter Hinsicht.

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