Wir kommen wieder, versprochen. Doch dafür müssen wir erst gehen.
Tokio -
Als wir nach dem Abschluss der Leichtathletik-Wettkämpfe im Olympiastadion eine halbe Stunde nach Mitternacht in unser Hotel zurückkehrten, begrüßte uns der Portier mit den Worten „Welcome home!“. Da wussten wir: Es ist Zeit zu gehen.
An diesem Dienstag wird unser Flieger zurück nach Stuttgart abheben, und im Gepäck haben wir neben einer ordentlichen Ladung durchgeschwitzter T-Shirts auch etliche schöne Erinnerungen. Zum Beispiel an jenen Kollegen, der schon kurz nach der Landung in Japan im Taxi seinen Geldbeutel hat liegen lassen. Mit allen Ausweisen, Kreditkarten und Yen-Scheinen im Wert von 1000 Euro. Vor der Schlussfeier haben wir ihn wiedergetroffen, er strahlte vor Freude und wedelte mit seinem Portemonnaie. Der Taxifahrer hatte es bei der deutschen Botschaft in Tokio abgegeben, die den vergesslichen Journalisten über den Deutschen Olympischen Sportbund ausfindig machte. Der Kollege hat seinen Geldbeutel dort abgeholt – und es fehlte nichts. Kein Ausweis, keine Kreditkarte, kein Yen. So ist das im Land des Lächelns.
Japan ist eines der sichersten Länder der Welt, mit einer extrem niedrigen Kriminalitätsrate. Wir haben in den vergangenen drei Wochen nur von einem Betrugsfall oder Diebstahl gehört, und der betraf uns selbst. Gleich am ersten Tag wurde uns im großen Medienzentrum die Computermaus geklaut. Weil uns das vor fünf Jahren in Rio de Janeiro schon einmal passiert ist, gehen wir fest davon aus, dass dies nichts mit krimineller Energie zu tun hat. Sondern dass zum Kreis der Journalisten auch skurrile Souvenirjäger gehören. Ansonsten gibt es für unsereins bei Olympischen Spielen ja wenig zu holen.
Die Plaketten gehen völlig zu Recht an die Athletinnen und Athleten, daran ändert auch nichts, dass Journalisten ihren eigenen Medaillenspiegel führen – in unserem Fall mit deutschen Erfolgen, bei denen wir live vor Ort im Stadion oder an der Strecke waren. Unsere Bilanz (6 x Gold, 4 x Silber, 4 x Bronze) ist so gut, dass wir alle Kollegen, die im selben Hotel wohnen, hinter uns gelassen haben. Den Vorwurf, nur deshalb bei Dressur und Vielseitigkeit gewesen zu sein, um diese Rangliste am Ende anzuführen, haben wir mit einer formvollendeten Piaffe vor dem Frühstücksbüfett beantwortet.
Was wir sonst noch gelernt haben? Dass ein Transportsystem in einer Großstadt auch funktionieren kann, wenn jeder Bus und jede Bahn auf die Sekunde pünktlich abfährt. Dass es eine Selbstverständlichkeit sein kann, überall WLAN zur Verfügung zu haben. Dass freundliche und hilfsbereite Menschen keine Ausnahme, sondern die Regel sein können. Und dass man als Taxifahrer in Tokio auch durchkommt, ohne Englisch zu können und ein Navigationsgerät bedienen zu wollen. Kurzum: Wir sagen Danke an all unsere Gastgeber – Arigato, Nihon! Wir kommen wieder, versprochen. Doch dafür müssen wir erst gehen. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt. Nur unser Portier weiß es noch nicht.