Erlaubte Raserei: Viktoria Rebensburg. Foto: dpa

Eine Lungenentzündung bremst Viktoria Rebensburg zum Saisonbeginn. Rechtzeitig zum olympischen Riesenslalom ist sie wieder fit.

Eine Lungenentzündung bremst Viktoria Rebensburg zum Saisonbeginn. Rechtzeitig zum olympischen Riesenslalom ist sie wieder fit.

Sotschi - Probleme von vornherein auszuschließen ist nicht die schlechteste Idee. Vor allem, wenn man schlechte Erfahrungen gemacht hat. So wie die Eltern von Viktoria Rebensburg. Sie waren vor vier Jahren nach Vancouver gereist, um ihrer Tochter dabei zuzuschauen, wie sie den olympischen Riesenslalom bestreitet. Der wurde dann wegen des Wetters an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgetragen – und als Viktoria Rebensburg an Tag zwei Olympiasiegerin wurde, saßen ihre Eltern gerade im Flugzeug Richtung Deutschland. Das war wahrlich blöd gelaufen, aber die Familie hat daraus gelernt, wie die Skirennläuferin berichtet: „Diesmal sind sie gar nicht dabei.“ Dann kann es an diesem Dienstag (6.30 Uhr und 10.00 Uhr/ZDF) auch keine Probleme geben. Zuletzt gab es davon ja genügend.

Im Herbst hatte sich die Olympiasiegerin eine Erkältung eingefangen, nichts Schlimmes – dachte sie. Doch als sie bei den Weltcup-Rennen in Nordamerika spürte, wie ihr Körper mehr und mehr ermüdete, wurde ihr langsam, aber sicher bewusst, dass da vielleicht nicht nur ein Schnupfen das schlechte Gefühl verursacht. „Es klingt vielleicht blöd“, erinnert sie sich, „aber ich hatte kurze Zeit echt Angst, dass ich gar nicht mehr gesund werde und nicht mehr auf die Beine komme.“ Sie flog zurück nach Deutschland – und ein gründlicher Gesundheitscheck ergab die Diagnose Lungenentzündung.

Das allein war im Prinzip besorgniserregend genug, der Zeitpunkt ihrer Erkrankung ließ sie mit Blick auf die Vorbereitung für die Winterspiele von Sotschi auch nicht gerade ruhiger werden. Denn im Dezember und Januar holt man sich als Rennläuferin normalerweise die Form und das Selbstvertrauen für das Großereignis im Februar und feilt im Training an letzten Details. Viktoria Rebensburg machte etwas anderes.

„Mein Tagesablauf richtete sich nur nach Fragen wie: Wann muss ich welche Medikamente nehmen? Oder: Wann muss ich das nächste Mal zum Arzt“, erinnert sich die 24-Jährige, der es nicht leichtfiel, die nötige Geduld aufzubringen. „Es war nicht so einfach, wenn man sieht, wie die anderen unterwegs sind und Rennen fahren“, sagt sie, „aber letztlich habe ich es akzeptiert.“ Und nach und nach kam sie wieder auf die Beine. Womöglich genau rechtzeitig.

In Sotschi bot sie jedenfalls schon in der Abfahrt und im Super-G zumindest in Teilbereichen gute Leistungen. „Sie hat gezeigt, dass sie wieder da ist“, sagt Trainer Tom Stauffer. Und Wolfgang Maier, der Alpin-Sportchef des Deutschen Skiverbands (DSV), findet: „Sie macht einen sehr guten Eindruck, ich habe überhaupt keine Angst, dass sie nicht gut fährt.“ Das alles klingt nicht schlecht. Aber ist Viktoria Rebensburg tatsächlich bereit für einen erneuten Coup im Riesenslalom?

Sie selbst bleibt zurückhaltend – und schlüpft liebend gerne in eine Rolle, die ihr schon vor vier Jahren mehr als nur gut zu Gesicht stand. „Ich sehe mich als Jägerin, die Favoriten sind andere“, sagt Viktoria Rebensburg und vergleicht die aktuelle Situation ein bisschen mit der von 2010. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Die Eltern werden zumindest die Übertragung des Rennens ihrer Tochter diesmal nicht verpassen.

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