Die deutsche Fahnenträgerin Maria Höfl-Riesch ist für die Eröffnungsfeier an diesem Freitag bestens präpariert Foto: dpa

Maria Höfl-Riesch führt an diesem Freitag bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von Sotschi das deutsche Team als Fahnenträgerin an. Ab Montag will sie dann sportlich durchstarten.

Sotschi - Sie hatten sich das so schön ausgedacht. Eine kurze Einleitung von Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Olympischen Sportbundes (DOSB), ein Statement von Michael Vesper, dem Generaldirektor des Dachverbands, dann ein Name – und die Fahnenträgerin sollte hinter einer Wand hervortreten. Es lief perfekt, bis zu Punkt vier des Prozederes. Dann fehlte ausgerechnet die Hauptperson.

Hörmann, der mit Vesper an dieser Wand stand, nahm’s mit Humor, sah seinen Funktionärskollegen an und rief in die Runde: „Ich präsentiere Ihnen den Chef de Mission.“ Mehr Qualitäten als Entertainer waren nicht gefragt – denn dann war die aktuell wichtigste deutsche Sportlerin da. Maria Höfl-Riesch betrat den Raum. Was keine große Überraschung mehr gewesen ist.

Die Zahl derer, die infrage kamen, bei der Eröffnungsfeier der Spiele von Sotschi an diesem Freitag ab 17 Uhr (ZDF-Übertragung ab 16.10 Uhr) das deutsche Team anzuführen, war nicht allzu groß. Zwölf Kandidaten habe es zwar gegeben, versicherte Hörmann, spekuliert worden war aber nur über wenige. Über Claudia Pechstein zum Beispiel, oder über die Biathletin Andrea Henkel. Die Wahl der ersteren wäre umstritten gewesen, da die Eisschnellläuferin einst eine fragwürdige Dopingsperre hatte absitzen müssen. Henkel hatte wegen der zusätzlichen Belastung bereits abgewunken – und so fiel am Mittwochabend die „erste Wahl mit Stern“ (Hörmann) auf Maria Höfl-Riesch. „Einstimmig und aus vollem Herzen“, wie Michael Vesper betonte. Denen, die es nicht geworden sind, hat man laut Hörmann persönlich abgesagt.

„Ich hatte sowieso nicht schlafen können“, erzählte Maria Höfl-Riesch von dem Moment, als das Telefon geklingelt und Vesper ihr die frohe Kunde überbracht hatte. Nun, am Tag danach, empfand sie es noch immer als „große Ehre“, das deutsche Team in die Arena an der Schwarzmeerküste zu führen. An Olympischen Spielen teilzunehmen, das sei schon eine große Sache, sagte sie, dabei erfolgreich zu sein, natürlich auch. „Aber die Fahne zu tragen, das ist auf einer ganz anderen Ebene etwas Besonderes“, ergänzte die Bayerin, die 2010 in Vancouver zweimal Gold gewonnen hatte und von dieser exponierten Rolle träumt, seit sie 2002 ihre ehemalige Kollegin Hilde Gerg die Fahne hatte tragen sehen: „Da geht ein ganz großer Traum in Erfüllung.“ Der eine.

Der andere ist, in Sotschi nicht nur die Fahne unfallfrei ins Stadion zu befördern, sondern auch sportlich noch einmal erfolgreich zu sein. Es ist die letzte Olympia-Teilnahme, das hat Maria Höfl-Riesch bereits angekündigt, auch ein Karriereende nach dieser Saison ist nicht ausgeschlossen. Darum hat sich die 29-Jährige den Gewinn einer weiteren Medaille zum Ziel gesetzt – Möglichkeiten hat die Allrounderin mehrere, die vermeintlich beste gleich zu Beginn. „In der Super-Kombination ist die Chance sehr groß“, sagte sie über das erste Damenrennen am Montag, „es wäre toll, wenn da gleich eine Medaille rausspringen würde. Das würde mir den Druck etwas nehmen.“ Den sie sich selbst auferlegt hat.

Zum einen natürlich durch entsprechende Vorleistungen in mehreren Disziplinen. Dass ausgerechnet das letzte Rennen vor Sotschi in die Hose ging, soll da nicht weiter stören: „Das ist nichts, was mich aus der Bahn wirft.“ Zum anderen trägt sie nicht nur den Wunsch nach einer weiteren Olympia-Medaille in sich, sondern auch die klare Erwartung. Würde sie leer ausgehen, wäre das aus ihrer heutigen Sicht „eine Enttäuschung“. Doch die Chancen stehen gut, dass sich dieser Gemütszustand nicht wirklich einstellen wird, die Voraussetzungen für erfolgreiche Spiele sind bestens. Vor zwei Jahren hat Maria Höfl-Riesch auf der Olympia-Strecke bereits eine Weltcup-Abfahrt gewonnen – und die Rolle als Fahnenträgerin wird sie zusätzlich motivieren. Die Startschwierigkeiten bei der Präsentation sind schließlich längst überwunden.

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