Herzstück des Hamburger Sportstättenkonzenpts für 2024: Das geplante Olympiagelände samt Stadion, Halle und Athletendorf auf dem Kleinen Grasbrook. Foto: dpa/gmp

Mit Offenheit und guten Argumenten will Hamburg seine Bürger vollends vom Sinn einer Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2024 überzeugen. Als Favorit gilt jedoch Boston.

Hamburg - Weil Deutschland durchaus Erfahrung hat mit gescheiterten Bewerbungen um Olympischen Spiele, geht auch nun, nur wenige Stunden nach der Empfehlung des DOSB-Präsidiums, Hamburg ins Rennen zu schicken, der bange Blick auf mögliche Konkurrenten. Und vor allem in Richtung USA. Dort will Boston die Sommerspiele 2024 – und gilt bereits bevor alle offiziellen Bewerber am 15. September feststehen als Favorit.

Weil die USA seit 1996 (Atlanta) auf eine Chance wartet, weil das Konzept der 600 000-Einwohner-Stadt dem Gigantismus entgegen steht – und weil auch der TV-Deal mit dem US-Sender NBC, der dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) 5,5 Milliarden Euro für die Jahre 2021 bis 2032 in die Kasse spült, wohl auch nicht zu vernachlässigen ist. Dirk Seifert sagt jedenfalls: „2024 ist nach Lage der Dinge Europa nicht an der Reihe.“

Die Skepsis überrascht in diesem Fall nicht, schließlich ist Seifert Chef der Hamburger (N)Olympia-Kampagne und damit sein ausgewiesener Kritiker der Bewerbung der Hansestadt. „Zehn bis 20 Milliarden Euro werden ausgegeben für drei Wochen“, sagt er. Diese Betrachtung ist zwar nicht zwingend differenziert, klar ist dennoch: Die möglichen Kosten und deren transparente Offenlegung sind die Kernpunkte in der Überzeugungsarbeit der Hamburger Bürger – und diese sollen im Herbst in einer Befragung den Weg frei machen für eine offizielle Kandidatur.

Das "Ja" des DOSB gilt als Formsache

Zuvor muss an diesem Samstag die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die Empfehlung des Präsidiums pro Hamburg bestätigen. Doch dies gilt als Formsache. Dennoch starten die Hanseaten erst nach dieser Bestätigung in den wichtigsten Fragen so richtig durch.

Sobald das Votum gesichert ist, „werden wir die entsprechenden Gutachten und Kostenschätzungen in Auftrag geben und transparent der Öffentlichkeit vorlegen“, sagte Hamburgs Sportsenator Michael Neumann und ergänzt: „Das ist ein ganz wichtiger Punkt, um möglichst früh und möglichst breit zu informieren.“ Die Bewerbung soll rund 50 Millionen Euro kosten, bereits im Sommer soll ein Finanzreport öffentlich gemacht werden, weshalb klar ist, dass viel Arbeit auf die Hamburger Macher zukommt.

„Wir müssen jetzt abliefern, das ist irre viel Arbeit“, sagt Michael Stich, „aber ich denke, wir sind gut aufgestellt.“ Der Wimbledonsieger von 1991 kann sich vorstellen, eine tragende Rolle in der Kampagne für seine Heimatstadt zu übernehmen. „Michael ist absolut prädestiniert“, lobt Fußball-Idol Uwe Seeler, Stich selbst meint: „Ich hätte total Lust und würde mich gern einbringen.“ Doch das allein wird nicht reichen.

Erfolg? Nur, wenn ganz Deutschland hinter Hamburg steht

Um die internationalen Chancen Hamburgs zu erhöhen, muss die Bewerbung schnell zur nationalen Angelegenheit werden. „Wir werden nur erfolgreich sein, wenn ganz Deutschland hinter der Bewerbung steht“, sagte Michael Neumann . In Berlin sicherte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) volle Unterstützung für das Konzept zu: „Für Olympia sind wir ab heute alle Hamburger. Es geht um eine Bewerbung für Deutschland.“

De Maizière kündigte an, die Bundesregierung werde die deutsche Bewerbung für 2024 auf dem weiteren Weg nach besten Kräften fördern. „Es sind schon viele begeistert, aber ich bin zuversichtlich, dass wir noch viel mehr Menschen begeistern können“, sagte Neumann. Zum Beispiel mit den geplanten baulichen Veränderungen in der Hansestadt. „Das sind Maßnahmen, die sich auf Jahrzehnte auswirken“, sagte DOSB-Vorstand Michael Vesper .

Dieses und andere Argumente müssen bei Bürgern und später den Entscheidern im IOC ankommen, sollen in Hamburg tatsächlich die Spiele 2024 (oder 2028) stattfinden. Hoffnung ziehen die Macher auch aus der Vergangenheit. Zwar ist die Konkurrenz aktuell groß – neben Boston gelten auch Rom, Paris, Baku und Doha als mögliche Kandidaten –, nicht selten kam es in der olympischen Geschichte aber zu Überraschungen. Hamburg will die nächste sein.

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