So sehen Sieger aus: Der deutsche Rodler Felix Loch freut sich über seine Goldmedaille Foto: Getty

Rodler Felix Loch ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden, er gewinnt erneut Olympia-Gold und hat noch lange nicht genug. Die Konkurrenz wird’s nicht gerne hören.

Sotschi - Gehen mehr Emotionen? Vermutlich nicht. Auf jeden Fall hätte man weit mehr gebraucht, als ein Lasso, um Felix Loch am Sonntagabend wieder einfangen zu können. Erst reckte er, noch auf seinem Schlitten sitzend, die Arme in den russischen Nachthimmel. Dann, als er zum Stehen gekommen war, sprang er auf und in die Luft – und wer sich danach nicht in Sicherheit gebracht hatte, der lief Gefahr, vom vor Kraft und Adrenalin strotzenden Bayern erdrückt zu werden. „Es ist einfach der Hammer“, schrie Felix Loch immer wieder. Das fanden andere auch.

Schließlich hatte der Rodler vom Königssee auch schier Unglaubliches vollbracht. Gerade einmal 24 Jahre ist er erst alt, doch als am Sonntag in Sotschi im Ziel des Sanki-Bob- und Rodelzentrums am Ende des vierten Laufes die Eins aufleuchtete, bedeutete das bereits den zweiten Olympiasieg für Loch nach 2010. Was den Bundestrainer gleichermaßen zum Ausflippen animierte. Aber das ist ja auch kein Wunder.

Norbert Loch ist schließlich nicht nur der verantwortliche Cheftrainer der deutschen Rodler, sondern ganz nebenbei auch noch der Vater des nun zweimaligen Olympiasiegers. Und als sein Sohn tatsächlich die Wiederholung seines Gold-Coups von Vancouver geschafft hatte, legte er einen Sprint hin, der wahrlich erstaunlich war. „Wenn einer innerhalb von vier Jahren zweimal Olympiasieger wird, dann kann man auch mal den Vater rauslassen“, sagte Norbert Loch, der ansonsten stets darauf bedacht ist, Vater- und Trainerrolle strikt zu trennen. Doch Trainer, Sportler, Familie – rund um Felix Loch verschmolz das am Sonntagabend alles zu einer einzigen Jubelorgie.

Erst klatschte Fußballkaiser Franz Beckenbauer, der den Wettkampf wie IOC-Präsident Thomas Bach live verfolgt hatte, Beifall und erklärte: „Das ist fantastisch.“ Dann, nach der Umarmung mit Vater Norbert, fiel Felix Loch seiner Freundin Lisa um den Hals. Die war extra für das Rennen für zwei Tage aus Deutschland angereist, stahl sich irgendwie in den abgesperrten Bereich und drückte ihrem Helden erst einmal einen dicken Kuss auf die Lippen. Um ihm dann zu sagen, „dass er unglaublich und es Wahnsinn ist, wie er das durchgezogen hat“. Und dann war da natürlich noch Georg Hackl.

Der Olympiasieger, der in seiner Karriere selbst drei Goldmedaillen gewonnen hat, ist für Loch Trainer, Mentor und Freund zugleich. Gemeinsam tüfteln sie am Schlitten, feilen an der Fahrtechnik und arbeiten an den körperlichen Voraussetzungen des Mannes „mit Gardemaß“ (Norbert Loch). „Es ist toll, dass sich die langfristige Arbeit wieder ausgezahlt hat“, sagte Hackl – und was er dann ergänzte, muss für die Konkurrenz wie eine Drohung klingen: „Der Felix hat noch Luft nach oben. Er ist noch nicht an seinem Zenit angekommen.“

Am Sonntag allerdings dominierte er – wie schon die ganze Saison über – die Konkurrenz. Im ersten der vier Läufe war der Russe Albert Demtschenko zwar noch schneller gewesen, dann aber spielte Felix Loch seine Überlegenheit immer mehr aus und siegte am Ende „in der Höhle des Löwen“ (Loch über Demtschenkos Heimspiel) klar vor dem Lokalmatadoren und dem Italiener Armin Zöggeler. Beide sind bereits über 40 Jahre alt und werden in Zukunft für Loch keine Konkurrenz mehr darstellen – was die Frage nach sich zieht: Ist der 1,90 Meter große Bundespolizist auf Jahre hinaus unschlagbar?

Vor solch einer Annahme warnt zumindest Georg Hackl: „Die anderen entwickeln sich ja auch weiter.“ Am Wunsch nach weiteren Erfolgen änderte diese kleine Einschränkung aber nichts. „Er will alles mitnehmen, was geht“, sagte Lochs Freundin Lisa – auch mit Blick auf den noch anstehende Teamstaffel. „Felix kann einfach alles, ich hoffe, dass es noch ein paar Jahre so weitergeht“, jubelte Vater Norbert. Und selbst Hackl schreckt die Vorstellung nicht, dass seine Rekorde bald eingestellt oder sogar gebrochen werden könnten. „Als sein Trainer ist es nun mein Anspruch, ihn noch erfolgreicher zu machen, als ich es einst war“, sagte er.

Das sind alles andere als schlechte Perspektiven für Felix Loch – und auch für das deutsche Olympiateam. „Ich hoffe, dass der Knoten jetzt geplatzt ist“, sagte Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes über die erste Medaille seiner Mannschaft in Sotschi. Bevor die Zukunft beginnt, muss er aber noch ein kleines Problem lösen. Nach all den Emotionen vom Sonntagabend „wird es sicher ein bisschen dauern, bis ich wieder runterkomme“. Schlimm ist das allerdings nicht. Oben zu sein passt schließlich ganz gut zu Felix Loch.

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