Deutschlands Joshiko Saibou (l) wird vom Australier Patty Mills verteidigt. Foto: Swen Pförtner/dpa Foto: dpa

Trotz zwei Vorrunden-Niederlage in Saitama stehen die deutschen Basketballer das erste Mal seit 1992 im Olympia-Viertelfinale. In der K.o.-Runde braucht das Team von Bundestrainer Henrik Rödl aber eine Leistungssteigerung für eine Überraschung.

Saitama - Die deutschen Basketballer haben in der Vorrunde zwar die zweite Niederlage im dritten Spiel hinnehmen müssen, stehen bei den Olympischen Spielen aber trotzdem erstmals seit 1992 im Viertelfinale.

Nach dem 76:89 (40:44) gegen Australien reichte es dem Team von Bundestrainer Henrik Rödl, dass Außenseiter Tschechien mit 84:119 gegen Gold-Favorit USA unterlag. Die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds löste so als einer der beiden besten Gruppendritten das Ticket für die Runde der besten Acht. Am Dienstag kommt es zum Duell mit dem Sieger der Gruppe A (Frankreich) oder C (Slowenien oder Spanien). Die Auslosung findet am Sonntag statt.

"Wir werden gut vorbereitet sein"

"Das sind ein paar gute Mannschaften", sagte Rödl und versprach mit einem Grinsen: "Wir werden gut vorbereitet sein." Der Ex-Profi, der in Barcelona vor 29 Jahren selbst als Spieler auf dem Parkett stand, ist der Meinung, "dass wir gegen jede Mannschaft eine Chance haben." Allerdings: "Wir müssen dann nur wirklich das allerbeste Spiel des Sommers raushauen. Das war heute nicht der Fall."

Das wussten auch seine Spieler. "Gegen so ein Topteam braucht man 40 Minuten konzentrierten Basketball", sagte Danilo Barthel. "Wir wissen auch, dass wir für die nächste Runde eine Schippe drauflegen müssen." NBA-Profi Moritz Wagner wollte vor dem Sieg der USA noch nicht über einen möglichen Viertelfinalgegner sprechen. "Generell hat dieser Sommer den deutschen Basketball weitergebracht", sagte der Berliner.

Bei der zuvor letzten Olympia-Teilnahme war Deutschland um Superstar Dirk Nowitzki 2008 in Peking noch in der Vorrunde gescheitert. Trotz der Enttäuschung zum Vorrunden-Abschluss gelang nun der Sprung in die K.o.-Phase. "Ich habe mich noch gar nicht mit den möglichen Gegner beschäftigt. Das kommt jetzt erst noch", sagte Rödl. Die Vorbereitung werde am Sonntag beginnen. Gegen die bei den Sommerspielen noch ungeschlagenen Australier, die Rödl als Mitfavoriten sieht, war Andreas Obst (17 Punkte) bester deutscher Werfer.

Deutschland mit gutem Start

Nach ihren Siegen gegen Italien und Nigeria traten die Australier selbstbewusst auf. Vor allem NBA-Veteran Patty Mills von den San Antonio Spurs übernahm Verantwortung, konnte den starken deutschen Start aber nicht verhindern. Mit 15:10 führte die DBB-Auswahl und profitierte vor allem von ihren durchdachten Offensive. Während Australien auf den verletzten NBA-Profi Aron Baynes verzichten musste, überzeugten Maodo Lo und Co. mit ihrem guten Teamspiel.

Dieses hatte am Mittwoch den ersten Sieg gegen Nigeria gebracht. Zum Auftakt hatte die Mannschaft gegen Italien lange geführt, einen Erfolg aber in der schwachen Schlussphase verschenkt. Bereits vor dem Sprungball stand fest, dass Nigeria nach drei Pleiten ausgeschieden und Deutschland mindestens Dritter in der Vorrundengruppe B ist.

Zerfahrene Schlussphase

Doch in der eigentlich 16.000 Zuschauer fassenden Super Arena wollte sich bei der DBB-Auswahl niemand auf Rechenspiele einlassen. Der zweite Sieg war das klare Ziel, das war auch auf dem Parkett schnell zu merken. 22:18 führten sie nach dem ersten Viertel, mehr als 70 Prozent der Wurfversuche fanden den Weg in den Korb. Das änderte sich im zweiten Abschnitt. Kleine Fehler und schlechte Entscheidungen im Angriff sorgten dafür, dass die Boomers wieder knapp führten.

Australien, das in Tokio die erste Olympia-Medaille gewinnen will, trat lange nicht so souverän auf wie in den vorherigen Partien. Zwar zogen sie nach der Pause erstmals auf zehn Punkte davon, doch mit einem 10:0-Lauf gelang Deutschland wieder der Ausgleich (50:50). Im Schlussviertel wurde die Gegenwehr aber doch noch gebrochen.

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