Sarah Schleper nimmt zum siebten Mal an olympischen Spielen teil. Foto: Michael Kappeler/dpa

Sarah Schleper ist 47, Lara Markthaler bald 19 Jahre alt. Beide schreiben in Cortina d’Ampezzo besondere olympische Geschichten. Ein 18-Jähriger spielt dabei zudem eine Rolle.

Die Kontaktaufnahme mit dem olympischen Schnee von Cortina d’Ampezzo fand bisher auf unterschiedliche Art und Weise statt. Sarah Schleper trug am Donnerstag die Startnummer 43 und trat im Super-G an. Lara Markthaler dagegen stand am olympischen Rennhang auf der Tofana bisher oft im Ziel, wenn die Besten in den schnellen Alpin-Disziplinen oder in der Team-Kombination die neuen Medaillenträger suchten. Eine besondere Geschichte schreiben sie an diesem Sonntag aber beide.

 

Da ist zum einen Sarah Schleper, die für Mexiko an den Start geht – und dennoch keine typische Exotin ist, wie sie früher einmal bei den Spielen antraten. Die heute fast 47-Jährige bestritt vier olympische Spiele als Mitglied des US-amerikanischen Alpinteams: 1998, 2002, 2006 und 2010. Was an sich schon erstaunlich war, wurde noch bedeutsamer, da sie zwischen den Spielen von Turin und Vancouver ihren Sohn Lasse zur Welt brachte.

2011 beendete sie im österreichischen Lienz ihre Karriere im Ski-Weltcup – im letzten Rennen nahm sie auf halber Strecke eben diesen Lasse auf den Arm und trug ihn hinter ins Ziel. Die Bilder zu dieser Aktion gehen derzeit noch einmal um die Welt – weil Schlepers Ski-Geschichte damals noch nicht zu Ende geschrieben war.

Da Sarah Schlepers Mann Federico Gaxiola Mexikaner ist, erwarb die Gewinnerin eines Weltcup-Slaloms 2014 die mexikanische Staatsbürgerschaft – und träumt seit 2018 ihren zweiten olympischen Traum. Nach 2018 und 2022 ist sie nun in Cortina d’Ampezzo zum dritten Mal für das Heimatland ihres Ehemanns bei den Winterspielen. Ja, das ist ungewöhnlich, erstaunlich und nicht zu toppen. Sollte man meinen. Aber Familie Schleper belehrt die Sportwelt bei diesen Spielen in Italien eines Besseren.

Denn diesmal tritt sie nicht als einzige aus ihrer Familie an – sondern mit ihrem Sohn. Der ist mittlerweile 18 Jahre alt, startet ebenfalls für Mexiko und startete bereits am Samstag in Riesenslalom der Männer. Einziges Problem an der olympischen Familiengeschichte: Die Männer fahren in Bormio, die Frauen in Cortina. „Das ist ein bisschen schwierig“, sagt Sarah Schleper – die aber auch das Gute daran sieht. So könne, meinte sie, ihr Sohn seine ganz eigene erste olympoische Erfahrung machen, „ohne dass ich im ständig sage, was er tun muss“. Zusammen sind sie dennoch das erste Mutter-Sohn-Duo in der olympischen Winter-Geschichte.

DerSohn ist nach Lasse Kjus benannt

„Wir haben vor einigen Jahren haben wir schon daran gedacht, dass es passieren könnte“, sagte sie vor den Spielen, „dass es nun wirklich klappt, ist wirklich aufregend.“ Lasse, der übrigens nach dem norwegischen Olympiasieger Lasse Kjus benannt ist, sagt mit Blick auf seine Mutter: „Es fühlt sich großartig an, ihr etwas zurückgeben zu können. Alles, was ich über das Skifahren weiß, hat sie mich gelehrt.“ Sarah Schleper ist nun übrigens die älteste alpine Skirennläuferin, die je an Winterspielen teilgenommen hat.

Von einer solchen Bestmarke ist Lara Markthaler weit entfernt. Aber: Auch sie schreibt bei diesen Spielen von Mailand und Cortina eine besondere Geschichte. An diesem Sonntag bestreitet der Teenager im Riesenslalom sein erstes Olympia-Rennen – für Südafrika.

„Ich denke, ich habe Südafrika mit meinem 29. Platz bei den Weltmeisterschaften und meiner ständigen Präsenz in den Alpen schon auf die Landkarte des Skirennsports gebracht“, sagt sie vor ihrem Debüt, das sie im vergangenen Jahr schon bei einer WM gegeben hat. 2024 hatte sie zudem an den Olympischen Jugendspielen teilgenommen und war dabei Fahnenträgerin für das Heimatland ihrer Mutter. Aufgewachsen ist die Skifrennläuferin aber in Schwabing, später lebte die Familie auch eine Zeit lang in Kanada.

Lara Markthaler kürzlich im Weltcup-Slalom in Flachau. Foto: IMAGO/Sports Press Photo

Lara Markthaler fuhr dort auch Downhill-Rennen mit dem Mountainbike, entschied sich dann aber doch für den Wintersport. Und für Südafrika. „Als ich in die offene Altersklasse wechselte, entschied ich mich, für Südafrika anzutreten“, erklärt sie, „ich mag Südafrika. Der Großteil meiner Familie lebt dort, und ich fühle mich dem Land sehr verbunden.“ In Cortina wird sie die erste alpine Skirennläuferin aus Südafrika sein. Ihr Vater ist als Trainer dabei.

„Einer der Gründe, warum ich mich für Skifahren und gegen Mountainbiken) entschieden habe, war, dass es eine olympische Sportart ist“, sagt die junge Dame, die oft durch ihre pink gefärbten Haare auffällt – und die auf Instagram 115.000 Follower hat. In Cortina will sie aber sportlich überzeugen – mal wieder an einem besonderen Tag.

Ihr WM-Debüt gab sie 2025 an ihrem 18. Geburtstag. Die olympische Premiere folgt nun an ihrem 19.