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Natalie Geisenberger ist ihren Rekord los, nun sind Tobias Wendl und Tobias Arlt die erfolgreichsten deutschen Wintersportler bei Olympia. Was sagt die Ex-Rodlerin dazu?

Natalie Geisenberger war bis vor den Winterspielen von Cortina d’Ampezzo die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin – mit sechs Gold- und einer Bronzemedaille. Am Donnerstagabend ist sie von ihren Rodel-Kollegen Tobias Wendl und Tobias Arlt überholt worden. Wir haben kurz danach mit der heutigen TV-Expertin bei Eurosport gesprochen.

 

Frau Geisenberger, Sie waren für Eurosport hautnah dabei, als die deutsche Rodel-Staffel am Donnerstagabend Gold geholt hat. Das war...

...eine ganz starke Leistung. Sie haben am Tag X einfach super performt, keine und keiner hat da irgendwas runtergewackelt. Im Gegenteil: Sie haben einen großen Vorsprung herausgefahren, souverän und verdient die Goldmedaille eingefahren. Sie dürfen sie jetzt zu Recht Olympiasieger nennen.

Trotz der vielen Medaillen lief für die deutschen Rodlerinnen und Rodler in Cortina nicht alles nach Plan.

Ja, da waren im Training und Wettkampf ein paar Wackler dabei. Umso mehr bin ich beeindruckt von der Leistung der Team-Staffel.

Sie wurden in den vergangenen Tagen viel auf ihren Medaillenrekord angesprochen. Sie haben sechsmal Gold und einmal Bronze gewonnen – sind nun aber von Tobias Wendl und Tobias Arlt überflügelt worden. Ganz ehrlich; Sind Sie auch ein bisschen froh, dass das Thema durch ist?

(Lacht) Tatsächlich habe ich am Tag vor der Staffel noch gesagt: Wenn die morgen eine Medaille holen, dann müssen die künftig all diese Fragen beantworten, nicht mehr ich. Und ein kleiner Funfact am Rande: Die erfolgreichste Winter-Olympionikin bleibe ich ja. Aber im Ernst: Das ist im Grunde ein Medienthema.

Inwiefern?

Weil keiner von uns mit dem Sport angefangen hat, um irgendwann einmal Medaillenrekorde zu brechen. Dafür wären wir auch in der falschen Sportart, da gibt es andere, in denen es mehr Medaillenchancen gibt. Und wenn mir persönlich der Rekord wichtig gewesen wäre, dann hätte ich nicht aufgehört – im Wissen, dass die beiden weitermachen.

Warum haben Sie Ihre Karriere beendet?

Ich habe aufgehört, weil ich fertig war mit dem aktiven Sport, das war absolut richtig – und mit sechs Olympiasiegen muss ich mich ja auch nicht verstecken. Jetzt gönne ich den beiden diesen Rekord. Was sie geleistet haben, ist sensationell. Erneut haben sie bei Olympia top performt, dafür größten Respekt. Und noch etwas ist wichtig.

Was?

Die beiden haben mir meine Medaillen ja nicht weggenommen. Die bleiben mir.

Was zeichnet die beiden aus?

Wir sind uns da ziemlich ähnlich. Es ist dieser wahnsinnige Ehrgeiz, der unbedingte Wille, abliefern zu wollen. Und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment auch liefern zu können, die Nerven zu behalten. Dass man dann nicht plötzlich versucht zu zaubern, sondern das abruft, was auch im Training funktioniert – um dann noch einen drauflegen zu können. Sie geben immer alles und lassen das Herz auf der Bahn.

Gibt es noch etwas?

Natürlich haben sie auch großes Talent. Aber: Sie haben auch unglaublich hart gearbeitet – auch im vergangenen Sommer wieder. Deshalb verdienen die beiden wirklich größten Respekt.