Johannes Lochner ist der ewige Herausforderer von Francesco Friedrich. Zum Abschluss seiner Karriere will er den Olympiasieger schlagen und Gold gewinnen – mit Stuttgarter Hilfe.
Ist das alles nur Spaß? Könnte man meinen – wenn man das aktuelle „Micky Maus Magazin“ liest. Darin ist, logisch, Donald Duck zu sehen – allerdings in einer besonderen Geschichte. Ihr Titel: „Rivalen der Bobbahn.“ Der notorische Pechvogel aus Entenhausen ist keiner der Kontrahenten. Sondern: Johannes Lochner und Francesco Friedrich.
„Auf dieses Duell“, sagt Lochner, „wird es sich zuspitzen.“ Wenn ab diesem Montag erst im Zweier-, später in der Woche im Viererbob um olympische Medaillen in Cortina d’Ampezzo gefahren wird. Und dann ist der Spaß eben auch vorbei.
Vier Läufe im Zweierbob, vier Läufe im Viererbob – das ist das letzte olympische Programm, das es für Johannes Lochner noch gibt. Der Bobpilot aus Berchtesgaden wird nach dieser Saison seine Laufbahn beenden – und das will er nicht tun, ohne Goldmedaillen bei Winterspielen gewonnen zu haben. Er sagt: „Wir wollen zweimal Gold.“ Das Problem an der Sache ist der der nächste Satz, den er sagt: „Auch Francesco will zweimal Gold.“
Es ist das Dauerduell der vergangenen Jahre. Nicht nur teamintern, sondern weltweit. Johannes Lochner, der Bayer. Gegen Francesco Friedrich, den Sachsen. Der seit 2011 insgesamt 18 Weltmeistertitel eingefahren hat. Der 2018 und 2022 jeweils zweimal Gold bei den Winterspielen von Pyeongchang und Peking gewonnen hat. Der sechsmal den Gesamtweltcup im Zweier und siebenmal jenen im Vierer geholt hat. Der 35-Jährige ist der Mann der Rekorde im globalen Bobsport – einige davon hat er im Laufe der vergangenen Jahre einem gewissen Eugenio Monti abgeluchst.
Der Italiener, geboren 1928 in Toblach und 2003 verstorben, holte einst je zwei Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei Winterspielen, unter anderem vor 70 Jahren in Cortina d’Ampezzo. Der Eiskanal hier ist nach ihm benannt. Nun will ihn aber Johannes Lochner zu seinem Wohnzimmer machen.
Der ebenfalls 35-Jährige ist so etwas wie der ewige Herausforderer Friedrichs, hat ihn auch immer wieder geschlagen, einmal sind die beiden sogar zeitgleich Weltmeister geworden. Fünf WM-Titel hat Lochner gesammelt, den Gesamtweltcup hat er im Zweier dreimal, im Vierer zweimal geholt. Was ihm für die Tage besonders Hoffnung macht: die bisherige Saison.
Sowohl im großen, als auch im kleinen Schlitten war Johannes „Hansi“ Lochner der Beste des Winters. Nun sagt er: „Wir wollen das Positive dieser Saison mitnehmen.“ In zwei Wettbewerbe, die, da ist sich der Bobpilot sicher, „brutal enge Kisten“ werden. An diesem Montag und am Dienstag geht es im Zweier im die Medaillen. Am Samstag und Sonntag im Vierer. Im neuen Eiskanal, der laut Lochner vor allem im oberen Bereich seine Tücken hat.
Unterstützung aus Stuttgart
„Da ist es brutal schwer zu fahren“, sagt der Bayer, betont aber auch: „Ich bin froh, dass es so schwierig ist.“ Denn: „Dann gewinnt auch wirklich der Beste.“ Der 35-Jährige will derjenige sein. Seine Karriere krönen. Und dem Bobclub Stuttgart Solitude Gold bescheren. Oder besser: schenken. Zum Dank.
„Ohne den Bobclub Stuttgart“, sagt Johannes Lochner nach einem der Trainingsläufe an der Bahn in Cortina, „wäre das alles nicht gegangen.“ Der Verein wurde einst aus einer Laune heraus gegründet, hatte aber schnell ernsthafte und ehrgeizige Ziele. Erst wurden Manuel Machata und Sandra Kiriasis unterstützt, dann kam Lochner dazu.
„Der Bobsport ist sehr kostenintensiv“, sagt Lochner. Der Stuttgarter Club habe ihm den Rücken freigehalten. Nicht nur in finanzieller Hinsicht. Denn für Johannes Lochner war sein Studium fast noch wichtiger als der Erfolg im Eiskanal. An der TH München hat er Elektrotechnik studiert. „Ich konnte mein Studium durchziehen und den Bobsport quasi nebenher betreiben“, sagt er. Nach dem Master-Abschluss hat sich der Kreis zum Bobclub aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt auch beruflich geschlossen. Jochen Buck, dessen Präsident, „ist jetzt auch bei der Arbeit mein Chef“. Lochner arbeitet als Sachverständiger.
Nun soll die Sache mit dem Bob ein goldenes Ende erfahren. „Die Vorfreude“, sagt Johannes Lochner, „ist riesig.“ Schon jede Trainingsfahrt in Cortina d’Ampezzo habe er genossen. Aber auch der Konkurrent lässt eben nicht locker. „Für mich und meine Crew geht es in Cortina um den Sieg in beiden Schlitten“, sagt Francesco Friedrich. Nach den Trainingsläufen im Zweier ist noch keine Tendenz auszumachen. Aber Lochner ahnt: „Bei Olympia ist Francesco eine Bank.“ Weshalb er weiß: „Wir müssen kämpfen.“ Und das kommt ihm auch ganz gelegen, weil er sagt: „Es wird geil.“ Er hofft auf „eine geile Show“.
Wie sie sich auch Walt Disney hätte ausdenken können.