Das Team von Adam Ammour beim Viererbob-Training in Cortina d’Ampezzo. Foto: Robert Michael/dpa

Johannes Lochner und Francesco Friedrich duellieren sich auch im Viererbob. Hinter den deutschen Toppiloten hat sich Adam Ammour rasant entwickelt. In einem besonderen Team.

Die Bobwettbewerbe laufen ja erst seit der zweiten Woche bei den Olympischen Spielen von Mailand und Cortina. Seine ersten großen Auftritt hatte das Team Ammour aber schon an Tag eins. Bei der Eröffnungsfeier liefen die Bobfahrer auf der Fußgängerzone von Cortina d’Ampezzo ein – und starteten mit einer erstaunlichen Einlage.

 

Weil es viel Spott für das Outfit der deutschen Athleten gab, – sie trugen unter anderem einen Poncho und einen Fischerhut – setzten sie feine Ironie dagegen. Joshua Tasche, der Anschieber, mimte einen zappelnden Fisch. Der Rest der Truppe warf die Angel aus und zog den Fang an Land. Es war ein Witz, ein Spaß, ein Gag – aber: Als es dann erstmals ernst wurde im Eiskanal von Cortina, war die lustige Truppe auch zur Stelle.

Noch nicht komplett, denn die ersten Medaillen wurden im Zweierbob vergeben – aber da war Adam Ammour gleich voll da. Und hat sich bei seinen ersten Olympischen Spielen gleich eine Bronzemedaille geangelt. „Wir sind hier auf der größten Bühne der Welt, und der Tag hätte nicht besser laufen können“, sagte er nach dem deutschen Dreifacherfolg (Johannes Lochner siegte, Francesco Friedrich wurde Zweiter), „wir konnten zeigen, was wir drauf haben.“ Es ist: eine ganze Menge. Vor allem ist es aber auch: eine erstaunliche Geschichte.

Wobei, im Viererbob von Adam Ammour stecken ja gleich mehrere gute Storys. Die eigentlich bei Issam Ammour beginnen.

Der ist mit seinen 32 Jahren der acht Jahre ältere Bruder des Piloten – und verantwortlich dafür, dass Adam überhaupt zum Bobsport gefunden hat. Als ehemaliger Leichtathlet war er bereits in der Szene als Anschieber aktiv. Sein kleiner Bruder dagegen war Turner, brach sich dann aber das Handgelenk – und fand durch Issam im Bobsport eine Alternative. „Mein Bruder“, sagte Adam Ammour am Dienstag in Cortina, „hat mich zu diesem Sport gebracht und mir alles mitgegeben.“ In Oberhof wurde er dann zum Piloten ausgebildet.

Adam Ammour (li.) hat mit Alexander Schaller Bronze im Zweierbob geholt. Foto: Robert Michael/dpa

Mittlerweile aber ist das Team Ammour dort beheimatet, wo die Brüder geboren wurden: in Hessen. Sie stammen aus Gießen – und starten für einen Verein, der für vieles bekannt ist, für Bobsport aber eher nicht. Adam Ammour kann sagen: „Eintracht Frankfurt unterstützt uns, wie sie können. Für uns ist es eine Ehre, für die SGE zu starten.“ Richtig gehört: Eintracht Frankfurt, der Adler-Club aus der Fußball-Bundesliga.

In der Hymne der Eintracht, die vor jeder Partie im Stadion läuft, heißt es zwar unter anderem: „Schwarz, Weiß wie Schnee.“ Mit Wintersport hatte die Zeile aber eigentlich nichts am Hut. Nun aber hat die SGE eine Eissport-Abteilung. Und drei Olympiateilnehmer.

Neben den Ammour-Brüdern ist auch Joshua Tasche am Riederwald zuhause, war schon als Athletiktrainer im Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht-Kicker tätig. Selbst war er zunächst Fußballer (unter anderem beim SC Staaken, wo auch Maximilian Mittelstädt einst begann), Leichtathlet und dann vor allem Rugby-Spieler. Der heute 29-Jährige war Mitglied der deutschen 7er-Nationalmannschaft, ehe er zum Bobsport fand.

Der Eintracht-Präsident ist glücklich

„Der Erfolg von Adam Ammour und Alexander Schaller ist für uns Hessen und auch für Eintracht Frankfurt ganz besonders“, sagte der SGE-Präsident Mathias Beck, „jetzt heißt es: Daumendrücken für den Vierer.“ Im Zweierbob holte Adam Ammour Bronze mit Alexander Schaller, einem Münchner, der abseits des Eiskanals Diskuswerfer ist. An diesem Samstag und Sonntag steigen dann Issam Ammour und Joshua Tasche zu – um als Quartett auch teamintern den Druck hochzuhalten.

Johannes Lochner und Francesco Friedrich haben in den vergangenen Jahren die Bobwelt dominiert und werden wohl auch den Sieg im Vierer in Cortina unter sich ausmachen. Aber: Adam Ammour hat nicht nur leise angeklopft – sondern die beiden Top-Piloten im Weltcup auch schon geschlagen. Mit ganz eigenen Mitteln. Denn Tipps, das verriet er in Cortina, bekommt er von den Routiniers eher nicht: „Die behalten die schön für sich.“ Noch, zumindest.

Zumindest Lochner wird nach den Winterspielen seine Karriere beenden – und dann vielleicht ein bisschen generöser mit seinem Wissen umgehen. Da auch Friedrich schon 35 Jahre alt ist, könnte Adam Ammour bald in eine neue Rolle schlüpfen innerhalb des deutschen Teams. Eine als Anführer. „Man weiß nie, was passiert“, sagte der 24-Jährige, „aber es sieht gut aus.“ Obwohl – oder weil – er es rasend schnell in die Weltspitze geschafft hat.

Dort will sich Adam Ammour im nächsten Winter vollends etablieren. Womöglich als dann zweifacher Medaillengewinner von Cortina. „Wir sind heiß auf den Vierer“, sagte er am Dienstag. Und darauf, sich die nächste olympische Auszeichnung zu angeln.