Ausgelassene Freude: Skicrosserin Daniela Maier nach ihrem Triumph in Livigno. Foto: Oliver Weiken/dpa

Daniela Maier hat ihre Goldmedaille im Skicross ausgiebig gefeiert. Und ist überrascht, dass nun die ganze Welt weiß, was sie gerne trinkt.

An den Plan des Bundestrainers Peter Stemmer, die Feier eher gedämpft ausfallen zu lassen, haben sich tatsächlich die meisten Beteiligten gehalten. „Die Männer, die Trainer und die Betreuer“, sagte Daniela Maier, „sind zum Abendessen schon wieder zurück ins Hotel.“ Es galt schließlich, sich auf die Rennen der Skicrosser am Samstag vorzubereiten. Aber – natürlich – gab es Ausnahmen.

 

„Wir Mädels“, sagte Daniela dann auch und lächelte, „sind dann noch weitergezogen.“ Es galt ja auch nicht weniger als eine olympische Goldmedaille zu feiern. Eine, an die die 29-Jährige aus dem Schwarzwald auch am Tag danach noch nicht richtig glauben konnte.

„Wenn ich hier als Olympiasiegerin vorgestellt werde“, sagte sie bei einem Medientermin am Samstagvormittag, „dann hört sich das immer noch total surreal an.“ Aber es gibt ja tatsächlich keine Zweifel: Nach einem enorm souveränen Renntag am Freitag ist Daniela Maier Olympiasiegerin geworden. Die erste deutsche im Skicross noch dazu. „Die Feier“, sagte sie also, „war super.“ Wiederholte sich am Samstag dann aber nicht.

Zwar stießen auch Florian Wilmsmann und Tim Hronek bis ins Halbfinale vor – das Rennen um die Medaillen verpassten die beiden Skicrosser dann aber. Gold holte der Italiener Simone Deromedis vor seinem Landsmann Federico Tomasoni und dem Schweizer Alex Fiva. Hronek wurde am Ende Sechster, wobei er im Halbfinale behindert worden ist. Der Schweizer Ryan Regez drückte dem Bayern bei einem Überholversuch den Arm gegen dessen Hals. Der Olympiasieger von Peking 2022 wurde dann auch disqualifiziert und entschuldigte sich.

„Es tut mir mega leid für ihn“, sagte Regez. „Ich bin darauf nicht stolz und wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es tun.“ Tim Hronek registrierte die Entschuldigung, „aber ich habe ihm dann auch gesagt: Ryan, schön und gut. Aber davon kann ich mir halt gar nichts kaufen“.

Florian Wilmsmann kam auf Platz sieben – was nach hervorragenden Vorleistungen dann doch enttäuschend war. Nur gut also, dass Daniela Maier die Laune im Skicross-Lager schon am Freitag in ungeahnte Höhen getrieben hatte.

Schon vor Wochen, erzählte sie am Samstag, habe sie damit begonnen, sich Gedanken zu machen – wie sie den Tag X bei den Winterspielen in Livigno angehen möchte, „damit ich in den richtigen Mood komme“. Es ging um Routinen. Welche passt, welche eher nicht. Als Klarheit herrschte, festigte Daniela Maier in den Weltcuprennen die Abläufe – was mit zwei Siegen zu Beginn des Jahres schon ziemlich zielführend war.

Am wichtigsten Renntag der vergangenen vier Jahre konnte sie sich dann darauf berufen. So gut, dass sie schon in der Vorrunde Bestzeit fuhr und dann – gemäß dem ausgefeilten Plan – auch jeden Vierkampf vom Start weg dominierte. Bis Gold feststand. Und die mitgereisten Familienmitglieder, Freunde und Fans jubelten.

Große Distanz, aber auch große Lautstärke

Zwar sei die Distanz zu all jenen groß gewesen während des Wettkampf – aber der Trupp vom SC Urach wusste sich zu helfen. „Mein Skiclub“, sagte Daniela Maier grinsend, „ist sehr laut. Denen ist es egal, wie weit sie weg sind, die schreien den ganzen Hang zusammen.“ Nach der Siegerehrung und einigen Medienterminen hatte es die Skicrosserin dann eilig, alle Mitgereisten zu umarmen. Und später dann auch mit ihnen anzustoßen.

Was dabei das Getränk der Wahl sein würde, war schon lange vor dem Ende des Rennens klargewesen. Im Zielraum hielt eine Freundin von Daniela Maier ein recht großes Plakat in die Höhe. Darauf stand: „Beeil dich, Dani. Der Aperol wartet.“ Darauf wurde die Olympiasiegerin nach ihrem Triumph natürlich reihenweise angesprochen – und klärte gerne auf.

Vor ein paar Tagen habe sie sich mit eben jener Freundin auf einen Kaffee getroffen. In dem Gespräch ging es dann natürlich auch um die Frage, die der olympische Renntag ablaufen könnte. Der Plan stand dann irgendwann fest: „Egal, wie es ausgeht – wir trinken einen Aperol und genießen das Leben.“ Von dem Plakat wusste Daniela Maier allerdings nichts – entsprechend überrascht ist sie nun auch von dessen Wirkung: „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass das jetzt so um die Welt geht.“

Am Samstag betonte Daniela Maier noch einmal, wie froh sie darüber sei, „so ein starkes Umfeld“ um sich zu haben. Dazu gehören neben den Fans vor Ort auch die rund 60 Personen, die in der Heimat in Urach beim Public Viewing mitgefiebert haben – auch wenn die 29-Jährige längst in Bayern lebt. Dorthin kehrt sie am Sonntag aus Livigno zurück.

Mit einer Goldmedaille. Obwohl das immer noch „surreal“ klingt.