Die US-Rennläuferin Mikaela Shiffrin scheidet erst im Riesenslalom und dann im Slalom vorzeitig aus.
Peking/Stuttgart - Was für ein Debakel! Was für eine Enttäuschung! Mikaela Shiffrin konnte ihre Tränen nicht verbergen. Erst ist bei diesen Winterspielen im Riesenslalom ausgeschieden – und jetzt auch noch im Slalom. „Es ist nicht das Ende der Welt“, sagte der Ski-Superstar nach der zweiten großen Niederlage bei diesen Winterspielen. Und damit hatte sie im Großen und Ganzen natürlich recht. Was nun für sie angesagt ist? „Ich glaube, ich muss viel hinterfragen jetzt.“ Auch das stimmte irgendwie. Nach ihrem frühen Aus im Riesenslalom patzte die Amerikanerin jetzt auch noch im ersten Lauf des Slaloms. Nach nur wenigen Toren.
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Mit hängendem Kopf kauerte sie im Zielraum herum – minutenlang. Jahre lange hat Mikaela Shiffrin in den technischen Disziplinen die alpine Skiwelt beherrscht. Hatte bei den beiden Winterspielen zuvor zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille geholt. Nun geht sie leer aus in ihren Lieblingsdisziplinen. Die größte Medaillenchance wird ihr bei diesen Spielen noch in der Kombination zugeschrieben. „Vielleicht gelingt es mir diesmal besser“, sagte sie und machte sich im Moment der großen Enttäuschung auch wieder etwas Hoffnung.
Zu viel Druck
War der Druck zu große für sie vor dem Slalom, den die Slowakin Petra Vlhova gewann und bei dem die Deutsche Lena Dürr nach Bestzeit im ersten Lauf als Vierte eine Medaille knapp verpasste? „Natürlich ist der Druck groß, aber das war nicht das größte Thema heute“, sagte Shiffrin. „Ich wollte die aggressivste Linie fahren“, meinte sie noch. Vermutlich wollte sie zu viel. „Ich bin mit starker Mentalität gestartet – dann war ich draußen.“
So schnell geht das. Dabei ist der Slalom Shiffrins Paradedisziplin. Neben Olympia-Gold 2014 holte sie hier schon vier WM-Titel und 47 Weltcup-Siege – das ist Disziplinrekord. „Das nimmt nichts weg von ihrer noch immer herausragenden Karriere. Dieses eine Rennen ändert daran nichts“, sagte ihre Landsfrau Lindsey Vonn dem TV-Sender NBC und spendete tröstende Worte. Die 2019 zurückgetretene Vonn ist mit 82 Weltcup-Siegen die einzige, die in der ewigen Bestenliste der Frauen noch vor Shiffrin (73) liegt. Medaillen bei Olympia haben sie beide jeweils drei – Shiffrin zwei goldene, Vonn eine. Will Shiffrin in China noch eine weitere, sollte sie ihren Rhythmus finden. Und vor allem die alte Coolness auf der Piste – einst ihre große Stärke.