Es läuft wie geölt: Pita Taufatofua, Taekwondokämpfer, Kajaksportler, Langläufer und Fahnenträger von Tonga, ist zum dritten Mal bei Olympischen Spielen dabei.
Tokio - Wer ein Image pflegen will, muss manchmal leiden. Die Temperatur lag deutlich im Minusbereich, dazu pfiff ein eiskalter Wind, als Pita Taufatofua zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2018 von Pyeongchang ins Stadion einlief – natürlich mit freiem, vor Öl glänzendem Oberkörper. Und in Sandalen. Es war ein noch spektakulärerer Auftritt als zwei Jahre zuvor. Schon 2016, zu Beginn der Sommerspiele in Rio de Janeiro, hatte der tanzende, muskulöse, herzerfrischende Fahnenträger aus Tonga nicht nur die Sportwelt begeistert. Nun kehrt Pita Taufatofua zurück auf die ganz große Bühne.
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Längst hat der 37-Jährige gelernt, dass es nicht reicht, schöne Bilder zu produzieren. Sondern dass es auch auf die Geschichte dahinter ankommt. Also nahm er sich vor, ein ganz besonderes Kapitel zu schreiben. Pita Taufatofua wollte als erster Athlet bei Olympischen Spielen in drei völlig unterschiedlichen Sportarten starten. Der Taekwondokämpfer, der für Pyeongchang zum Langläufer mutiert war, setzte sich ins Kajak. „Auch dieser Sport liegt mir am Herzen“, meinte Taufatofua, der in den sozialen Medien immer wieder Videos von harten Trainingseinheiten auf dem Wasser und im Kraftraum veröffentlichte, „das haben schon meine Vorfahren vor Tausenden Jahren gemacht, als sie die Inseln Polynesiens besiedelten.“ Und dann fügte er hinzu, was man eben so sagt, um im Gespräch zu bleiben: „In der Vergangenheit zählte für mich vor allem das olympische Motto. Nun aber will ich Gold.“
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Er wusste natürlich, dass dieses Vorhaben völlig unrealistisch ist. Ob die Qualifikation möglich gewesen wäre? Ist offen. Zunächst brach sich Taufatofua eine Rippe, dann vereitelte die Coronapandemie weitere Startmöglichkeiten. Das Ticket nach Tokio löste er trotzdem – im Taekwondo. Und zugleich träumte er bis zuletzt davon, auch im Kajak antreten zu dürfen. Das neueste Bild, das er gepostet hat, zeigt ihn am Flughafen, mit seinem Paddel in der Hand. Darunter steht: „Ich bete für ein Wunder.“ Doch daraus wird nichts.
Pita Taufatofua taucht in der offiziellen olympischen Startliste nur im Taekwondo auf, in der Gewichtsklasse über 80 Kilogramm. Doch er ist kein Mann, der Ziele einfach wieder aufgibt. Nicht im wirklichen Leben, in dem er seine Popularität nutzt, um seinen Landsleuten im ständig von Naturkatastrophen bedrohten Tonga Mut zu machen („Ich gebe ihnen den Glauben, dass sie etwas verändern können, wenn sie es wollen“). Und erst recht nicht als Sportler. 2024 will Pita Taufatofua bei den Sommerspielen in Paris wieder dabei sein. Im Kajak. Und vielleicht ja noch einmal im Taekwondo. Als Doppelstarter wären ihm die Schlagzeilen gewiss.
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Zuvor aber wird er seinen nächsten großen Auftritt in Tokio haben. Bei der Eröffnungsfeier der Sommerspiele 2021 an diesem Freitag (13 Uhr) im Olympiastadion. Diesmal zwar nicht vor begeisterten Zuschauern in der Arena, aber im Fokus der Kameras, welche die Bilder des Mannes mit dem freien, eingeölten Oberkörper auch diesmal wieder in die Welt transportieren werden. Und damit sein Image weiter aufpolieren.