Auch Marie-Laurence Jungfleisch fällt zu Hause die Decke auf den Kopf. Foto: Baumann

Olympia 2020 war ihr Ziel – nun wird daraus Tokio 2021. Wie gehen die Spitzensportler aus der Region mit diesen neuen Vorzeichen um? Wir haben nachgefragt – zum Beispiel bei der Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch.

Stuttgart - In diesen verrückten Tagen, in denen die Menschen die eigenen vier Wände am besten nicht mehr verlassen sollen, ist Marie-Laurence Jungfleisch (29) heilfroh, professionelle Hochleistungssportlerin zu sein. So hat sie immerhin einen triftigen Grund, das Gebot des Zuhausebleibens vorübergehend außer Kraft zu setzen und sich an die frische Luft zu begeben. Zwar sind in der Regel nur Waldläufe möglich – doch empfindet sie diese Ausflüge jedes Mal als „richtiges Highlight“.

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Zur Verlegung der Spiele sah auch Marie-Laurence Jungfleisch keine Alternative – hart getroffen wurde die Weltklasse-Hochspringerin vom VfB Stuttgart von dieser Entscheidung dennoch. Auch bei ihr war die Saison auf Tokio ausgerichtet, sportlich, privat, beruflich. In ihrem Studium der Sozialen Arbeit an der FH Esslingen ist Jungfleisch deutlich kürzergetreten, um mehr Zeit fürs Training zu haben. Nach der Olympiaverlegung bestand ihre erste Maßnahme darin, den Stundenplan fürs kommende Semester wieder aufzustocken. „Ich kann ja nicht ewig auf Sparflamme studieren“, sagt die gelernte Erzieherin, „irgendwann muss ich fertig werden.“

Die Prämien bleiben aus

Auch finanziell geht der derzeitige Shutdown des Sports nicht spurlos an der siebenmaligen deutschen Meisterin und EM-Dritten von 2018 vorüber. Zwar ist ein gewisses Grundeinkommen durch die Zuwendungen der Deutschen Sporthilfe und der Bundeswehr auch weiterhin gesichert. Antritts- und Siegprämien bei Meetings oder Meisterschaften aber, eine ganz wichtige Einnahmequelle, fallen vorerst weg. Etwa ein Dutzend Wettkämpfe bestreitet Jungfleisch gewöhnlich während der Freiluftsaison – völlig ungewiss ist derzeit, wann die Leichtathleten wieder laufen, springen und werfen dürfen. Die für 6./7. Juni vorgesehenen deutschen Meisterschaften in Braunschweig wurden verschoben, ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Fest terminiert sind dafür seit Montag die Spiele im nächsten Jahr – die bisherigen Qualifikationen sollen eingefroren werden. Zumindest in diesem Falle hätte Marie-Laurence Jungfleisch also Planungssicherheit. „Olympia bleibt mein großes Ziel“, sagt sie, „daran hat sich gar nichts geändert.“

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