Der Schweizer Simon Ammann litt am meisten unter den widrigen Bedingungen beim Olympischen Skispringen von der Normalschanze. Foto: dpa

Andreas Wellinger hat bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang Gold im Skispringen geholt. Es war ein hochklassiger Wettbewerb – aber auch einer, der den Sportlern nicht zugemutet werden sollte, kommentiert unser Olympia-Reporter Jochen Klingovsky.

Pyeongchang - Eines vorweg: Andreas Wellinger hat eine grandiose Leistung gezeigt, ist völlig verdient Olympiasieger von der Normalschanze geworden. Darauf kann er stolz sein. Und dennoch war es ein Wettkampf, dessen Faszination gelitten hat. Unter den Rahmenbedingungen, die das Fernsehen diktiert.

Klar: Wer zahlt, der bestimmt. Die Milliarden der TV-Giganten sind der Treibstoff der olympischen Bewegung. Doch absurd wird es, wenn diejenigen darunter leiden, ohne die sich kein Rädchen drehen würde – die Athleten.

Fünfmal auf den Absprungbalken – und wieder zurück

Dass es in Pyeongchang im Februar kalt und windig werden kann, war bekannt. Und dennoch wurden alle vier Skispringen der Winterspiele in die späten Abendstunden gelegt, damit sie in Europa zur bestmöglichen Sendezeit zu sehen sind. Das führte dazu, dass Simon Ammann, in Salt Lake City (2002) und Vancouver (2010) jeweils Doppel-Olympiasieger, etwas erlebte, was ihm in seiner langen Karriere noch nie passiert ist: Fünfmal kletterte er im zweiten Durchgang auf den Absprungbalken, fünfmal musste er wegen des zu starken Windes wieder zurück. Er bekam zwar wegen der klirrenden Kälte auf dem Turm Decken um die Schultern gelegt, doch springen konnte er erst nach mehr als zehn Minuten – mit schlotternden Knien und frostigen Füßen.

So darf man mit Sportlern, die bei Olympia ihre Höchstleistung zeigen wollen, nicht umgehen. Dazu kam, dass auch nur wenige Zuschauer bis weit nach Mitternacht ausharrten, die Stimmung so weit unter den Nullpunkt sank wie die Temperaturen. Sportlich war es ein knallharter, erstaunlich hochklassiger Wettkampf. Die Bedingungen waren unwürdig.

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