Immer wenn es um was geht, zeigt Carina Vogt die Zähne. Foto: dpa

Sie ist der Schrecken der Konkurrenz: Wann immer es um Gold geht, glänzt Carina Vogt. Die Skispringerin gewann die letzten fünf großen Titel – doch nun droht in Südkorea das Ende dieser grandiosen Serie.

Pyeongchang - Das Profilbild auf der Facebook-Seite von Carina Vogt zeigt die Skispringerin im orangenen Kapuzenpulli des deutschen Olympia-Teams. Beide Hände sind zu Fäusten geballt, die blauen Augen funkeln angriffslustig. Unter dem Kinn stehen vier Worte: „Merk Dir mein Gesicht“. Ein Foto als Kampfansage.

Vogt (26) hat erst zwei Weltcupspringen gewonnen, und auch diese Siege liegen schon drei Jahre zurück. Trotzdem sagt der frühere Weltklasseathlet und TV-Experte Toni Innauer: „Ohne den Namen Carina Vogt wird niemand eine Favoritenliste für Großereignisse vorlegen.“ Weil es keine so gut schafft, in wichtigen Momenten voll da zu sein. Körperlich. Aber vor allem auch mental. Die Überfliegerin vom SC Degenfeld glänzte bei den Winterspielen 2014 in Sotschi, als das Skispringen der Frauen erstmals olympisch war. Und sie gewann bei den Weltmeisterschaften in Falun (2015) und Lahti (2017) jeweils Doppel-Gold (Einzel, Mixed-Team). „Ich weiß, dass ich alles, was ich drauf habe, vor allem dann zeigen kann, wenn es zählt“, sagt die Athletin aus Schwäbisch Gmünd, „und es ist cool, dass die anderen dies auch wissen.“

Die perfekte Abstimmung

Dennoch ist fraglich, ob Vogt am Montag (13.50 Uhr/MEZ) erneut das Schreckgespenst spielen kann. Klar ist: Favoritinnen sind auch diesmal andere. Unklar ist, wie gut Vogt sein wird. Im Abschlusstraining belegte sie die Ränge zwei und drei und verzichtete anschließend auf den dritten Sprung. Katharina Althaus, die zweite deutsche Medaillenhoffnung, hatte ein paar Schwierigkeiten, kam dann aber im letzten Versuch auf 104 Meter und siegte. Die Durchgänge eins und zwei gewannen die Japanerin Sara Takanashi und Weltcup-Spitzenreiterin Maren Lundby (Norwegen).

Vor einem Jahr, bei der WM in Lahti, fand Vogt die perfekte Abstimmung auch erst im allerletzten Trainingssprung. Das Ergebnis ist bekannt. „Nicht mal ich selbst erwarte von mir, dass es wieder so gut läuft wie bei den anderen Großereignissen“, sagt sie, „aber ich habe genug Erfahrung, um zu wissen, an welchen Stellschrauben ich drehen muss.“ Für den Sprung aufs oberste Podest muss allerdings die Konkurrenz schwächeln – was nicht ausgeschlossen ist.

Lundby (23) hat noch nie eine Einzel-Medaille geholt. Takanashi (21) versagen regelmäßig bei wichtigen Wettbewerben die Nerven. Und auf Althaus (21) prasselt beim Olympia-Debüt viel ein. „Vor allem Sara Takanashi würde ich einen Coup mal gönnen, sie ist eine großartige Sportlerin“, meint Carina Vogt – um lächelnd hinzuzufügen: „Aber das Mädel hat enormen Druck, das macht es nicht leichter.“

Gewonnen, was es zu gewinnen gibt

Vogt dagegen hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Zudem macht es ihr nichts aus, dass in Südkorea am späten Abend (zweiter Durchgang um 22.35 Uhr Ortszeit) gesprungen wird: „Ich gehe sowieso lieber spät ins Bett und schlafe morgens länger.“ Die Olympiasiegerin träumt vom nächsten Gold. Sie fokussiert, allerdings ohne deshalb zu verkrampfen. Dafür hat sie zu viel erlebt. „Der Sieg in Sotschi hat mein Leben verändert“, sagt sie, „damals bin ich ins kalte Wasser gesprungen. Doch ich habe gelernt zu schwimmen. Dieser Reifeprozess war anstrengend, aber dafür bin ich nun eine professionellere Athletin.“

Vogt fordert viel von sich, aber auch von anderen. Sie kämpft für einen Mixed-Wettbewerb bei Olympia. Einen Team-Wettkampf bei Weltmeisterschaften. Mehr Weltcupspringen von großen Schanzen. Eine Vierschanzentournee für Frauen. Und sogar einen Versuch von einer Skiflugschanze würde sie gerne mal wagen. Was nur zeigt: Auch wenn es nicht für den zweiten Olympiasieg reichen sollte, wird Carina Vogt weiterhin hohe Ziele verfolgen.

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