Gut drauf und hoch motiviert: Felix Loch Foto: dpa

Der deutsche Rodler Felix Loch ist bei den Winterspielen kurz davor, sein großes Vorbild Georg Hackl zu entthronen.

Pyeongchang - Georg Hackl macht sich nichts vor. Seine Tage sind gezählt. Die Tage als deutscher Rekordrodler, da ist sich der Urbayer ganz sicher. „Bei diesen Spielen wird er das hundertprozentig machen“, sagt der 51-Jährige, „das ist ja vorgezeichnet, weil der Felix ein ganz anderes Potenzial hat als ich. Schon von seiner Physis, das ist ja eine Extra-Hausnummer.“ Der Hackl-Schorsch, wie er deutschlandweit bekannt ist, ­gewann in seiner Karriere dreimal Olympiagold und zweimal Silber.

Felix Loch steht bei einer Ausbeute von drei goldenen Olympiaplaketten, und er besitzt bei den Spielen in Südkorea die Chance, zwei draufzupacken. Eine im Einsitzer, wo die Entscheidung an diesem Sonntag (10.15 Uhr) fällt, sowie eine im Team-Staffel-Wettbewerb, der am Donnerstag durch den Eiskanal im Alpensia-Resort geht. „Ich brauche vier super Läufe, so lautet mein Plan“, sagte Felix Loch nach dem Training, „mit nur zwei guten Läufen gibt’s kein Gold. Ich muss noch eine bessere Linie durch Kurve neun finden, dann könnte es klappen. Das ist ganz wichtig.“ Die Chancen auf die Olympiasiege Nummer vier und fünf sind ziemlich gut. Zum einen, weil der Thüringer nach verhalten erfolgreichem Saisonstart allmählich immer besser in die Bahn gekommen ist, und zum anderen, weil er am Saisonende vor Olympia zum sechsten Mal den Gesamtweltcup gewonnen hat. „Ich fühle mich super. Beim letzten Weltcup in Sigulda habe ich gespürt, dass der Schlitten funktioniert. Das passt“, sagte der 28-Jährige und fügte mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen noch hinzu: „Vielleicht mit ein paar kleinen Änderungen hier oder dort.“

Die Stimmung stimmt

Zum anderen hat Loch mit der Team-Staffel noch ein zweites brandheißes Eisen im Feuer, weil die deutschen Rennrodler seit Jahren eine übergeordnete Macht im Eiskanal darstellen, so dass Team-Gold eigentlich nur verpasst werden kann, wenn bei der Schussfahrt ordentlich gepatzt wird. Denn auch die Frauen sowie die Doppelsitzer sind bestens in Schuss.

Auch der Spaß und die Abwechslung kommen nicht zu kurz bei den deutschen Rodlern, die Stimmung stimmt. Am 5. Februar nahmen Loch und Hackl die Kollegin Natalie Geisenberger mit auf Tour, mit Spikes an den Schuhen marschierten sie durch den Eiskanal – und gratulierten auf diese Weise der Miesbacherin zum 30. Geburtstag. Selbstverständlich postete Loch dies auf Facebook, wo er sein Leben ziemlich ausführlich präsentiert. Vor der Abreise setzte er seinen Sohn Lorenz mit Sonnenbrille in den gepackten Koffer. Die Gaudi kommt nicht zu kurz bei Felix Loch, da ist der Thüringer schon mehr als ein halber Bayer geworden.

Mit Ski-Star Felix Neureuther besucht er Golfturniere, den einstigen Kapitän seines Lieblingsclubs FC Bayern, Philipp Lahm, hat er zu einer Fahrt im Doppelsitzer eingeladen. „Eigentlich hätte ich Fußballer werden sollen und viel mehr Geld verdienen können“, scherzte er einmal, „ich verdiene im fünfstelligen Bereich und mache mir keine Illusionen, dass ich die Füße hochlegen kann, wenn ich mit dem Sport aufhöre.“ Mit Spaß zum Erfolg, lautet seine Lebensdevise.

Keine Gedanke ans Karriereende

Doch noch liegt das Karriereende hinter dem Horizont, nun steht Großes bevor. Das vierte Olympiagold. Georg Hackl gönnt der Nummer eins im Eiskanal den Triumph von Herzen, „natürlich“ würde er sich in Pyeongchang darüber freuen, schließlich ist er seit Jahren eng verbunden mit dem Sportler als dessen Techniktrainer, aber auch als väterlicher Freund und Ratgeber. „Das wäre auf jeden Fall super“, sagt der Altmeister. Nach seinem ersten Olympiasieg am 14. Februar 2010 in Vancouver gönnte sich Felix Loch wie sein Vorbild Hackl erst mal ein Weißbier und begoss damit die Medaille. Am Sonntag sollte Georg Hackl nach dem vierten Lauf sicherheitshalber wieder ein Weißbier bereitstellen – er weiß garantiert, wo man welches bekommt.

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