Die ARD-Zuschauer konnten die goldene Eiskunstlauf-Kür von Aljona Savchenko und Bruno Massot nur als Aufzeichnung sehen. Foto: Getty Images AsiaPac

Für großen Unmut sorgte im Internet die Tatsache, dass die historische Paarlauf-Kür von Aljona Savchenko und Bruno Massot nicht live in der ARD übertragen wurde. Doch es gibt einfache rechtliche Gründe.

Pyeongchang - Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang haben die deutschen Eiskunstläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot völlig überraschend die nächste Goldmedaille für Team Deutschland gewonnen. Mit einer Weltrekord-Kür ebneten sie den Weg für das erste olympische Paarlauf-Gold seit 1952. Ein historischer Moment – den jedoch nicht alle Olympia-Fans am Fernseher verfolgten.

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Der Final-Wettbewerb wurde nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk übertragen, sondern lediglich im frei empfangbaren Privatsender TLC. Zahlreiche User beschwerten sich infolgedessen, auch und vor allem auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken, etwa über zeitgleich ausgestrahlte Aufzeichnungen.

ARD und ZDF machtlos

Dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten von einer Liveübertragung der Paarlauf-Kür absahen, hat indes einfache rechtliche Gründe: Sie dürfen es nicht. So viele bewegte Bilder von Olympischen Spielen gab es noch nie. Mehr als 1000 Stunden Live-Programm stehen für die deutschen Sportfans zur Auswahl. Und doch ist bei diesen Winterspielen einiges anders. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wer hat die TV-Rechte?

Der US-Konzern Discovery hat die europäischen Medien-Rechte für die vier Olympischen Spiele bis 2024 für 1,3 Milliarden Euro vom IOC gekauft. Zunächst waren die Verhandlungen mit ARD und ZDF, die bislang Olympia übertragen hatten, über einen Weiterverkauf von Rechten für den deutschen TV-Markt gescheitert. Erst im August vergangenen Jahres kam es doch noch zu einer Einigung. Die Rechte der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sind allerdings eingeschränkt und nicht so umfangreich wie gewohnt.

Wo sendet Discovery?

Discovery zeigt nach eigenen Angaben über verschiedene Kanäle mehr als 4000 Stunden Programm, davon über 900 Stunden live. Frei zu empfangen ist Eurosport, wo es eine 24-Stunden-Berichterstattung geben soll. Weitere bewegte Bilder bietet der US-Konzern über seinen Frauensender TLC an sowie im Pay-TV bei Eurosport 2. Sportfans, die nichts verpassen und die freie Auswahl haben wollen, kommen am Eurosport-Player nicht vorbei - und müssen dafür zahlen. Das kostenpflichtige Internet-Angebot bietet nach Discovery-Angaben bis zu 18 parallel laufende Streams.

Wie senden ARD und ZDF?

Die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender zeigen rund 230 Stunden live. ARD und ZDF übertragen im täglichen Wechsel im klassischen Fernsehen. Sendezeit ist - wegen der Zeitverschiebung von acht Stunden - zwischen 2 und 17 Uhr. Bis zu drei Livestreams gibt es zudem im Internet.

Welche Sportarten zeigt nur Eurosport?

ARD und ZDF dürfen nach der späten Einigung mit Discovery im August 2017 nicht alle Sportarten live zeigen. Dazu gehören Snowboard, Shorttrack und – Eiskunstlauf. Genau aus diesem Grund gab es die Gold-Kür von Aljona Savchenko und Bruno Massot auch nicht live in der ARD, sondern nur bei TLC zu sehen.

Zudem läuft die Mehrzahl der Eishockey-Partien ausschließlich beim Pay-TV-Sender Eurosport2. Die deutschen Spiele und das Finale dürfen die Öffentlich-Rechtlichen allerdings übertragen.

Welche Einschränkungen gibt es noch?

Eine Highlight-Sendung in der deutschen Prime Time gibt es nur bei Eurosport. „zwanzig18 - Die Olympia Show“ nennt der Sportsender das von Marco Schreyl und Julia Kleine präsentierte Programm. Interviews mit den Sportlern dürfen an fast allen Wettkampfstätten zuerst die Eurosport-Reporter führen. ARD und ZDF stehen aufgrund der Rechtesituation weiter hinten und müssen warten.

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