Strahlender Ausnahme-Athlet: Michael Phelps (Mitte) bei der Eröffnungsfeier in RioEin Ausnahmeathlet: Michael Phelps hat bereits 18 Mal olympisches Gold gewonnen. In Rio sollen weitere Erfolge hinzugekommen.Michael Phelps hat sich in seinen Sport neu verliebt. Foto: AFP

Ein Ausnahmeathlet: Michael Phelps hat bereits 18 Mal olympisches Gold gewonnen. Bei den Spielen in Rio de Janeiro feiert der Rekordschwimmer aus den USA sein Comeback.

Rio de Janeiro - Michael Phelps bestreitet in Rio seinen vierten Olympischen Spiele. Die Rückkehr des Rekordmann-Olympioniken, der aus der Bahn geraten war, rührt die Sportwelt. Und das ist Michael Phelps:

b>Der Ausflug in ein anderes Leben

Nach den Spielen 2012 in London beendete Michael Phelps seine Karriere. Danach tauchte der Ausnahme-Athlet in eine andere Welt. Er wurde mit Alkohol am Steuer erwischt, begann zu zocken und verlor die Kontrolle über sein zuvor so geordnetes Dasein. „Ich wollte nicht mehr hier sein, ich wollte nicht mehr leben“, sagt Phelps über den Tiefpunkt, an dem er irgendwann angelangt war. 18 Monate später, im April 2014, kündigte er sein Comeback an. Heute ist der Schwimmer über diesen Schritt froh: „Ich verstehe jetzt, dass es in Ordnung ist, einfach so zu sein, wie ich bin, und das ist großartig.“ Vor seinem mit Spannung erwarteten Comeback durfte Phelps bei der Eröffnungsfeier die US-Flagge ins Maracana-Stadion tragen. Sein amerikanischer Teamkollege Ryan Lochte sagt: „Wenn das einer verdient hat, dann Michael.“

Die Medaillenmaschine

18 Goldmedaillen, zweimal Silber und zweimal Bronze – Michael Phelps ist der erfolgreichste Olympiateilnehmer aller Zeiten. Bei den Spielen 2012 in London löste er in der Bestenliste die Turnerin Larissa Latynina vom ersten Platz ab. Zwischen 1956 und 1964 holte die Ukrainerin 18 Medaillen für die Sowjetunion. Die Frage ist nun, wie viele Medaillen Phelps jetzt in Rio de Janeiro noch sammelt. Das eine oder andere Edelmetall könnte für ihn drin sein, vermuten Experten. Zur Erinnerung: 2008 stellte Phelps den Rekord von Mark Spitz ein und holte acht Goldmedaillen. „Ich hätte schon noch gerne eine Medaille, bevor ich meine Karriere beende“, sagt Phelps.

Der ideale Körper

Michael Phelps hat den perfekten Körper für seine Sportart. Er ist 1,93 Meter groß, wiegt 88 Kilogramm und verfügt bei ausgestreckten Armen über eine Spannweite von 2,04 Meter. Sein Oberkörper ist extrem lang und v-förmig, im Vergleich dazu sind die Beine eher kurz – die idealen Proportionen für einen Schwimmer. Und im Hinblick auf seine Schuhgröße (48) kann man fast schon von Flossen sprechen, die den 31 Jahre alten Amerikaner im Wasser nach vorne treiben. Phelps zeichnet aber auch seine überragende mentale Stärke aus. „Ich mache immer das gleiche: essen, schlafen, schwimmen“, so beschreibt er seinen Tagesablauf. Nach seinem Comeback ist er aber viel lockerer geworden und gönnt sich immer mehr Auszeiten – vorzugsweise auf dem Golfplatz.

Der Trainer an seiner Seite

Im November des Jahres 1996 tauchte an einem Beckenrand irgendwo in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland der Trainer Bob Bowman auf. Irgendetwas nahm er wahr, ohne genau zu wissen, was es war. Irgendetwas ist bei dem erst 11 Jahre alten Michael Phelps verdammt noch mal anders gewesen als bei anderen Kindern. Vielleicht die Art, sich im Wasser zu bewegen, die geprägt war von erstaunlicher Eleganz und Leichtigkeit. Bowman fasste einen Entschluss. Er ging zu Mutter Debbie Phelps und sagte: „Nichts und niemand wird ihn stoppen.“ Bis heute ist Bowman nicht von seiner Seite gewichen, er ist einer der wichtigsten Menschen im Leben von Michael Phelps. Als dieser mit Bowman über seine Comeback-Wünsche sprach, war schnell klar, dass der Coach wieder im Boot ist. „Es gab ein langes Gespräch, und wir haben beschlossen: Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig.“

Die schwierige Kindheit

Die Geschichte des Hochbegabten klingt märchenhaft, aber auch traurig. Aufgewachsen ist Phelps in einem Vorort von Baltimore. Als Junge habe er schon die Krise bekommen, wenn sein Gesicht auch nur etwas nass wurde, erzählt er. Seine Schwestern Hillary und Whitney nahmen ihn an die Hand und machten ihn zum Mitglied des North Baltimore Aquatic Club. So konnte es ja schließlich nicht weitergehen. Eltern und Geschwister machten sich ernsthafte Sorgen. In der Schule nannten sie den wasserscheuen Sohn und Bruder nur noch „Zappelphilipp“. Seine Unruhe wurde zum Teil mit Psychopharmaka bekämpft. Erst trieb er sich mit Freunden auf dem Baseballplatz herum, bis er 1996 damit anfing, im Alter von elf Jahren zu schwimmen. Bahn für Bahn, immer öfter, immer intensiver. Heute sagt Phelps nach seiner Pause im Becken: „Ich habe mich in diesen Sport wieder verliebt.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: