Perfekte Teamarbeit: Michael Jung und Sam Foto: dpa

Die beiden sind das vielleicht beste Gespann, das es in der Vielseitigkeit je gab: Michael Jung und sein Sam. Gut möglich, dass das 16 Jahre alte Wunderpferd nach Rio nun in Rente geht. Ein Blick auf diese Ausnahmeerscheinung auf vier Beinen.

Rio de Janeiro - Als ihm zu Ehren die deutsche Nationalhymne erklingt, ist Michael Jung spontan nach Sam zumute. Für einen Augenblick wendet er den Kopf, suchend nach seinem Pferd. Das wird von seiner Freundin Faye Füllgraebe an einem langen Zügel herumgeführt, denn dieser Sam ist mehr als eigen: „Zuhause auf der Koppel mag er kein anderes Pferd neben sich dulden, er ist ein absoluter Einzelgänger“, sagt Vater Joachim Jung. Und Michael Jung sagt: „Sam wird leicht nervös, lässt sich von der oft hektischen Atmosphäre auf den Turnieren anstecken, kann den Start kaum erwarten, ist oft übermotiviert, will unbedingt alles richtig machen, kämpft für mich jede Sekunde.“

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Während die Pferde seiner Konkurrenten still auf vier Beinen stehen, sichtlich froh, dass die Arbeit getan ist, und die Medaillenvergabe stoisch über sich ergehen lassen, will der 16-jährige Sam, ein topfitter Oldie, immer in Bewegung sein. „Abends dauert es lange“, sagt Vater Jung, „ehe er zur Ruhe kommt“.

Die große Geschichte vom kleinen Sam taugt tatsächlich zur Legende. Anfang der 1990er Jahre kauft der Balinger Unternehmer Günther Kraut (Bizerba), ein renommierter Züchter von Holsteinern, den Fuchshengst Stan the man, einen englischen Vollblüter, der auf der Rennbahn nicht sonderlich erfolgreich war. Kraut, übrigens der Vater der neuen Wirtschaftsministerin Nicole Hofmeister-Kraut, engagiert sich mit Leidenschaft für das Haupt- und Landgestüt in Marbach auf der Alb, verkauft später seinen Stan the man zu einem fairem Preis an die landeseigene Zuchtstätte. Kraut stirbt 1995 mit nur 58 Jahren und erlebt die wunderbaren Folgen seines Hengstimportes nicht mehr.

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