Der Hemdenhersteller Olymp bekommt die Krise zu spüren, dennoch erwartet er erneut Rekordzahlen. Foto: Olymp/Werkfoto

Hemdenhersteller Olymp bekommt die Krise zu spüren, dennoch erwartet er erneut Rekordzahlen.

Bietigheim-Bissingen – Zwar drückt die Euro-Krise beim Hemdenhersteller Olymp und beim Strickspezialisten März auf die Erlöse. Dennoch erwartet die schwäbische Olymp-Gruppe erneut Rekordzahlen. -

Wenn Olymp-Chef Mark Bezner sich verabschiedet, sagt er: „Dann geh’ ich mal Hemden verkaufen.“ Offensichtlich kein sinnloses Unterfangen – auch in diesem Jahr befindet er sich mit seiner Unternehmensgruppe, zu der seit 2010 auch der Münchner Strickspezialist März gehört, auf Rekordkurs. Jedoch verlangsamt sich das Wachstum in diesem Jahr.

Im ersten Halbjahr liegt März fünf ­Prozent über dem Vorjahresumsatz. Fürs gesamte laufende Geschäftsjahr peilt Bezner mit März einen Umsatz zwischen 24 und 25 Millionen Euro an (Vorjahr: 23,4 Millionen Euro). Olymp ist im ersten Halbjahr ebenfalls um rund fünf Prozent gewachsen. Bis zum Ende des Jahres erwartet Bezner einen Anstieg der Erlöse auf 187 bis 196 Millionen (Vorjahr: 178,6 Millionen Euro). Doch während der Hemdenhersteller im Vorjahr noch um 26 Prozent gewachsen ist, drückt 2012 die Euro-Krise auf die Erlöse.

„In Griechenland ist das Geschäft erwartungsgemäß komplett zusammengebrochen“, sagt Bezner. „Aber auch in Irland verzeichnen wir einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent.“ Verunsicherung spüre er auch bei den französischen ­Konsumenten.

„Im nächsten Jahr wird die Branche froh sein, wenn sie mit einer schwarzen Null abschließt“, sagt Bezner. Das gelte jedoch nicht für Olymp. 2013 möchte Bezner mit Hemden, Krawatten, Poloshirts und der Olymp-Stricklinie fünf bis zehn Prozent mehr Umsatz machen als 2012. Auch März soll wachsen – und bis 2015 einen Erlös von 30 Millionen Euro verzeichnen.

Olymp will die Zahl der Shops auf 60 Läden in Deutschland erhöhen

Um seine Ziele zu erreichen, setzt der ­ehemalige Leistungsschwimmer unter ­anderem auf den Ausbau von parallelen ­Absatzkanälen. Dazu gehören auch mehr eigene Olymp-Läden. Bis 2015/2016 will Bezner laut Strategieplan die Anzahl der Olymp-Shops in Deutschland von aktuell 38 auf 60 Läden erhöhen. Doch geeignete ­Flächen zu finden, fällt schwer. Mitunter machen dem preisbewussten Schwaben die explodierenden Mietpreise in attraktiven Städten und Lagen zu schaffen.

„Einem Vermieter in der Frankfurter ­Kaiserstraße habe ich abgesagt, weil er für 220 Quadratmeter nach drei Jahren eine Miete von 17 000 Euro verlangt hätte“, sagt Bezner. „Dafür müsste ich viele Hemden verkaufen.“

Glaubt man jedoch Jarko Stilp vom ­Immobiliendienstleister CB Richard Ellis, ist ein Mietpreis von 77 Euro pro Quadratmeter als eher günstig zu bewerten. „Die Tendenz der Einzelhandelsmietentwicklung in Deutschlands wichtigsten Einzelhandelsstädten geht seit mehreren Jahren nach oben“, sagt auch Peter Möhring von CB ­Richard Ellis.

Zu den Top-Standorten zählen Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Köln, ­Düsseldorf gefolgt von Stuttgart, Hannover und Nürnberg. In München und Frankfurt sei der Mietpreis seit 2002 um 50 Prozent auf 330 Euro pro Quadratmeter gestiegen, sagt Möhring. „Bei manchen Läden in Top-Lagen müssen neue Mieter sogar erst einmal Millionenbeträge als Ablösesumme hinlegen, um die Fläche überhaupt mieten zu dürfen“, so Möhring. Ein Grund für die Preis­explosion sei, dass sich die Nachfrage der Händler immer stärker auf die oben ­ge­nannten Top-Standorte fokussiere.

Olymp will bis 2015 Läden in Belgien, den Niederlanden und der Schweiz eröffnen

Vor allem internationale Einzelhändler würden die Preise nach oben treiben, sagt Möhring. „Bei ihnen hat der Markteintritt in Deutschland einen hohen Stellenwert.“ Darum seien sie bereit, auch hohe Preise zu zahlen. „Zumal der Mietpreis in Deutschland im internationalen Vergleich immer noch recht moderat ausfällt.“ München belegt als ­teuerste deutsche Stadt Rang 17 im internationalen Vergleich.

Wachstumspotenzial sieht Bezner in den Nachbarländern, in denen er in den kommenden Jahren zunehmend aktiv werden will. Bereits 2011 hat Olymp im öster­rei­chischen Linz den ersten Laden eröffnet. Bis 2015 sollen weitere Shops in Belgien, den Niederlanden und der Schweiz folgen.

Doch nicht nur gute Standorte sind rar. Auch die Suche nach geeigneten Bewerbern gestaltet sich für Olymp als schwierig. Im ersten halben Jahr ist die Zahl der Mitar­beiter in Bietigheim-Bissingen von 484 auf 510 gestiegen. Etwa 25 weitere Stellen möchte Bezner in der zweiten Jahreshälfte noch besetzen. Beim Strickwarenhersteller März in München ist die Zahl der Mitarbeiter konstant bei fast 120 geblieben. Allerdings hat Bezner die Führungsebene umstrukturiert. Clemens Ode, seit 2011 Geschäftsführer bei März, hat eine Co-Geschäftsführerin an die Seite bekommen: Katja Beibl ist künftig für die Bereiche Vertrieb und Marketing zuständig.

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