Er nimmt kein Blatt vor den Mund - weder in Anbetracht beschämender Fernseh-Formate, noch in Bezug auf Fremdenhass. Medien- und Gesellschaftskritiker Oliver Kalkofe wird an diesem Samstag 50.

Stuttgart - Er ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um den Wahnsinn geht, der täglich im Fernsehen zu sehen ist. Vor wenigen Tagen hat sich Oliver Kalkofe nun auch mit klaren Worten zum Thema Fremdenfeindlichkeit geäußert. An diesem Samstag feiert der Medienkritiker und Komiker seinen 50. Geburtstag.

Astro-Sendungen, Shopping-TV und Reality Soaps - Deutschlands Fernsehlandschaft bietet jede Menge Zündstoff für Oliver Kalkofe. Seit mehr als 20 Jahren unterzieht er nun schon das oft befremdliche Treiben im Fernsehen einer Kritik, die auf amüsante und dabei immer reflektierte Art und Weise entlarvt. Grund genug, anlässlich seines 50. Geburtstages eine Top Ten seiner Videos zusammenzustellen:

1. Auch wenn er eigentlich Radiomoderator gelernt hatte, zog es Kalkofe zum Fernsehen. 1994 gab es bereits die erste Staffel der legendären "Kalkofes Mattscheibe" im Fernsehen zu sehen. Seither wurden in regelmäßigen Abständen immer wieder neue Staffeln von "Kalkofes Mattscheibe" im Fernsehen ausgestrahlt.

2. Für seine Satire-Sendung "Kalkofes Mattscheibe" erhielt Kalkofe 1996 den Adolf-Grimme Preis. Unter dem neuen Namen "Kalkofes Mattscheibe Rekalked", wurden 2012 weitere Staffeln mit jeder Menge Fernsehmüll, der von dem 50-Jährigen kommentiert wird, ausgestrahlt. Seine konstruktiven und gleichermaßen unterhaltenden Kritiken treffen dabei nicht nur verschiedene Fernseh-Formate, sondern oft auch Aussagen von verschiedenen Prominenten, wie hier zum Beispiel Kay One und Bushido.

3. „Ich selbst habe mit dem ten-weeks-body-change-lose-your-brain-fuck-yourself-Programm in zehn Wochen kiloweise Kohle verdient.“ - Kalkofes Eloquenz kennt keine Grenzen.

4. Skandale wie die um den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern München, Ulli Hoeneß, bleiben ebenfalls nicht verschont.

5. Kalkofe Worte weiß Worte derart zu verdrehen und zu ersetzen, sodass sie Lügen und Misstände entlarven und aus einer Entschuldigung kurzerhand auch mal ein krasses Eingeständnis werden lassen können: „Leider haben wir uns in einigen Restaurants beim Erreichen unserer eigenen Gewinnmaximierungsstandards, die weit über den gesunden Menschenverstand hinausgehen, erwischen lassen.“

6. Doch "Kalkofes Mattscheibe" übt auch auf anderen Plattformen Kritik. Im Februar 2012 trat er mehrmals bei "GottschalkLive" als Kino-Kolumnist auf. In seinen "Nichtgedanken" las er 2013 literarisch hochgeistige Ergüsse aus verschiedenen Promi-Biographien wie etwa der von Bettina Wulff. Die Sendung entstand in Anlehung an Joachim Kulenkampffs "Nachtgedanken" in der ARD.

7. Auch im Film probierte er es: Gemeinsam mit Komiker Bastian Pastewka (Männerherzen) und Oliver Welke (Heute-Show) schrieb er das Drehbuch zu dem Kinofilm "Der Wixxer" (2004), auf den 2007 der zweite Teil "Neues vom Wixxer" folgte. Im August diesen Jahres machte Kalkofe allen Fans der Kömodie die Hoffnung auf eine weitere Fortsetzung zunichte, denn er gab bekannt, dass Pastewka ausgestiegen sei.

8. Kalkofe kann aber auch anders und zeigt, dass er nicht nur das Reality TV kritisieren kann, sondern auch ein meinungsstarker Gesellschaftskritiker ist: Anfang des Jahres zeigte er sich betroffen über den Terroranschlag auf die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo". 

9. Weniger pöbelnd als Til Schweiger und zugleich aber auch deutlicher als Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf (Circus Halligalli) es zuletzt taten, äußerte sich Oliver Kalkofe Ende August in einem Video, das auf Youtube veröffentlicht wurde, zum Thema Fremdenfeindlichkeit. Er nennt sie "ekel erregende degenerierte Menschendarsteller", "Parolen grölende Vollidioten" und "feige Verbrecher im faulig schimmelnden Schutzmantel des vorgetäuschten Patriotismus" und verurteilt das Denken und Handeln von Rechtsextremisten als "Sprache der Dummheit".

10. Zuletzt war ohnehin zu beobachten, dass Kalkofes auch in seinem Format "Kalkofes Mattscheibe Rekalked" immer mehr auf gesellschaftliche Missstände hinweist. So kritisierte er Anfang des Jahres im Deckmantel der Satire die homophoben und menschenverachtenden Äußerungen verschiedener Teilnehmer einer Demonstration in Stuttgart.

 „Es ist ein komisches Gefühl. Denn ich bin ja jetzt eigentlich für das Fernsehen überhaupt nicht mehr interessant. Ich bin jetzt ja herausgewachsen aus der werberelevanten Zielgruppe 14-49 und darf gerade mal noch ein bisschen am Rande mitgrasen, wenn ich nett bin und nicht störe“, sagte Kalkofe in einem Interview mit der dpa anlässlich seines 50. Geburtstages. Auch wenn er selbst an seiner Relevanz für die Zukunft des Fernsehens zweifelt, so zeigen insbesondere seine jüngsten Beiträge umso deutlicher, wie wichtig meinungsstarke Menschen wie er sind.

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