Oliver Kalkofe mag keinen zynischen Schludereien. Foto: dpa

Wenn es um beißende Kritik an Blödheiten im Fernsehen geht, fällt einem schnell Oliver Kalkofe ein. Im Interview spricht der Unterhaltungsberserker über seine Wut, über Scheinheiligkeit und lieblosen Mist – und seine „Wixxer“-Filme, die Netflix fortsetzen will.

Stuttgart - Anfang der Neunziger hat sich Oliver Kalkofe im „Frühstyxradio“ einen Namen gemacht. Auch in „Kalkofes Mattscheibe“ teilte er tüchtig aus. Jetzt zeigt Netflix seine „Wixxer“-Filme und plant eine Fortsetzung der Reihe. Im Interview spricht der Unterhaltungsberserker über seine Wut, über Scheinheiligkeit im Fernsehen und lieblosen Mist.

Herr Kalkofe, ist es eigentlich heuchlerisch, dass Sie seit 25 Jahren das Fernsehen anderer be- und nicht selten verurteilen?
Meine Art, übers Fernsehen zu urteilen, ist eine Art Recycling: Ich nehme was Überflüssiges und erzeuge daraus was Verwertbares, mache also aus einem Scheißfilm ’ne Party. Wenn ich jeden Mist mitmachen würde, wäre das scheinheilig. Aber obwohl auch bei mir Fehltritte dabei waren, habe ich 90 Prozent aller Angebote abgelehnt und ansonsten gemacht, wovon ich überzeugt war. Deswegen trifft es „überkritisch“ besser. Man darf auch an schlechten Dingen Freude empfinden, aber ich mag es nicht, verarscht zu werden.
Und wer tut das?
Lieblos gemachter Müll, der mir leidenschaftslos vor die Füße gerotzt wird. Aber wenn ich bei „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ merke, die wurden zwar schlecht, aber aus Überzeugung gemacht, weiß ich das durchaus wertzuschätzen. Ich mag alles, was liebevoll verhunzt wurde.
Also eher keine Volksmusik?
Zu Beginn von „Kalkofes Mattscheibe“ war das völlig zu Recht das Hauptobjekt meines Spottes. Aber selbst das hat sich zum Schlimmeren verändert. Und wenn ich mir das Marionettentheater heute ansehe, war das verglichen mit Scripted Reality fast warmherzig. Damals war mieses Programm oft scheinheilig, heute ist es einfach nur zynisch. Aus meiner Sicht war Fernsehen früher ein Fluchtpunkt, heute ist es eher Fluchtursache.
Wenn man heute 1000 Leute befragt, mit wie viel Herzblut oder Zynismus Ihre ­„Wixxer“-Filme gemacht sind, würde sich das Urteil vermutlich die Waage halten . . .
Als Kritiker ist man stets Teil des Kritisierten, sonst fehlt die Eignung zur Kritik; das legt die Messlatte an mich zwar hoch, aber selbst Meisterwerke werden von Teilen des Publikums geliebt und von anderen verflucht. Mein Ziel ist, den gewünschten Ausschnitt der Zuschauer zu bedienen. Alle stellt man eh nie zufrieden.
Das klingt jetzt, als sei Ihr Humor eine Art Dienstleistung am Kunden?
Jeder Unterhalter ist auch Dienstleister, andernfalls könnte ich mich in den Garten stellen und mir selbst Witze erzählen. Der Unterschied besteht darin, dass es mir nicht um Masse geht – sonst hätten wir nicht so was Altmodisches wie Edgar-Wallace-Filme persifliert, die Jüngere kaum kennen. Mit dem „Wixxer“ haben wir uns daher nie auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt, aber zugegeben: Weil damals zu viele reingeredet haben, um den zu finden, bin ich im Nachhinein mit dem ersten Teil eher unzufrieden. Da war die Angst vorm kommerziellen Misserfolg schon spürbar. Mir ist wichtig, einen Humor zu finden, über den auch ich lachen kann.
Gelingt Ihnen das immer?
Man lacht über die eigenen Witze schon darum irgendwann nicht mehr, weil man sie ja schon kennt. Hinzu kommt, dass ich meine Pointen im Nachhinein oft verbesserungswürdig finde. Aber die grundsätzliche Richtung entspringt schon meinem Humor. Witze, die ich nicht mag, könnte ich gar nicht erzählen.
Finden Sie die „Wixxer“-Filme oder auch das „Frühstyxradio“ vom Anfang der 90er Jahre noch witzig?
Also den zweiten Teil vom „Wixxer“ auf jeden Fall. Und weil Netflix dieses Universum einem jüngeren Publikum zugänglich macht, werden wir es als „Wixx-Akten“ in Form einer Mini-Serie weiterentwickeln.
Ließe sich denn auch das „Frühstyxradio“ fortsetzen?
Dafür hören die Menschen längst zu wenig Radio. Außerdem wäre das, was einst als unflätig galt, im Vergleich zum heutigen Tonfall völlig harmlos.
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