Dank der neuen Besuchsregelung werden Eltern aktiv in den Behandlungsalltag eingebunden - das hilft nicht nur den Kindern, sondern entlastet auch das Pflegepersonal. Foto: Klinikum Stuttgart/Tobias Grosser

Die pädiatrische Intensivstation des Klinikums Stuttgart ist als angehörigenfreundlich zertifiziert worden - ein bedeutender Schritt hin zu mehr Nähe, Vertrauen und Unterstützung für Familien. 

Mehr als 1000 kleine Patienten werden jedes Jahr auf der Kinderintensivstation des Klinikums Stuttgart im Olgahospital behandelt. Patienten mit angeborenem Herzfehler aber auch Patienten aller Fachrichtungen vom Neugeborenen bis zum 18. Lebensjahr werden dort versorgt. Durch die enge Zusammenarbeit aller operativen und nicht-operativen Abteilungen des Kinderkrankenhauses wird eine übergreifende und lückenlose Behandlung gewährleistet. Rund 30 Ärzte und 75 Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger – viele mit der Zusatzausbildung Kinderintensivpflege – kümmern sich um die Patienten. Zusätzlich unterstützen der Psychosoziale-Dienst, Seelsorger und Therapeuten das Team.

Neue Besuchsregelung auf der pädiatrischen Intensivstation

Wenn ein Kind ernsthaft erkrankt ist und auf der pädiatrischen Intensivstation behandelt und versorgt werden muss, ist das für den kleinen Patienten und seine Familie oft eine sehr belastende und einschneidende Erfahrung. „Damit die Familie die Zeit besser überstehen und verarbeiten können, haben wir einige Veränderungen vorgenommen“, sagt Carina Hirth, Pflegerische Stationsleitein. So gibt es beispielsweise keine eingeschränkte Besuchszeit für Eltern mehr. Sie dürfen jetzt rund um die Uhr bei ihrem Kind sein. „Das heißt Mütter und Väter können auch bei ihrem Kind im Zimmer übernachten“, erklärt Carina Hirth. Darüber hinaus stehen Elternapartments und Elternzimmer auf dem gleichen Stockwerk zur Verfügung, in denen Eltern ebenfalls übernachten können und einen Rückzugsort haben. Dadurch ist der Aufenthalt auf der Intensivstation für die kleinen Patienten mit deutlich weniger Stress verbunden, was sich positiv auf deren Genesung auswirkt.

24-Stunden Elternbegleitung am Klinikum Stuttgart

Das bestätigt auch Simon Brenner. Seine kleine Tochter liegt seit sechs Wochen wegen einer schweren Brandverletzung auf der Kinderintensivstation. Er und seine Frau wechseln sich mit der Betreuung der Dreijährigen ab. Rund um die Uhr ist immer einer von beiden für die Kleine da. „Das ist superwichtig für unsere Tochter, besonders auch wenn sie nachts aufwacht, dass gleich jemand Vertrautes da ist“, so die Erfahrung von Simon Brenner. Dadurch, dass immer ein Elternteil anwesend ist, sei auch nach jeder Operation oder bei jedem Verbandswechsel gleich ein Gespräch mit dem Arzt möglich und sie seien immer bestens informiert. Sehr wichtig ist für den Vater auch die Betreuung durch den Sozialdienst und die Seelsorge. „Es ist sehr wichtig, dass man mit jemandem über seine Gefühle und Ängste reden kann.“

Gemeinsam stark: Eltern als Teil des Behandlungsteams

Carina Hirth empfindet die jetzt 24 Stunden mögliche Anwesenheit der Eltern als echten Gewinn – für Kinder, Eltern und das Personal. „Die Eltern sind dadurch Teil des Behandlungsteams. Sie bemerken Veränderungen als erstes, können ihr Kind beschäftigen und überall hin begleiten. Sie behalten die Kontrolle über die Situation, dadurch fällt es ihnen auch leichter, den Pflegekräften und Ärzten zu vertrauen.“ Und niemand kenne das Kind besser als die Eltern.

Elternpräsenz hilft: weniger Trauma durch Nähe

Ein weiterer Vorteil durch die ständig mögliche Präsenz der Eltern auf der pädiatrischen Intensivstation ist, dass das Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) abgemildert oder ganz vermieden werden kann. Als PICS-Family werden die möglichen Langzeitfolgen einer Behandlung auf der Intensivstation bezeichnet. Es umfasst körperliche, kognitive und psychische Symptome, wie zum Beispiel Ängste, Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen – sowohl bei den Kindern, als auch bei den Eltern.

Broschüre bietet Familien Orientierung und Unterstützung

Extra entwickelt wurde auch eine spezielle Informationsbroschüre für Eltern und Patienten auf der Kinderintensivstation. Sie informiert über die Abläufe, Hygienemaßnahmen, Besuchsmöglichkeiten von Geschwistern, Parkmöglichkeiten, psychosoziale Unterstützung, das Elterncafé, den Elternaufenthaltsraum auf der Intensivstation und vieles mehr. Den Aufenthaltsraum benutzt auch Simon Brenner gern, wenn seine Tochter tagsüber mal schläft. „Dort kann ich mir jederzeit einen Tee oder Kaffee kochen oder im Kühlschrank etwas Persönliches zum Essen aufbewahren, zum Beispiel die Joghurtsorte, die meine Tochter so liebt.“

Zertifizierte Kinderintensivstation im Olgahospital 

Von der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V. ist die pädiatrische Intensivstation des Klinikum Stuttgart im Olgahospital jetzt als „Angehörigenfreundliche Intensivstation“ zertifiziert worden und nimmt somit eine Vorreiterrolle in Deutschland ein.

Olgahospital im Klinikum Stuttgart

In Deutschlands größter Kinderklinik, dem Olgahospital des Klinikums Stuttgart, werden jährlich über 16.000 kranke Kinder und Jugendliche stationär behandelt. Hinzu kommen mehr als 100.000 ambulante Patientenkontakte. In fünf pädiatrischen und drei operativen Fachabteilungen (Kinderchirurgie, Kinderorthopädie und Kinder-HNO) wird, unterstützt von Kinderradiologie, Kinderanästhesie und weiteren Spezialbereichen, in interdisziplinärer Zusammenarbeit nahezu das komplette Behandlungsspektrum in der Kinder- und Jugendmedizin angeboten. In den pädiatrischen Spezialambulanzen und dem Sozialpädiatrischen Zentrum kümmert man sich um die ambulante Versorgung von chronisch und schwer kranken Kindern. Notfälle (ambulant und stationär) werden rund um die Uhr versorgt. Zusammen mit der Frauenklinik bildet das Olgahospital das zweitgrößte Perinatalzentrum Deutschlands. Das Olgahospital blickt auf eine über 175-jährige Geschichte zurück.

Weitere Informationen finden Interessierte auf der Webseite der pädiatrischen Intensivstation des Klinikum Stuttgart.