Die ersten Bewohner sind auf dem Olga-Areal eingezogen. Die meisten haben in dem modernen Wohnquartier allerdings noch kein Netz. Foto:  

Das neue Olga-Areal im Stuttgarter Westen ist fast fertig, allerdings haben die Bewohner größtenteils kein Internet und keinen Telefonanschluss – hauptsächlich Telekom-Kunden.

Stuttgart - Wohnen und Arbeiten unter einem Dach. Das war auch eine der Ideen für das neue Vorzeigequartier Olga-Areal auf dem Gelände des ehemaligen Kinderkrankenhauses im Stuttgarter Westen. Das Wohnen funktioniert in vielen Häusern durchaus. Mit dem Arbeiten tun sich manche Neubewohner allerdings noch schwer. Denn: Telefon und Internet funktionieren bisher größtenteils noch nicht.

Ende Mai führt Rüdiger Arendt, der mit dem Verein Olgäle 2012 das Großprojekt mitgestaltet hat, über das Gelände und klagte bereits damals, die Telekom könne die Leitungen nicht rechtzeitig bereitstellen. Die Bewohner seien jedoch alle im Kontakt mit dem Unternehmen.

Bewohner haben kein Internet und kein Telefon

Bis heute gibt es nun kein Netz. Inzwischen sind viele der neuen Bewohner extrem verärgert. Einige machen Homeoffice, sind eigentlich dringend auf einen funktionierenden Internetzugang angewiesen. Viele hätten ein Starterset von der Telekom bekommen, sagt Dietmar Wiehl, Baubetreuer der Baugemeinschaft Olga 07. So richtig funktionieren die aber wohl auch nicht. Manche Bewohner sagen, sie haben sich schon andere Lösungen besorgt.

Die Telekom konnte die Glasfaser-Leitung, welche die schnelle Kommunikation garantieren soll, nicht rechtzeitig legen. Dabei ist dieses Bauprojekt seit über zehn Jahren in Planung, im April 2017 war Baubeginn. Die Bewohner ärgert aber vor allem die schlechte Kommunikationsstrategie der Telekom. „Der Informationsfluss ist sehr dürftig“, sagt Wiehl. Schon vor einigen Wochen habe es von dem Telekommunikationsunternehmen dann geheißen, man behandle das Areal nun mit höchster Dringlichkeit. Es werde intensiv an einer schnellen Lösung gearbeitet. „Und jetzt warten alle wieder seit vier Wochen“, fügt Wiehl hinzu. Am Anfang hätten ja alle noch Geduld gehabt. „Aber jetzt ist es wirklich ärgerlich. Das Vertrauen in die Telekom ist sehr angeschlagen bei meiner Baugemeinschaft.“

Die Telekom bemüht sich – kann aber keinen festen Termin nennen

Bei der Telekom bemüht man sich. „Unser Timing sieht vor, dass wir bis spätestens nächste Woche die Anschlüsse zur Verfügung stellen können“, sagt Hubertus Kischkewitz, Pressesprecher der Deutschen Telekom. Die Leerrohre für die Glasfaserkabel seien bereits gelegt, nun ziehe man die Kabel noch in diese Rohre ein. „Wir haben mit der Versorgung warten müssen, weil der Stromversorger unser Kabel mitverlegt hat, wir haben also erst dessen Arbeiten abwarten müssen, ehe wir selbst tätig werden konnten“, ergänzt er. Eine solche Koordination von Baumaßnahmen sei aber sicherlich im Interesse aller und von den Kommunen ja auch so gewünscht. Es habe aber auch Verzögerungen bei der Telekom gegeben. „Wir bedauern, dass unsere Kunden so lange warten mussten“, ergänzt er. Die Rechnungen von nicht vorhandenen Anschlüssen müssten die Kunden selbstverständlich auch nicht bezahlen, sagt Kischkewitz.

Bauliche Komplikationen sollen der Grund sein für die Verzögerung

Bei der Stadt Stuttgart nimmt man den Anbieter in Schutz: „Die eingetretenen Verzögerungen mit der Breitbandanbindung sind den komplizierten Bauabläufen geschuldet und nicht dem Netzanbieter zuzurechnen. Die Wirtschaftsförderung hat sich für einen schnellen Anschluss eingesetzt und hofft nun, dass nach den letzten Abstimmungen keine weiteren Verzögerungen eintreten“, sagt Sprecherin Anna Sendler. Auf einen genauen Zeitpunkt möchte man sich aber auch im Rathaus lieber nicht festlegen.

Interessant ist aber: Bei anderen Anbietern funktioniert das Netz. Philip Hinrichsmeyer, selbst Bewohner und zugleich Bauleiter der Baugemeinschaft „Im Westen was Neues“, ist bei Unity Media unter Vertrag und hat bereits seit über zwei Monaten Netz. „Und zwar auch in voller Stärke“, sagt der 35-jährige Architekt. Die Kabel seien da und die Anschlüsse auch gelegt. Einige Bewohner aus seinem Haus hätten deshalb auch den Anbieter gewechselt und seien nun auch bei Unity Media. Von dort heißt es, man verwende eine andere Technologie, das teilt ein Sprecher unserer Zeitung mit.

224 Wohnungen sind insgesamt auf dem Olga-Areal entstanden, es gilt als ein Vorbild für urbanes Bauen. Erst kürzlich zeichnete eine Fachzeitschrift für Städtebau das Olga-Areal in der Kategorie Urbanes Flächenrecycling aus. Gelobt wurde die vorbildliche Umwandlung des ehemaligen Krankenhausareals in ein neues, modernes Stadtquartier.

Neben den sieben Baugemeinschaften bauten dort die SWSG, das Siedlungswerk und Mörk Immobilien. Auf dem Areal wird es eine Kindertagesstätte, einen Supermarkt und ein Nachbarschaftszentrum geben. Auch bei diesem gab es Probleme, weil es nicht entsprechend groß genug geplant war.

Die Bewohner sind genervt von der schlechten Kommunikation

Rüdiger Arendt ist inzwischen mehr als genervt. Er habe seinen Anschluss vor Jahren schon beantragt. Nun ist er drei Jahre später eingezogen und sitzt ohne Telefon und Internet da. „Das Starterkit funktioniert zwar, aber es gibt oft stundenlang keine Verbindung.“ Vor allem ärgere ihn, dass es keine konkreten Ansagen von der Deutschen Telekom gebe. Ihn habe man auf Ende August vertröstet. „Ein Mitbewohner hat die Auskunft erhalten, er werde Ende November ans Netz angeschlossen. Das ist doch die Höhe“, sagt Arendt. Auch seine klagen, es gehe nicht um „Luxus und Bequemlichkeit“, sondern schlicht darum, dass man gerade nach einem Umzug unendlich viele Behördengänge und Ähnliches organisieren müsse. Da seien Telefon und Internet essenziell.

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