Der „Barockengel“ von BMW war in den 1960ern die schnellste Limousine der Welt. Foto: Gottfried Stoppel

Mehr als 130 Oldtimer sind bei der 15. Remstal-Klassik mitgefahren. Für die Besitzer sind die auf Hochglanz polierten, betagten Autos weit mehr als nur Fortbewegungsmittel.

Waiblingen - Sturmtief Xynthia vor sieben Jahren ist es zu verdanken, dass ein vergessener automobiler Schatz zum Vorschein und später in den Besitz von Bernd Weyhmüller kam. In Böblingen zerstörte das Unwetter eine Scheune, in der ein – wie sich später herausstellte seit dem Jahr 1972 abgemeldeter – NSU Prinz II E, Baujahr 1960, schlummerte. Das Fahrzeug habe zwar wie ein Lochsieb ausgesehen, sei aufgrund familiärer Bezüge aber dennoch sein Traumwagen gewesen, sagt Weyhmüller – sein Vater sei in den 1960er Jahren genau mit diesem Modell Rennen gefahren, unter anderem auf der Solitude.

„Wirtschaftlicher Irrsinn“

Weyhmüller kaufte das Gefährt. Auch wenn dessen Restauration „wirtschaftlicher Irrsinn“ gewesen sei, hat sich das Herrichten gelohnt. Das blaue Fahrzeug mit weißem Dach sieht wie aus dem Ei gepellt aus. Auch die Fahrt mit dem Exportmodell in der Luxusversion – 30 statt 20 PS, Kurbelfenster und aufstellbare Kofferraumhaube – mache riesigen Spaß, sagt Weyhmüller.

Am Sonntag sind er und seine Frau bei der bereits zum 15. Mal vom Waiblinger Motorsportclub organisierten Oldtimerrallye durchs Remstal gefahren. 131 Teilnehmer sind am Beinsteiner Tor auf die Strecke gegangen – vom Messerschmitt Tiger über diverse betagte, aber neuwertige Porsche, Mercedes bis hin zum Austin Healy oder einem Alvis Silver Special.

Barockengel zur Silberhochzeit

Helmut Röger und seine Frau Helene aus Schwäbisch Hall haben bei der Remstal-Klassik ihren BMW 502, Baujahr 1963, ausgefahren. Der Wagen, wegen seiner geschwungenen Karosserielinien im Volksmund Barockengel genannt, galt in den 1960er Jahren als die schnellste Limousine der Welt. Ihr V8-Motor mit 160 Pferdestärken trieb das Gefährt auf bis zu 190 Stundenkilometer an.

Das Ehepaar Röger hat sich den silbernen Traumwagen, mit dem Helmut Röger einst schon als Kfz-Lehrling in Berührung gekommen ist, anlässlich seiner Silberhochzeit gegönnt. Doch der Weg dahin verlief nicht geradeaus. Zwar hatte das Paar ein „bestens aufbereitetes Modell“ bereits über eine Oldtimer-Zeitung aufgetan und sich darauf vorbereitet, 13 000 Mark (rund 6650 Euro) dafür hinzublättern. Doch der Wagen, den die beiden in Essen im Ruhrgebiet besichtigten entpuppte sich als das Geld nicht wert. „Der stand in der Friedhofsstraße – und genau dort gehörte er auch hin“, sagt Helmut Röger rückblickend. Dennoch habe er auf der Heimfahrt noch einmal hin und her überlegt, weil genau das Modell nun einmal eine ziemliche Seltenheit sei. Doch seine Frau habe ein endgültiges Machtwort gesprochen. Auf einer Rast habe er schließlich ziemlich deprimiert die neuste Ausgabe der Oldtimer-Zeitung gekauft und einen Blick hineingeworfen und – kaum zu glauben – gar nicht weit von dem aktuellen Aufenthalt ein Angebot für gleich zwei Objekte seiner Begierde entdeckt. Die Rögers fuhren hin und machten den Kauf perfekt: zwei Barockengel für insgesamt 10 000 Mark. Sechs Jahre ließ sich der Kfz-Meister und Fahrlehrer Helmut Röger Zeit, um das Traumauto perfekt aufzubereiten. Seither haben die Rögers mehr als 100 000 Kilometer mit ihm zurückgelegt – ein paar davon am Sonntag bei der Remstal-Klassik.

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