Alte Autos und Einkaufsmöglichkeit: Jahrelang war das Breuningerland in Ludwigsburg Ziel der Oldtimer-Sternfahrt. Damit ist Schluss. Foto: Andreas Rosar/Archiv

Weil die Gewerkschaft Verdi geklagt und der verkaufsoffene Sonntag im Breuningerland verboten wurde, zieht der Veranstalter weiter – auf den Parkplatz eines Möbelhauses in Bietigheim-Bissingen. Wird auch dagegen vorgegangen?

Ludwigsburg/Bietigheim-Bissingen - Für Oldtimerfans aus dem Kreis Ludwigsburg und weit darüber hinaus gehört sie zu jeder Saison, wie der Trabant zur DDR: die Sternfahrt zum Saisonabschluss. Vor der Winterpause treffen sich Oldtimerbesitzer und -liebhaber ein letztes Mal, bevor sie ihre Schätze über die kalten Monate einmotten. Die gute Nachricht für sie: Die Sternfahrt findet auch in diesem Jahr statt. Allerdings: mit einem anderen Ziel. Erstmals nach über einem Jahrzehnt lenken die circa 1000 erwarteten Teilnehmer des Retro-Treffs ihre aufpolierten Gefährte nicht auf den Parkplatz des Breuningerlands am Rand von Ludwigsburg. In diesem Jahr geht es nach Bietigheim-Bissingen auf das Gelände des Möbelhauses Hofmeister.

Das Breuningerland trauert

Dass der Veranstalter Retro Promotion sich anderweitig nach einem Platz für die Oldtimer-Ausstellung umsehen muss, war schon seit längerem klar. Anfang April hatte der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim die zurückliegenden verkaufsoffenen Sonntage für unrechtmäßig erklärt – eine Zäsur für den Einzelhandel in Kreis und Land. Der Auslöser für das Urteil war eine Klage der Gewerkschaft Verdi, die die Mitarbeiter im Einzelhandel vor zu großer Belastung schützen wollte.

Die Richter urteilten, dass ein Sonntagsverkauf nur dann zulässig sei, wenn er größere Veranstaltungen – etwa traditionsreiche Feste und Märkte –, die im Mittelpunkt stehen, einrahme. Das sei bei den verkaufsoffenen Sonntagen im Ludwigsburger Breuningerland nicht der Fall gewesen, rügte das Gericht. Die Oldtimerfahrt sei eine „Alibiveranstaltung“. Im April war das Breuningerland letztmals an einem Sonntag geöffnet, das Urteil des VGH war noch nicht rechtskräftig. Verdi hatte auf einen Eilantrag verzichtet.

Möbelhaus erwartet keine Klage

„Wir hätten die Veranstaltung gerne behalten“, sagt der Centermanager des Breuningerlands, Jan-Bernd Tangerding. Er hält die Sternfahrt für „imageträchtig“ – und natürlich habe sie sich auch finanziell rentiert. Sogar ohne Verkaufstag hätte das Center den Parkplatz wieder für die Sternfahrt zur Verfügung gestellt. Allerdings wäre ein Zuschuss der Werbegemeinschaft der Geschäfte im Einkaufszentrum, die bis zu 30 000 Euro beigesteuert hatten, bei einem geschlossenen Center nicht mehr möglich gewesen, so Tangerding.

Lesen Sie hier: Darum sind die verkaufsoffenen Sonntage im Breuningerland passé

Was die einen ärgert, freut die anderen: Nun werden die Oldtimer am Sonntag, 20. Oktober, Hofmeister in Bietigheim-Bissingen ansteuern. Das Möbelgeschäft ist an diesem Tag zwar geöffnet, Kunden können aber – mit Ausnahme des gastronomischen Angebots – weder etwas kaufen, noch werden sie beraten. „Schausonntag“ nennt Hofmeister das. Deshalb müsse man auch keine Sorgen haben, dass Verdi dagegen klagt, sagt die Hofmeister-Sprecherin Christiane Faber.

Im November berät der Gemeinderat in Ludwigsburg das Thema

Und wie sieht es mit den weiteren verkaufsoffenen Sonntagen in Ludwigsburg aus? Von der Gewerkschaft war am Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen.

Bei der Stadt Ludwigsburg geht man indes davon aus, dass der verkaufsoffene Sonntag beim Kastanienbeutelfest am 13. Oktober wie geplant stattfinden wird. „Wir haben bislang nichts Gegenteiliges gehört“, sagt Susanne Jenne von der Pressestelle. Der Gemeinderat wird sich im November auch noch einmal mit dem Thema befassen.

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