Transporter mit Buckel-Volvo bei strömendem Regen auf der Autobahn Foto: Decksmann/PR

Kolumnist KNITZ über eine Fahrt auf der verregneten A 8 und wie er dabei von Nostalgie übermannt wurde.

Auf einer Autobahn ist kein Platz für nostalgische Gefühle. Vor allem nicht, wenn es in Strömen regnet und der Wind von der Seite peitscht. Dann sollte man das Lenkrad, das früher mal Volant hieß, fest im Griff haben.

 

Überhaupt, früher. Früher war eh alles besser. Da wurden noch solide Autos gebaut, welche mit Charakter, die voneinander zu unterscheiden waren. Solchen Kommentaren begegnet KNITZ öfter auf Facebook-Seiten, auf denen sich sogenannte Oldtimer-Experten austauschen. Dabei wird unterschlagen, dass Autos früher, etwa in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, bereits nach zehn Jahren dermaßen Rost angesetzt hatten, dass sie nur noch zum Ausschlachten taugten.

Aber einige wenige Exemplare scheinen auf magische Weise überlebt zu haben, wie jener Volvo, den KNITZ auf der A 8 kurz hinter Ulm überholte. Ein Buckel-Volvo war’s, der es sich auf einem Anhänger bequem machte und sich von einem kräftigen SUV ziehen ließ.

Wie gesagt, das Wetter war mies, die Sicht hundsmiserabel, eigentlich der falsche Zeitpunkt, um seine Gedanken schweifen zu lassen. Aber KNITZ ging der Volvo nicht mehr aus dem Sinn.

Mag daran liegen, dass er als Knirps mal hinter dem Steuer eines Buckel-Volvos Platz nehmen durfte. Es muss wohl so um 1966 gewesen sein. Aus der Schweiz war Besuch gekommen, um den schwer kranken Großvater noch einmal zu sehen. Ein Mann in Begleitung von zwei Frauen. Obwohl der Anlass ein trauriger war, wurde viel gelacht.

Schwärmen vom Schwedenstahl

Der Besitzer des Volvo, in der Erinnerung ein großer, hagerer Mann, erzählte lustige Geschichten, vielleicht auch aus der Zeit, als er Missionar in Afrika war. So genau weiß KNITZ das nicht mehr. Vermutlich hat KNITZ mitgelacht, auch wenn er nicht alles kapierte. So wie man das als junger Mensch halt tut, um erwachsener zu wirken.

Aber er erinnert sich noch genau wie er – der Besuch war gerade am Aufbrechen – zum Abschied auf dem Fahrersitz des Buckelvolvo Platz nehmen durfte. KNITZ konnte zwar kaum über das Lenkrad schauen, war aber dennoch schwer beeindruckt. Ein Auto, in dem man sich anschnallen konnte, war schon etwas ganz besonderes.

Außerdem bestand so ein Volvo aus Schwedenstahl, wie man sich später fachmännisch auf dem Schulhof austauschte – ohne zu ahnen, dass man damit einen genialen Marketing-Spruch wiederkäute. Wer Volvo fuhr, das war klar, der wollte auf Nummer sicher fahren, was auch in Zeitungsanzeigen zum Tragen kam, in denen eine schwangere Frau abgebildet war, nebst dem Slogan: „Einer der schönsten  Gründe, endlich ein sicheres Auto zu fahren.“

In Sachen Gurt- und Helmpflicht

Man kann es allerdings auch übertreiben, wie jenes Lehrerehepaar im Volvo, das in einem Witz von der Schweizer Polizei gestoppt wird und auf die Frage, warum sie beide Sturzhelme tragen, antwortet: „Wieso, an der Grenze stand doch, dass in der Schweiz Gurt- und Helmpflicht gilt?“

Vielleicht wird KNITZ die Geschichte mit dem Buckel-Volvo mal seinen Urenkeln erzählen. Und die werden große Augen machen und kaum glauben können, dass es eine Zeit gab, in der die Menschen selbst hinterm Steuer saßen.