Die Polizei wird auf dem Oktoberfest vom 17. September bis 3. Oktober stärker als sonst präsent sein. Foto: dpa

Nach den drei Terroranschlägen in Bayern hat München für das Oktoberfest ein neues Sicherheitskonzept beschlossen. Wie dieses Jahr die Stimmung werden wird, weiß keiner. Die Besucherzahlen nehmen ohnedies ab.

München - Sicher ist: heute in zwei Wochen, am 17. September, wird Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den Zapfhahn ins traditionelle Bierfass hauen und damit das 183. Oktoberfest eröffnen. Aber was wird das für eine Wiesn werden im Jahr des Terrors 2016, acht Wochen nach den drei Anschlägen in Bayern? Darüber gehen die Meinungen in München erheblich auseinander. Das tun sie auch beim neuen Sicherheitskonzept, das der Stadtrat mitten in den Sommerferien noch eilends – und sogar einstimmig – beschlossen hat.

Rucksäcke werden verbannt, und die 350 Meter Zaun, die zum gänzlichen Umringen der Theresienwiese bisher fehlten, die werden ergänzt. Keiner soll aufs größte Volksfest der Welt vordringen können, ohne mit Kontrollen zumindest rechnen zu müssen. Flächendeckend werden diese sowieso nicht sein, auch wenn die Stadt nun 200 zusätzliche Sicherheitsleute angestellt hat, nicht nur hundert, wie noch im Frühjahr geplant. Metalldetektoren werden an den Zugängen nicht aufgestellt.

Nur zwei Trachtenvereine haben für den Umzug abgesagt

Man habe den „Charakter der Wiesn nicht grundsätzlich verändern“ wollen, sagt Wirtschaftsbürgermeister Josef Schmid zur Begründung. Und: Man dürfe sich das Feiern von niemandem vermiesen lassen. Eher zweifelnd äußerte sich OB Reiter nach dem Beschluss für das neue Sicherheitskonzept: „Ich hoffe“, sagte er nur, „wir haben gemeinsam das Richtige getan.“

Absagen gibt es auch schon. Zwei Trachtenvereine wollen aus Sicherheitsgründen nicht am Festumzug teilnehmen; die CSU-Mittelstandsunion hat das traditionelle, gemeinsame Biertrinken aus demselben Grund abgeblasen. „Nichts besonderes“ heißt es bei den Wiesn-Wirten, der offiziellen Sprachregelung nach jedenfalls: Die Zelte würden locker auch so voll. Was seien schon zwei Trachtenvereine, fragt man bei den Organisatoren des Festzugs zurück, angesichts einiger tausend, die dabei sein wollten?

Seit 2011 gehen die Besucherzahlen zurück

Weniger Hotelbuchungen verzeichnen die einschlägigen Internet-Portale, mit einem Minus von zehn bis 15 Prozent rechnet der Hotel- und Gaststättenverband. Damit fiele die Wiesn nach ihren 5,9 Millionen Besuchern vergangenes Jahr im ungünstigsten Fall etwa auf jene 5,1 Millionen Gäste zurück, die im Jahr 1980 registriert worden sind – im Jahr des großen Oktoberfestattentats, als die Bombe des angeblichen Einzeltäters Gundolf Köhler 13 Menschen tötete und 211 verletzte.

Es war der Tiefpunkt des Oktoberfests; sogar 2001, unmittelbar nach den Terroranschlägen von Al-Qaida in den USA, kamen 5,5 Millionen Besucher zur Wiesn. Danach, 2009, gab es ominös-offiziöse Drohungen von Al-Qaida ausdrücklich auch gegen das Oktoberfest, was die Besucherkurve nicht daran hindern konnte, bis 2011 auf 6,9 Millionen zu steigen. Seither allerdings geht’s kontinuierlich bergab, und OB Reiter überlegt schon, ob die „Zeit der Rekordwiesn“ nicht ohnehin vorbei sein könnte.

Besucher beurteilen Kontrollen durchweg positiv

In den vergangenen Wochen haben die Sicherheitsbehörden ein paar Probeläufe erfolgreich hinter sich gebracht. Weder auf dem Herbstfest in Rosenheim, noch auf dem Straubinger Gäubodenfest, den bayerischen Volksbelustigungen mit dem dichtesten Massenandrang neben der Münchner Wiesn, gab es problematische Situationen. Auch die „innere Sicherheit“ war durch alkoholbedingte Exzesse und die übliche Kleinkriminalität eher weniger bedroht als in den Jahren zuvor. Auch sei die hohe Polizeipräsenz auf den Rummelplätzen, sowie die „Taschen- und die selektiven Personenkontrollen“ von den Besuchern „nahezu ausnahmslos positiv bewertet“ worden, schreibt etwa die Einsatzleitung in Straubing.

Was die einschlägige Bierzeltkriminalität betrifft, vom Grapschen bis zu den Masskrugschlägereien, war die Polizei auch mit dem Oktoberfest in München im vergangenen Jahr schon „sehr zufrieden“ – im Rahmen des Möglichen natürlich. Nur in 2017 Fällen musste sie einschreiten, um neun Prozent weniger häufig als bei dem Massenspektakel des Vorjahrs. Wenn das alles ist, und wenn das so alles bleibt, dann können es ja entspannte Tage werden in München. Das Oktoberfest dauert vom 17. September bis 3. Oktober 2016.

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