Okka von der Damerau Foto: Simon Pauly

Die Mezzosopranistin Okka von der Damerau singt als Solistin beim Stuttgarter Kammerorchester am Samstag, 10. Juli, um 20 Uhr im Mozartsaal Richard Wagners „Wesendonck-Lieder“.

Stuttgart - Sie ist eine der deutschen Wagner-Sängersängerinnen unserer Tage: Die in Hamburg geborene Okka von der Damerau, seit 2010 Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper, ist an diesem Sonntag im Konzert in Stuttgart zu erleben.

 

Frau von der Damerau, ich bin überrascht, dass Sie mit mir sprechen – morgen singen Sie in München die Brangäne in „Tristan und Isolde“ . . .

Ich werde davor auch noch sprechen. Schließlich habe ich Familie, zwei Söhne, da kann ich nicht einfach schweigen. Und bei einer Partie wie der Brangäne muss das auch funktionieren.

In der nächsten Spielzeit singen Sie auch an der Stuttgarter Staatsoper: In der „Walküre“ geben Sie Ihr Debüt als Brünnhilde.

Ich freue mich auf diese Partie, und ich freue mich auf die Zeit in Stuttgart, denn seitdem ich mal als Freiburger Studentin in der Stuttgarter Opernschule ausgeholfen habe, mag ich diese Stadt – und ihr Publikum, denn das ist interessiert, gebildet, intellektuell und frei.

Die drei Akte werden von drei unterschiedlichen Teams inszeniert. Reizt Sie das?

Ich bin grundsätzlich sehr offen, und ich bin ein großer Fan des Regietheaters. Die Stuttgarter Regieteams kenne ich alle nicht. Aber mich interessiert die Arbeit mit Licht, die dabei ja wohl im Vordergrund steht. Und man weiß es ja nie vorher, was am Ende herauskommt.

Sie haben vor Ihrem Studium eine Ausbildung als Hörgeräte-Akustikerin gemacht. Wie kommt man von dort zu Wagner?

Oh, darüber könnte man Lustiges sagen . . . (lacht) Ich komme aus einer Familie, die mit Gesangsmusik nichts zu tun hatte, habe die Klangwelt der Stimme im Schulchor für mich entdeckt, bin dann aber durch meine ersten Aufnahmeprüfungen durchgefallen. Da musste erst einmal eine solide Ausbildung her.

Nach Ihrem Studium hat sich in Ihrem Repertoire schnell der Schwerpunkt Wagner herauskristallisiert – aus Leidenschaft oder weil Ihre Stimme zu dieser Musik passt?

Letzteres. Anfangs war ich sehr breit unterwegs, aber irgendwann war nicht mehr zu leugnen, dass meine Stimme zu Wagner gehört. Ich hab mich vorher oft zu laut gefühlt – dynamisch, aber auch emotional. Dabei hatte ich lange große Berührungsängste mit Wagner, weil ich politisch immer eher links aktiv war. Inzwischen denke ich, dass jedes Genie bedenkliche Charakterzüge haben muss. Genies können nicht immer nett sein, sonst wären sie keine.

Was spüren Sie beim Singen der „Wesendonck-Lieder“?

Wagners Sehnsucht nach Ankunft und Angenommenwerden.

Kennen Sie die Bearbeitung, die in Stuttgart gespielt wird?

Noch nicht. Ich weiß nur, dass die Instrumentierung etwas leichter ist – und bin gespannt, weil das „Weniger ist mehr“ mit meiner Stimme immer so eine Sache ist. Deshalb habe ich für dieses Konzert die tiefe Lage gewählt, damit ich nicht ganz so dramatisch klinge.

Konzert am Samstag, 10. Juli, um 20 Uhr im Mozartsaal