Deniz Undav (links) und Nick Woltemade haben sich mit starken Leistungen gegen RB Leipzig für weitere Einsätze empfohlen. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Dem VfB stehen im Angriff deutlich mehr Optionen als noch im Vorjahr zur Verfügung. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Ein Blick auf die derzeitige Konstellation im Kader.

Es ist noch gar nicht lange her, da stellte sich die Offensive beim VfB Stuttgart fast schon von alleine auf. Der vergangene November und Dezember waren Monate des akuten Personalnotstands, mehrere Verletzungen minimierten die Alternativen, erst recht im Spielverlauf von der Bank. Sehr zur Unzufriedenheit des Cheftrainers. „In so eine Situation sollten wir nicht mehr laufen“, hatte Sebastian Hoeneß unlängst rückblickend betont. Inzwischen ist die Lage durch die Rückkehr der zuvor verletzten Deniz Undav und Jamie Leweling und die Verpflichtung von Jacob Bruun Larsen eine völlig andere. Und der Konkurrenzkampf vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg an diesem Samstag (15.30 Uhr) groß wie lange nicht.

 

Hoeneß nimmt die neue Konstellation genauestens und wohlwollend zur Kenntnis: „Der Konkurrenzkampf ist ganz wichtig, er ist total spürbar. Es geht automatisch schon ein kleiner Ruck durch die Mannschaft.“ Jeder Spieler wisse, dass er für realistische Chancen auf Einsatzzeit gut spielen und auch trainieren müsse. „Da brauchst du als Trainer gar nicht viel machen oder Einfluss nehmen. Das passiert automatisch.“

Millot und Demirovic zuletzt nur auf der Bank

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die Zahlen: Vier Positionen hat Hoeneß in seinem präferierten 4-4-2-System in der Offensive zu vergeben: zwei auf außen, zwei im Sturm. Acht fitte Interessenten aus dem Profikader buhlen momentan um diese Plätze – und bringen dabei ganz unterschiedliche Profile mit. Im Angriff: der formstarke Nick Woltemade als technisch versierter Zielspieler zum Behaupten der Bälle, Ermedin Demirovic als klassischer Mittelstürmer, zudem der wiedergenesene Undav mit seinem Torriecher. Auf den Außenbahnen: Chris Führich, Jamie Leweling und Neuzugang Bruun Larsen als Flügelstürmer mit Drang in die Tiefe – dazu Enzo Millot und Fabian Rieder, die sich gerne mal im Halbraum aufhalten und ins Zentrum einrücken.

Fabian Rieder – hier im Test gegen Ajax Amsterdam am 5. Januar – wartet noch auf seinen ersten Pflichtspiel-Einsatz für den VfB in diesem Jahr. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Dass dieses Repertoire dem VfB Möglichkeiten eröffnet, steht außer Frage: Hoeneß kann in Sachen Aufstellung variieren und reagieren – auf unterschiedliche Gegner und Anforderungen, aber auch auf Spielverläufe. Zugleich bringt eine solche große Auswahl natürlich auch Herausforderungen mit sich: Es gilt, das Ganze zu moderieren. Für weit mehr als elf Spieler im Stuttgarter Kader ist ein Platz in der Anfangsformation schließlich der ureigenste Anspruch.

Im jüngsten Heimspiel gegen RB Leipzig war die Ersatzbank besonders prominent besetzt. Mit Enzo Millot, dessen Marktwert auf rund 40 Millionen Euro taxiert wird. Oder mit Ermedin Demirovic, der vor der Saison für 21 Millionen Euro zum VfB gewechselt war. Beide hatten drei Tage zuvor im Auswärtsspiel beim FC Augsburg (1:0) nicht ihren besten Tag erwischt, was sie prompt aus der Anfangsformation gegen RB rutschen ließ.

Andererseits kamen sie immerhin zum Einsatz – im Gegensatz zum Schweizer Nationalspieler Fabian Rieder, der in der ersten Saisonhälfte noch regelmäßig gespielt hatte und nun 2025 noch auf seine ersten Pflichtspiel-Minuten im VfB-Trikot wartet. „Natürlich kann er nicht zufrieden sein in dieser Konstellation“, sagt Hoeneß, „aber Fabi ist einer, der sich davon nicht beeindrucken lässt. Der wird weiter marschieren.“

Unzufriedenheit und hängende Schultern sieht Hoeneß generell bei keinem der Profis. „Grundsätzlich nehme ich die Jungs so wahr, dass sie sich freuen, wenn wir stärker werden“, sagt der Stuttgarter Trainer. „Jeder, der beim VfB Stuttgart spielt, muss wissen, dass es hier Konkurrenzkampf gibt. Damit muss man umgehen können.“ Zugleich müsse diese Konstellation aber auch so aussehen, dass die Einsatzchancen für jeden Einzelnen realistische seien: „Wenn ich im Training besser als mein Konkurrent bin, sollte ich schon recht nah dran sein zu spielen“, so Hoeneß, „sonst hilft das in der Motivation sicher nicht.“

Beim VfB erhöht zudem das straffe Pensum die Chancen auf Spielminuten: Die Mannschaft befindet sich mitten in einer Reihe englischer Wochen, die so schnell nicht enden werden: Sechs Spiele binnen 22 Tagen stehen beginnend mit der Freiburg Partie an – und werden einiges an Rotation erfordern, um in der Terminhatz im Drei-Tages-Rhythmus die nötige Frische auf den Platz zu bringen. An Wechsel-Optionen mangelt es Sebastian Hoeneß in jedem Fall nicht.