Eine Schulkind- und Hausaufgabenbetreuung kann die Gemeinde Weissach vorerst nicht für alle anbieten, die einen solchen Platz wollen. Foto: dpa/Oliver Berg

Elf Familien haben für ihre Kinder, die bald vom Kindergarten auf die Flachter Grundschule wechseln, einen Hortplatz beantragt – und nun wegen Personalmangels weder Zu- noch Absage erhalten.

Im ganzen Land sieht es düster aus in Sachen Kinderbetreuung: Laut Bertelsmann-Stiftung fehlen im Südwesten bis 2023 bis zu 41 000 Fachkräfte. Schon jetzt müssen vielerorts Kitas früher schließen oder Betreuungszeiten gestrichen werden, weil sich die Kommunen gegenseitig die Pädagogen abwerben. Die Betreuung, die angeboten werden kann, ist oft mit heißer Nadel gestrickt – fällt jemand aus, kann das nicht immer leicht kompensiert werden.

 

Eben jenes Schicksal ereilte nun auch die Gemeinde Weissach. Wegen „spontaner Personalprobleme“, wie Bürgermeister Jens Millow auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, sind dort jüngst einige unerfreuliche Neuigkeiten in die Briefkästen von Eltern geflattert, die eine Schulkindbetreuung beantragt hatten. Konkret geht es um alle elf künftigen Erstklässler, die im Schuljahr 24/25 auf die Grundschule Flacht wechseln und einen Bedarf für Hort- oder Kernzeitbetreuung angemeldet hatten – und von der Gemeinde nun darüber informiert wurden, dass sie vorerst nicht berücksichtigt werden können.

Ärger über Formulierung im Brief der Gemeinde

Die Eltern stellt das, so erklärt es Nicole Essig, Elternbeiratsvorsitzende der Kita Brunnenstraße, vor Schwierigkeiten – teils sogar existenzielle. Denn der Grundschulunterricht in Flacht geht bis 12.10 Uhr, im schlimmsten Falle muss ab dieser Uhrzeit also eine anderweitige Betreuung her. „Bei uns geht es noch, weil wir Oma und Opa im Ort haben“, berichtet Essig, die Mutter zweier Kinder ist. Unter den Betroffenen sei aber etwa auch eine alleinerziehende Mutter. Wer keinen Platz in der Schulkindbetreuung hat, bekommt außerdem auch keine Ferienbetreuung – zusätzliche Zeit, die die Eltern trotz Beruf abdecken müssen. Dass man die Schulkindbetreuung nun laut Brief der Verwaltung weder zu- noch absagen könne, ließe die Familien in der Luft hängen. „Ich weiß, dass es wahrscheinlich gut gemeint ist, uns zu sagen: Wenn wir Personal haben, kriegt ihr einen Platz“, sagt Nicole Essig.

Besonders geärgert hatten sich die Eltern über einen Satz in der Mitteilung der Gemeindeverwaltung, der auch in einem offenen Brief der Familien an die Gemeinde zitiert wird: „Bevor Sie nun zum Telefonhörer greifen, bitten wir Sie, zunächst für sich und Ihre familiäre und berufliche Situation zu überprüfen, ob Sie weiterhin die von Ihnen beantragten Betreuungszeiten benötigen”, heißt es. „Würden wir keine Betreuung benötigen, hätten wir auch keine beantragt“, schreiben die Eltern im offenen Brief. Und auch die Kurzfristigkeit der Ankündigung – drei Monate vor Schulbeginn – sorgte bei den betroffenen Eltern für Irritation. Die Lage bei der Schulkindbetreuung sei im vergangenen Jahr schon „Spitz auf Knopf“ gewesen, sagt Essig. Außerdem wisse man, welche Kinder mit welchen Kita-Betreuungszeiten voraussichtlich auf die Grundschule wechseln. Das Argument, der Bedarf bei der Schulkindbetreuung sei nicht planbar, versteht sie also nicht.

Ungelernte Fachkräfte sollen Bedarf aufstocken

„Es ist sehr kurzfristig“, gibt auch der Bürgermeister zu. Man habe die Eltern direkt informiert, als der personelle Ausfall bekannt wurde. Zur gleichen Zeit sei er außerdem im Urlaub gewesen. Und: „Wir konnten uns im Brief nicht so ausdrücken, wie wir wollten“, gesteht Millow ein. Im Gespräch mit einigen Eltern hätten diese dann aber Verständnis gezeigt. Man sei im Rathaus kreativ, was Lösungen in Sachen Betreuung angeht, betont Millow. „Aber es gibt einfach nicht genug Leute, die den Job machen.“ Er sei froh, dass man die bestehenden Plätze in der Schulkindbetreuung hätte erhalten können.

Verständnis zeigt derweil auch Nicole Essig. „Ich kann es auch ein Stück weit nachvollziehen“, sagt sie. „Wo soll man die Leute auch herzaubern?“. Sie wünscht sich, dass Weissach bei den Betreuungsmodellen flexibler wird – also etwa, dass sich zwei Kinder auch einen Platz teilen und sich bei Tagen oder Uhrzeiten abwechseln können. Dort sehe auch er Potenzial, sagt Millow. Bereits jetzt angeschoben wurde ein Modell, bei dem eine pädagogische Fachkraft von ungelernten Fachkräften, auch Eltern oder Großeltern, bei der Betreuung unterstützt werden. Die Ausschreibung läuft bereits, Millow berichtet von einer bisher positiven Resonanz.

Ob so vielleicht alle elf zukünftigen Erstklässler auch einen Platz bekommen? Nicht nur Millow ist optimistisch – auch Nicole Essig ist zuversichtlich. „Ich denke, dass wir gehört wurden“, sagt sie. Kommende Woche hat die Verwaltung zum Gespräch geladen, man möchte zeitnah Aufklärung geben, verspricht Millow.