Türen auf für einen Tag: OB Fritz Kuhn lässt die Besucher in die Villa Berg. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat die Villa Berg für einen Tag für Besucher geöffnet. Und diese strömten in Scharen in das sonst verschlossene Kleinod. Wie es weitergeht mit der Villa, sollen auch die Bürger mitentscheiden.

Stuttgart - Neun Jahre lang haben die Stuttgarter auf diesen Moment gewartet, da sind auch 45 Minuten im Regen noch auszuhalten: Da aus Sicherheitsgründen immer nur 400 Besucher gleichzeitig in die aus dem Dornröschenschlaf für einen Tag der offenen Tür wach gerüttelte Villa Berg hinein durften, mussten aufgrund des Andrangs etliche neugierige Besucher lange Schlange stehen.

Bürger sollen mitentscheiden

Unter den Ersten ist der Letzte gewesen, der auf der großen Walcker-Orgel im Sendesaal eine Aufnahme fürs Radio einspielen durfte: Der 63-jährige Gymnasiallehrer Wolfgang Thoma reiste eigens aus Augsburg an. Fast ein bisschen wehmütig schaute er sich im Saal um, wo die große Orgel aus Falttüren in der Rückwand der Bühne hervorlugt. Sein Appell am Tag der offenen Tür: „Die Orgel und der Saal sollten erhalten bleiben.“ Als junger Kirchenmusiker entdeckte ihn der spätere Intendant des SDR, Hermann Fünfgeld, in Oberschwaben: „Er sagte, ich müsse nach Stuttgart kommen und eine Aufnahme machen“, erzählt er.

Wie es in der Villa Berg weitergeht, das soll mit Bürgerbeteiligung geklärt werden, betonte der Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), bevor er die Türen zum Rundgang für die Bürger öffnete. Er setze auf eine kulturelle, nicht kommerzielle Nutzung.

Das Zeug zum Zankapfel hat auf jeden Fall der große Sendesaal. Kurz vor der Öffnung meldete sich am Freitag der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Körner zu Wort: „Der Sendesaal darf nicht für sakrosankt erklärt werden. Ich hoffe hier auf ein Umdenken des Oberbürgermeisters“, so Körner. Der Schutz des Sendesaals sei jedoch im Sinne des Denkmalschutzes: „Wir schützen das was da ist, der Sendesaal gehört auch zur Geschichte der Villa“, sagte Christoph Schindelin von der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt.

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