Noch bis Montagnacht finden im Böblinger Waldheim Tannenberg die Offenen Tage statt. Ein wahrer Kraftakt für das Club-Forum-Team.
Hoch die Schnapsgläser und runter mit dem Pfefferminzlikör! In der Waldheim-Küche ist an diesem Samstagabend buchstäblich alles im grünen Bereich. Rund ein Dutzend junger Menschen in schwarzen Hoodies steht im Kreis zusammen und schwört sich mit einem Schluck des giftgrünen Elixiers auf die erste Nachtschicht ein. Möge es ihnen Kraft geben.
Schließlich ist dies erst der Anfang eines dreitägigen Party-Marathons, der hier am Südostrand von Böblingen hunderte Nachtschwärmer unter dem Dach des Evangelischen Waldheims Tannenberg vereinigt. Die Rede ist von den Offenen Tagen – kurz: Oftas. Schon seit mehr als vier Jahrzehnten gibt es zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Silvester diese Traditionsveranstaltung mit Livemusik, Casino-Tischen an denen mit Spielgeld Roulette und Black Jack gezockt wird und wo bis in die frühen Morgenstunden Cocktails geschlürft und feucht-fröhliche Bier-Pong-Duelle ausgetragen werden.
Das Altersspektrum reicht vom 17-Jährigen bis zur Großelterngeneration
Organisiert werden die Oftas vom Club Forum. Der beim Evangelischen Jugendwerk (EJW) angesiedelte Jugendclub feierte dieses Jahr sein 45-jähriges Bestehen. Entsprechend breit gefächert ist das Altersspektrum: Vom 17-Jährigen bis zur Großelterngeneration ist alles vertreten. Auch Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz ist hier und sagt ein paar lobende Worte zur Eröffnung.
Ursprünglich fanden die Oftas sogar über einen Zeitraum von vier Tagen statt – also jeweils vom 27. bis zum 30. Dezember. Veranstaltungsort war bis Ende 2010 die Heimstätte des Club Forums im Haus der Jugend im Paul-Gerhardt-Weg 8 in Böblingen. Weil dort eine Kindertagesstätte gebaut wurde, musste der Club Fourm in die Ratsstube umziehen, die Zukunft der Oftas stand kurzzeitig auf der Kippe – bis man im Jahr 2014 im Waldheim Tannenberg schließlich wieder eine neue Heimat fand.
Anfangs organisierten die Forum-Mitglieder die Offenen Tage noch als Motto-Party und übermalten dafür jedes Jahr aufs Neue die Wände mit passenden Motiven von „Harry Potter“ bis „Star Wars“. Was das jeweilige Motto war, wurde bis zur Eröffnung stets wie ein Staatsgeheimnis gehütet.
„Das würde heute über unsere Kapazitäten hinaus ausgehen“, sagt Julian Masur. Der 22-Jährige hat von seinen Vorgängern Jan Kattin, Felix Hentsch und Luca Brodbeck die federführende Organisation übernommen. Bis kurz vor Heiligabend hat der Böblinger, der in Rottenburg Forstwirtschaft studiert, mit einem 16-köpfigen Team alles vorbereitet, damit die Party an diesem Samstagabend reibungslos über die Bühne gehen kann.
Gefeiert wird bis um 3 Uhr morgens – Schlaf ist optional
Bis morgens um 3 Uhr wird gefeiert, danach lässt der harte Kern die Party gemütlich ausklingen, bis schließlich putzen und aufräumen für den kommenden Abend angesagt ist. Wie viel Schlaf man da bekommt? „Das ist optional, aber sechs bis acht Stunden sind schon drin, wenn man es sich richtig einteilt“, sagt Julian Masur und streicht sich lächelnd über seinen Kinnbart.
„Wirklich stressig wird es nach dem dritten Tag, weil da immer eine Festgesellschaft kommt, die hier Silvester feiern möchte. Deshalb müssen wir direkt nach der Party alles aufräumen, damit wir um 14 Uhr draußen sind“, sagt Nina Sträter. Die 19-Jährige BWL-Studentin ist eigens für die Oftas von ihrem Uni-Standort in Karlsruhe nach Böblingen gekommen, um die anderen Club-Forum-Mitglieder zu unterstützen.
Warum man sich diesen Kraftakt nach den Feiertagen antut? „Weil es schön ist, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Julian Masur. Stefan „Pete“ Wirtz sieht das genauso. Der 32-Jährige gehört mit seinen vier Jahre älteren Zwillingsbrüdern Dieter und Thomas noch immer zum festen Kern des Organisationsteams. „Mit 14 Jahren habe ich angefangen“, erzählt er. Dass die Oftas unter dem Dach einer christlichen Organisation stattfinden, ist für ihn kein Widerspruch. „Beim Christentum geht es um Gemeinschaft und Nächstenliebe“, sagt er, „genau das leben wir hier vor.“