1800 Busse fahren täglich durch den Ludwigsburger Bahnhof. Foto: Simon Granville

Weil die Stadtbahn andere Anforderungen an die Planungen stellt als gedacht, verzögert sich der Umbau des Ludwigsburger Omnibusbahnhofs.

Großes Gedränge in der Mitte, zu weite Wege drumherum, unübersichtlich, nicht barrierefrei, dazu die geringe Aufenthaltsqualität: Der Ludwigsburger Busbahnhof gehört zu den weniger schönen Ecken der Stadt und ist auch in Sachen Funktionalität kein Vorzeigebahnhof.

 

Deshalb soll er umgebaut werden, die Pläne dazu sind mittlerweile weit fortgeschritten. Eigentlich war ein Baustart im Herbst 2023 anvisiert, nun müssen die Planer aber eine weitere Schleife drehen. Die Arbeiten verzögern sich voraussichtlich um ein Jahr: der Grund ist die Stadtbahn, die seit Sommer beschlossene Sache ist. Irgendwann einmal – im Zeitplan steht reichlich optimistisch das Jahr 2032 – soll die Bahn nämlich im ZOB halten, dem Zentralen Omnibusbahnhof. Die gute Nachricht: Prinzipiell sind Bahn und Bus auf dem Gelände kompatibel.

80 Meter lange Züge und höher Steige als für Busse

Es wird prognostiziert, dass die Züge, wenn sie einmal fahren, mit vielen Fahrgästen aus Markgröningen kommen, und neben den Massen an Pendlern so gewisse Anforderungen ans Ludwigsburger Mobilitätskreuz mitbringen. Zum einen müssen bei den voraussichtlichen Fahrgastzahlen zwei Wagen aneinandergekoppelt werden, die Züge kommen damit auf eine Länge von 80 Metern. Um die Bahnen zu besteigen, die teils auch auf „normalen“ Schienen fahren, braucht es 38 Zentimeter hohe Steige – 20 Zentimeter mehr als für einen Linienbus.

Weil die Stadt nicht warten möchte, bis die Bahn kommt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Umbau des Busbahnhofs in zwei Abschnitte zu unterteilen. In der ersten Stufe soll er barrierefrei und insgesamt kompakter werden. Der Steig in der Mitte, auf dem die Wartenden zu den Stoßzeiten kaum aneinander vorbeikommen, wird um drei Meter verbreitert. Um den dafür nötigen Platz zu schaffen, wird die Ladenzeile abgerissen, die Gleise und Busbahnhof voneinander trennt. Die Mieter wissen, dass ihnen dieses Schicksal dräut. Dementsprechende Verträge haben sie unterschrieben. An die Stelle der Läden kommt eine Lärmschutzwand, ein neues Dach in der Mitte des Areals soll besser als bisher vor Regen schützen.„Wir wollen keine Brache an der Stelle“, sagt Denise Kamp vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen. Deshalb bleibt das Gebäude so lange wie möglich stehen.

Taxis müssen auf die Westseite – einige Buslinien vielleicht auch

Das Gelände zwischen Musik-, Bahnhofshalle und neuem Kinderwunschzentrum bleibt im Groben so bestehen, allerdings werden die Verkehre neu sortiert. Statt 15 einzelnen Bussteigen wird es künftig acht voneinander abgesetzte „Kanten“ geben, an denen mehrere Linien gebündelt werden. Beispielsweise sollen alle Busse, die in Richtung Westen fahren an solch einer Kante halten. Weil die Stadtbahn, wenn sie dann kommt, die Hälfte des Platzes beanspruchen wird – wegen der Länge deutlich mehr als zu Beginn angenommen –, muss noch einmal berechnet werden, ob der Bahnhof die rund 1800 Busse, die ihn jeden Tag passieren, so überhaupt verkraftet. Sollte das nicht der Fall sein, könnten einige auf der Westseite bei der MHP-Arena halten. Auf jeden Fall müssen die Taxis dorthin umziehen, wogegen sich in der Vergangenheit mehrfach Widerstand geregt hatte. Die Leistungsfähigkeit des ZOB soll eine Studie bis spätestens Ende des Jahres klären, dann können die Planungen entsprechend angepasst werden. An der Zahl der Busse wird sich zunächst auch kaum etwas ändern. Die Bahnstrecke Markgröningen – Ludwigsburg ersetzt nämlich nur eine Buslinie, alle anderen braucht es weiterhin. Das wäre erst mit der Innenstadtstrecke der Fall, für die es bislang aber keine Mehrheit im Ludwigsburger Gemeinderat gibt.

„Es gibt leider keine einfache Lösung“, sagt Mobilitätsbürgermeister Sebastian Mannl. Wobei man bei der Höhe der Steige durchaus pragmatisch vorgeht, um sie erst einmal barrierefrei zu machen. Es wird einfach mehr Asphalt aufgetragen, der dann – bevor die Schienen verlegt werden – wieder abgefräst wird. Laut Mannl hat die erneute Verzögerung auch etwas Gutes. „In der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Situation wollen sie so ein großes Projekt nicht ausschreiben. So gesehen, verschafft uns das ein bisschen mehr Zeit.“

Anberaumt sind für den neuen Bahnhof bislang um die 40 Millionen Euro. Inbegriffen ist dabei die Sanierung des Tunnels unter dem Bahnhof. Wie an der Sternkreuzung tritt auch dort Wasser ein.