Der Bus fährt von der Gerlinger Höhe nach Ditzingen. Foto: Simon Granville

Schüler aus der Gerlinger Waldsiedlung und von der Schillerhöhe kommen regelmäßig zu spät zum Unterricht, weil der Schulbus verspätet ist. Doch der Fahrplan wird nicht angepasst.

Eltern von Schulkindern der Gerlinger Schillerhöhe sind sauer: Mit dem „Schulbus“ kommen die Kinder des Wohngebiets regelmäßig zu spät zum Unterricht. Eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Einigen Eltern auf der Gerlinger Schillerhöhe und der Waldsiedlung stinkt es gewaltig.

 

Seit Jahren schon müssen ihre Kinder, wollen sie pünktlich zum Unterrichtsstart im Klassenzimmer sein, schon frühmorgens um 7 Uhr in den Bus steigen. Dabei ist Schulbeginn an den weiterführenden Schulen in Gerlingen wie fast überall erst um 7.45 Uhr. Und das Schulzentrum ist gerade mal rund vier Straßenkilometer entfernt.

Bus ist ständig verspätet, die Schüler kommen zu spät zur Schule

Das Problem: Mit dem eigentlichen „Schulbus“ der Buslinie 638 um 7.28 Uhr ab „Gerlingen Ramtel“, der ersten Haltestelle im Bereich Waldsiedlung und Schillerhöhe, kommen die Schulkinder fast immer unpünktlich zum Unterricht. Der Grund: „Der Bus hat hier regelmäßig Verspätung“, sagt Saskia Scharf, die auf der Schillerhöhe wohnt und deren Sohn die achte Klasse am Gerlinger Gymnasium besucht. „Die Konsequenz ist, dass die Schüler hier oben aus Angst, zu spät zu kommen, fast alle den Bus um 7 Uhr nehmen.“ Natürlich seien dann alle viel zu früh an der Schule. „Und der Schulbus ist dann ein Geisterbus.“

Ein Bus nur für den Schülertransport ist der Linienbus um 7.28 Uhr zwar nicht. Er wird aber von den Anwohnern so bezeichnet, weil Stadt und Verkehrsverbund für ihn bereits Strecken- und Abfahrtszeitanpassungen vorgenommen haben, die auf den Unterrichtsbeginn um 7.45 Uhr abgestimmt sein sollten. So fährt dieser Bus nicht die Schleife über den Waldfriedhof und zudem fünf Minuten früher als alle anderen.

Das Problem ist bekannt, eine Lösung ist nicht in Sicht

Die Anpassungen waren schlecht gemacht“, sagt Saskia Scharf. Denn selbst wenn der Bus pünktlich sei, was selten vorkomme, reiche die Abfahrtszeit um 7.28 Uhr nicht aus, um garantiert rechtzeitig im Klassenzimmer zu sein. Planmäßig ist die Busfahrt für die Schüler ab „Gerlingen Ramtel“ sieben Minuten lang. Dazu kommen laut VVS sechs Minuten Fußweg zur Schule. Würde das so klappen, wären die Schulkinder um 7.41 Uhr an der Schule. Viel zu knapp, sagt Scharf, als dass das tatsächlich im Alltag funktioniere.

Das Problem sei laut VVS und der Stadt Gerlingen bekannt. Letztere verweist auf die vergangenen Anpassungen, die vorgenommen wurden, „um die Fahrtzeiten zu stabilisieren und die Pünktlichkeit zu verbessern“. Verspätungen könnten aber „gerade im morgendlichen Berufsverkehr leider nie ganz ausgeschlossen werden“.

Laut Gerlinger Verwaltung sei die Buslinie 638 auf die S-Bahnzeiten am Bahnhof Ditzingen abgestimmt, was weitere Fahrplanänderungen ausschließe. Laut VVS wäre bei einer früheren Abfahrt des Busses im Bereich Schillerhöhe der Anschluss von der Buslinie X60 aus Richtung Universität und Flughafen nicht mehr möglich.

VVS: Gerlingen soll Unterrichtsbeginn nach hinten verlegen

Eine Lösung des VVS: Einfach den Unterrichtsbeginn um fünf Minuten nach hinten verlegen. „Dies würde morgens zur ersten Stunde die Situation entspannen und mittags nach der sechsten Stunde die Wartezeit gleichermaßen verkürzen“, so ein VVS-Sprecher. Er verweist auch darauf, dass das Kultusministerium die Schulen sogar angehalten habe, ihre Zeiten auf den ÖPNV abzustimmen. In Hinblick auf das notgedrungene Ausweichen der Schüler auf den Bus, der 30 Minuten früher fährt, erklärt der VVS, dass „gemäß der Schülerbeförderungskostensatzung des Landkreises Wartzeiten auf den Schulbeginn von bis zu 45 Minuten als zumutbar gelten“.

Die Stadt Gerlingen wiederum lehnt eine Verschiebung der Unterrichtszeiten ab. „Nur drei Prozent der Schüler des örtlichen Gymnasiums wohnen in der Waldsiedlung“, heißt es aus dem Rathaus. Zudem seien die Stundenzeiten der verschiedenen Schulen des Schulzentrums synchronisiert, weil die Sporthallen und -flächen gemeinsam genutzt würden.

Paradox: Wer in Stuttgart zur Schule geht, kann später losfahren

Saskia Scharf erinnert daran, dass es auch schon in der Vergangenheit Initiativen von Anwohnern gegeben habe, Stadt und VVS in der Angelegenheit zum Handeln zu bewegen. Bisher offenbar vergeblich. „Es ist ein Armutszeugnis, dass Schüler der Schillerhöhe, die im zwölf Kilometer entfernten Stuttgart das Gymnasium besuchen, zehn Minuten später den Bus nehmen können“, sagt die Mutter.

Gespannt sein darf man, wie die Eltern der betroffenen Kinder reagieren werden, wenn ab 1. Januar die neuen Abfahrtszeiten der Buslinie 638 aushängen. Laut künftiger Fahrplantabelle, die schon im Internet steht, erreicht dann der 638er sogar erst um 7.30 Uhr die Haltestelle „Gerlingen Ramtel“. Der frühere Bus kommt dafür planmäßig schon um 6.57 Uhr an.