Auch ein Busfahrer braucht mal Pause: Die Unternehmen klagen über große Nachwuchsprobleme. Foto: Judith A. Sägesser

Am Dienstag hat sich eine große Runde in Filderstadt getroffen, um Lösungen für die Probleme mit den Bussen auf den Fildern zu erarbeiten. Wir geben einen Überblick über die Ergebnisse.

Filderstadt/Leinfelden-Echterdingen - Kaum ein Tag, an dem es in und um Filderstadt nicht wegen des Busverkehrs kriselt. Verspätungen, Komplettausfälle – die Stimmung vieler Fahrgäste ist angespannt. Eltern und Lehrer sind inzwischen auf die Barrikaden gegangen, denn oft leiden Schulkinder unter dem unzuverlässigen Busverkehr. Klagen von Busnutzern gibt es aber auch in Leinfelden-Echterdingen. Die Adressaten sind vor allem die Firmen Friedrich-Müller-Omnibus (FMO) und Melchinger. Am Dienstagabend gab es einen Runden Tisch zum Thema. Wir erklären, welche Lösungen erarbeitet worden sind.

Wer saß am Runden Tisch?

Der Runde Tisch war vor allem ein großer. Denn an ihm vertreten waren alle, die in irgendeiner Weise mit den Problemen zu tun haben. Neben der Filderstädter Stadtverwaltung, die Gastgeberin war, waren anwesend: Vertreter der Busunternehmen FMO und Melchinger, des Landratsamts Esslingen (die Behörde ist zuständig für die Vergabe des Busverkehrs), des Gesamtelternbeirats Filderstadt, der Schulen, des Jugendgemeinderats sowie der Bürgermeister von Aichtal (dort ist das Unternehmen Melchinger beheimatet).

Welche Probleme gibt es?

Ärger gibt es bereits seit Dezember 2018. Damals übernahm die Bahn-Tochter FMO Linien auf den Fildern; diese hat sie teils an Melchinger als Subunternehmen abgegeben. Im Dezember 2019 hat Melchinger weitere Linien übernommen. Busfahrgäste bemängeln, dass Busse teils gar nicht oder viel zu spät kommen, die falsche Anzeige auf den Fahrzeugen steht, die Busse teils in einem fragwürdigen technischen Zustand seien, die Fahrer manchmal den Weg nicht zu kennen scheinen oder einen rauen Ton an den Tag legen.

Was sind die Gründe für diese Probleme?

Weder Axel Koffmane von FMO noch Babette Melchinger und Mario Graunke von Melchinger leugnen die Schwierigkeiten. Die Busunternehmen leiden in der heutigen Zeit unter großen Nachwuchsproblemen, erklärt Koffmane. Denn jemand, der Busfahrer werden will, müsse zunächst um die 10 000 Euro in den Führerschein stecken. Zudem gingen viele Fahrer in Rente, und es sei schwer, die Stellen nachzubesetzen – auch weil die Region Stuttgart teuer ist und die Mietpreise oft nicht dem Budget eines Busfahrers entsprechen. Zweites Problem: Der ÖPNV sei im Umbruch, doch mehr Bus- und Bahnfahrten bedeuteten eben auch mehr Fahrzeuge und Fahrer – und die könne keiner herzaubern. Teils würden Fahrzeuge auf den letzten Drücker ausgeliefert. Babette Melchinger berichtet, dass Busse, die vom 1. Dezember an fahren sollten, am 30. November fertig gewesen seien – jedoch ohne Kassen, diese habe man dann in einer Nacht- und Nebelaktion eingebaut und dafür zunächst auf korrekte elektronische Anzeigen verzichtet.

Welche Lösungen wurden erarbeitet?

Es gibt zwei Arten von Linien: Die einen betreibt FMO ohne öffentliche Zuschüsse und hat sie teils an Melchinger abgetreten. Kommt es dort bei Melchinger zu Engpässen bei Fahrern oder Fahrzeugen, hat FMO zugesichert, einzuspringen – ab sofort. Für die anderen Linien, die Melchinger mit öffentlichen Zuschüssen bedient, wird sich Melchinger die Hilfe zweier Subunternehmer holen. Hier soll es für die Fahrgäste ab dem 1. Februar 2020 spürbare Verbesserungen geben. Die falschen Anzeigen in den Bussen sollen „kurzfristig korrigiert“ werden. Am 5. Februar trifft sich zudem eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Runden Tischs in kleinerer Runde. Dabei soll es vor allem darum gehen, wie die Fahrgäste besser über Störungen informiert werden können. Die Idee ist eine App, aber auch aktuelle Infos auf der Homepage von Melchinger.

Wie verlässlich sind diese geplanten Veränderungen?

Alle Teilnehmer des Runden Tisches zeigen sich am Tag danach optimistisch, dass die Ziele erreicht werden können – auch der Vertreter des Gesamtelternbeirats Ulrich Fauth und Ursula Bauer, Schulleiterin des Elisabeth-Selbert-Gymnasiums. „Da ist schon ein Erfolgsdruck da“, sagt Bauer. „Das muss jetzt tun.“ Allerdings warnt Mario Graunke davor, einen komplett störungsfreien Busverkehr zu erwarten. Den könne es in einem Ballungszentrum wie auf den Fildern schwerlich geben. Denn die Straßen sind gerade zu den Stoßzeiten mit Autos verstopft. „Aber wir werden unser Möglichstes tun.“

  
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