Wo kein Linienbus verkehrt, soll ab Sonntag der VVS-Rider aushelfen. Die Kleinbusse fahren nach Buchung virtuelle Haltestellen in sechs Kommunen des Landkreises an. Das Pilotprojekt läuft bis Ende 2026 und kostet Kreis und Kommunen jährlich 500 000 Euro.
Mit zwei Kleinbussen wollen der Landkreis Ludwigsburg, der VVS und die Kommunen Bietigheim-Bissingen, Tamm, Kirchheim am Neckar, Gemmrigheim, Besigheim und Walheim Lücken im ÖPNV-Netz vom 4. August an schließen. Am Mittwoch wurde das Projekt VVS-Rider vorgestellt. „Es geht darum, mit Kleinbussen die Leute dort zu transportieren, wo es keinen Linienverkehr gibt“, sagte der VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Konkret heißt das für Kirchheim, Gemmrigheim, Besigheim und Walheim, dass sich VVS-Kunden dort, wo keine Haltestelle in der Nähe ist, per Telefon oder App eine Fahrt mit einem solchen Kleinbus buchen können.
„Es gilt der normale VVS-Tarif“, sagte Hachenberger. Nutzen kann man den VVS-Rider in den Kommunen in der Zeit von 6 bis 19 Uhr unter der Woche sowie von 8 bis 17 Uhr am Wochenende. In Bietigheim-Bissingen und Tamm ist der VVS-Rider zudem in den Nächten auf Samstag und Sonntag von 22 bis 5 Uhr im Einsatz. Der Kleinbus kommt nach Buchung an eine von 3800 virtuellen Haltestellen, also nicht direkt zur Haustür. Das soll dazu führen, dass die Busse nicht immer nur eine Person transportieren. Nicht mehr als 400 Meter vom eigenen Standort entfernt soll die virtuelle Haltestelle sein. Ist eine echte Haltestelle näher, werde einem das auch in der App angezeigt.
Es ist kein Zufall, dass Gemeinden aus dem nördlichen Landkreis für das Pilotprojekt, das bis Ende 2026 läuft, ausgewählt wurden. Dort gibt es viele Ecken mit schlechter ÖPNV-Anbindung. Oftmals lohnen sich manche Strecken für die Verkehrsbetriebe wegen zu geringer Auslastung nicht, sodass auf Sicht keine Chance besteht, dort eine Busverbindung zu etablieren. Genau in diese Lücke soll der VVS-Rider stoßen. Das Projekt muss von kommunaler Seite bezuschusst werden. Die 500 000 Euro Kosten pro Jahr übernimmt zu 50 Prozent der Landkreis. Die andere Hälfte teilen sich die sechs Kommunen. Die einzelnen Beiträge wurden über einen Schlüssel, der Einwohnerzahl und tägliche Betriebszeit berücksichtigt, kalkuliert. Tamm etwa kommt pro Jahr auf lediglich gut 9000 Euro, Besigheim als Spitzenzahler muss fast 100 000 Euro jährlich beisteuern.
Zur Eröffnung am Mittwoch vor dem Rathaus Besigheims goss ausgerechnet Florian Bargmann, der neue Bürgermeister Besigheims, ein wenig Wein ins Wasser und sagte: „Wie flexibel das Angebot ist, müssen wir abwarten.“ Er habe die App selbst getestet – in anderen Landkreisen gibt es das Angebot schon – und er habe oft die Info erhalten, dass die gewünschte Fahrt nicht möglich sei, weil der Kleinbus bereits woanders unterwegs sei. Deswegen solle man lieber seine Fahrten vorab buchen und nicht spontan, riet der Schultes.
Betrieben werden die Kleinbusse im Projekt durch die Firma Friedrich Müller Omnibusverkehr (FMO) mit Sitz in Schwäbisch Hall. Die Geschäftsführerin Birgit Stoib ist fast schon so etwas wie ein alter Hase im Rider-Geschäft, denn FMO betreibt seit mehr als einem Jahr ein solches Angebot in Leinfelden-Echterdingen. Sie relativierte Bargmanns Aussage, dass es mit Spontanbuchungen schwer werden könnte. In Leinfelden seien 73 Prozent aller Buchungen Sofortbuchungen. Neben Leinfelden gibt es das Angebot auch in Rutesheim-Renningen und Geislingen-Göppingen. 40 000 Fahrgäste habe man insgesamt seit dem Start des Projekts schon transportiert, sagte Florian Lorisch von der Firma Via, die die App programmiert hat.
VVS-Rider als „professioneller Bürgerbus“
Im Landkreis Ludwigsburg werden die zwei Busse mit je vier Plätzen sowie einem Platz für einen Kinderwagen oder einen Rollstuhl von sechs Fahrern über die Straßen bewegt. In den ursprünglichen Überlegungen zu dem On-Demand-Projekt war man von E-Autos ausgegangen. Nun werden Verbrenner eingesetzt, weil sich die Elektroantriebe in der kurzen Projektzeit nicht gerechnet hätten. Hachenberger wirbt für den „professionellen Bürgerbus“.
Dem VVS gehe es darum, ein Mobilitätsbund zu werden und viele verschiedene Mobilitätsarten zu verbinden. Grundsätzlich könne er sich den VVS-Rider – den Namen findet er anscheinend selbst nicht optimal, er strahle aber etwas Moderneres aus als Ruftaxis oder ähnliches – auch in anderen Bereichen des Kreises vorstellen. Da müsse dann aber das Land auch in die Finanzierung miteinsteigen.
Erst mal will man nun aber das Pilotprojekt erfolgreich etablieren. Gelingt dies, soll das Kleinbus-Angebot bei der nächsten Ausschreibung des ÖPNV für die Zeit von 2027 an fest verankert werden, heißt es von kommunaler Seite.
So funktioniert der VVS-Rider
App oder Telefonat
Um die Kleinbusse zu nutzen muss man entweder die VVS-Rider-App auf sein Handy laden oder die Nummer 0711 / 99521077 anrufen.
Fahrt auswählen
In einem ersten Schritt wählt man die gewünschte Fahrt und Abholzeit aus. Dabei wird angezeigt oder mitgeteilt, was die ideale Verbindung ist.
Fahrt buchen
Basierend auf der Buchungsanfrage, kann man zwischen mehreren Varianten wählen und diese gleich buchen. Ein gültiges VVS-Ticket ist nötig, kann zur Not aber bargeldlos im Kleinbus gekauft werden.
Virtuelle Haltestelle
Zur gewünschten Uhrzeit kommt der Kleinbus an die virtuelle Haltestelle – meist besondere Punkte in der Umgebung.