Die Haltestelle Villeneuvestraße wird derzeit nicht von Bussen angefahren. Foto: Werner Kuhnle

Mehrere große Baustellen führen in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) zum langfristigen Ausfall von Haltstellen. Anwohner im nördlichen Stadtgebiet fühlen sich abgehängt. Nun reagiert das Rathaus und setzt auf On-Demand-Verkehr um die Lücken zu stopfen.

Für ältere und beeinträchtigte Kornwestheimer im nördlichen Stadtgebiet gibt es gute Nachrichten aus dem Rathaus. Mit einem Rufauto sollen sie wieder an den ÖPNV angebunden werden. Weil die Pflugfelder Brücke gerade abgerissen wird und in der Ludwigsburger Straße Bauarbeiten laufen, wird der nördliche Teil mit seinen Haltestellen wie Villeneuvestraße und Pflugfelder Straße derzeit nicht angefahren. Die Folge für ÖPNV-Nutzer: Ein mehrere hundert Meter längerer Fußweg zur Bushaltestelle. Das hatte vor allem viele ältere Kornwestheimer aus dem Norden geärgert. Sie hatten sich an die Stadtverwaltung und die Stadträte gewandt.

Rufauto-Lösung kostet 50 000 Euro

Nun hat die Verwaltung gehandelt. Sabine Zimmermann, die die Abteilung „Sicherheit, Ordnung und Verkehr“ leitet, hat am Donnerstagabend in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses eine Lösung präsentiert. Ein Rufauto der Kornwestheimer Firma Speedcar soll nach Bedarf und zu festgelegten Zeiten Menschen von der Haltestelle „Villeneuvestraße“ zur Haltestelle „Christofstraße“ in der Jakobstraße im Ortszentrum transportieren. Das lässt sich die Stadt pro Jahr bis zu 50 000 Euro kosten. Derzeit wird der Vertrag ausgearbeitet, los gehen soll das am 1. August.

Es werden 450 potenzielle Fahrten pro Woche angeboten. Die Berechnung der Haltestellenbelastung aus den Vorjahren ergab insgesamt 320 Fahrgäste pro Tag, die an der Haltestelle Villeneuvestraße ein- oder ausgestiegen sind. Es sei, so Zimmermann aber nicht davon auszugehen, dass das Rufauto auch 320 Fahrgäste täglich nutzen. Es solle, so erklärte Bürgermeisterin Martina Koch-Haßdenteufel vor allem älteren oder in der Mobilität eingeschränkten Bürgern dienen. Pro Fahrt muss die Stadt Kornwestheim sechs Euro zahlen.

Der Abriss der Großen Pflugfelder Brücke ist einer der Gründe für den Bus-Ärger in Kornwestheim. /Werner Kuhnle

Die Deckelung der Kosten auf 50 000 Euro pro Jahr – die Umleitung der Buslinien dauert bis mindestens Anfang 2027 – werde der erwarteten Nachfrage gerecht. Allerdings will man jeden Monat im Kontakt stehen mit „Speedcar“ um zu schauen, wie sich die Zahlen entwickeln, sagte Zimmermann. Nach einem Jahr soll die Maßnahme geprüft und eine Entscheidung über die Weiterführung getroffen werden. Ganz kostenlos ist der Service für die Bürger Kornwestheims aber nicht. „Wer eine Monatskarte oder ein Zeitticket hat, kann damit auch das Rufauto nutzen. Alle anderen müssen den Preis einer Kurzstreckenfahrt bezahlen“, sagte Martina Koch-Haßdenteufel. Das führe leider dazu, dass manche ÖPNV-Nutzer zwei Tickets bräuchten, wenn sie in einen Bus umstiegen, aber „Speedcar“-Fahrer dürften eben keine VVS-Tickets herausgeben.

In der Kornwestheimer Stadtverwaltung hofft man, mit der Lösung den vielen Beschwerden abhelfen zu können, die seit dem Beginn der Baustellen im Frühjahr an die Verantwortlichen im Rathaus herangetragen wurden. Gerade ältere Einwohner hatten sich ob der nicht geringen Steigung zwischen Ortsmitte und nördlichem Wohngebiet über beschwerliche Heimwege vom Einkaufen echauffiert.

Wann die Rufautos fahren und unter welcher Nummer man sie zehn bis 15 Minuten vorher anrufen muss, soll den Anwohnern im nördlichen Stadtgebiet über Flyer und als Aushang an der verwaisten Haltestelle Villeneuvestraße mitgeteilt werden. Von den Stadträten gab es durchweg Lob für diese Lösung.